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Kampf gegen den IS : Washingtons Wahl der Waffen

Raqqa im Blick: Kämpfer der Syrischen Demokratischen Kräfte im Februar im Osten Syriens Bild: AFP

Die Türkei lehnt die amerikanischen Rüstungslieferungen an Syriens Kurden ab. Trump braucht sie aber für den Kampf gegen den IS in Raqqa.

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          Knapp eine Woche vor dem ersten persönlichen Treffen zwischen den Präsidenten Donald Trump und Recep Tayyip Erdogan durchlaufen die ohnehin schwierigen amerikanisch-türkischen Beziehungen einen zusätzlichen Stresstest. Nurettin Canikli, einer der stellvertretenden Regierungschefs im von Erdogan kontrollierten Kabinett des türkischen Ministerpräsidenten Binali Yildirim, kritisierte am Mittwoch amerikanische Pläne, die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) in Syrien direkt mit Waffen und Munition zu beliefern.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Die Anwesenheit „terroristischer Organisationen“ in Syrien bedrohe „die Zukunft des türkischen Staates“ und könne nicht akzeptiert werden, sagte Canikli. Er hoffe, dass Washington von diesem „falschen Weg“ abrücke, fügte er hinzu und wiederholte sinngemäß das bekannte Argument der türkischen Regierung, eine Terrorbande lasse sich nicht mit einer anderen Terrorbande bekämpfen. „Diese Politik nutzt niemandem“, so Canikli.

          Am Tag zuvor hatte die Sprecherin des Pentagons Ankara mit der Mitteilung aufgeschreckt, Trump habe das Verteidigungsministerium ermächtigt, „kurdische Elemente“ innerhalb der von Washington unterstützten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) militärisch aufzurüsten, um einen „klaren Sieg“ bei der geplanten Rückeroberung der Stadt Raqqa von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) zu ermöglichen. Seit dem Angriff der Anti-IS-Koalition auf das irakische Mossul ist Raqqa in Syrien die einzige große Stadt, die der IS noch zur Gänze kontrolliert. Bei den Syrischen Demokratischen Kräften (in denen die kurdischen Volksschutzeinheiten eine zentrale Rolle spielen) handele es sich um die einzige Kraft am Boden, die Raqqa in absehbarer Zeit zu erobern in der Lage sei, hatte die Sprecherin ausgeführt.

          Für die Türkei gilt das Motto: Frieden schaffen ohne Waffen

          Zwar ging der amerikanische Verteidigungsminister James Mattis am Mittwoch auf türkische Befürchtungen ein und sagte, man werde „sehr eng“ mit der Türkei zusammenarbeiten, „zur Unterstützung ihrer Sicherheit an ihrer südlichen Grenze“. Zudem hatte das Pentagon angekündigt, nach der Eroberung Raqqas sollten alle dort vom IS befreiten Gebiete von lokalen syrischen Arabern regiert werden. Doch die Tatsache, dass die Amerikaner zuvor auf Schützenhilfe der Kurden setzen wollen, nährt in Ankara Befürchtungen. Für die Türkei gilt in Syrien, zumindest mit Blick auf die Kurden, das Motto: Frieden schaffen ohne Waffen. Jedenfalls ohne bewaffnete Kurden.

          Ankara führt durchaus zutreffend an, dass die Volksschutzeinheiten der Kurden in Syrien eng mit der kurdischen Terrororganisation PKK in der Türkei verbunden sind. Waffen, die man den Volksschutzeinheiten liefere, könnten deshalb früher oder später gegen den türkischen Staat gerichtet werden, so die Befürchtung. Jede Waffe in den Händen der Volksschutzeinheiten stelle eine Bedrohung der Türkei dar, sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Mittwoch.

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