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Türkei : Innerkurdischer Machtkampf

Bild: Reuters

Die „Freiheitsfalken“ vertreten den radikalsten Teil der kurdischen PKK. Mit den Bombenanschlägen reagierten sie auf zunehmenden militärischen Druck und politische Isolation innerhalb der Separatistenbewegung.

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          Ein Flügel der kurdischen Separatistenbewegung PKK hatte der Türkei eben noch einen Waffenstillstand angeboten, da bombte ein anderer buchstäblich die Grundlage dafür weg. „Freiheitsfalken Kurdistans“ nennen sich die Bombenleger. Zunächst bezichtigten sie sich der Anschläge im Badeort Marmaris und in Istanbul, bei denen mehrere Dutzend Menschen verletzt wurden. Dann teilten sie mit, sie hätten in Antalya zwei Jugendliche im Alter von 18 und 20 Jahren sowie einen pensionierten Polizisten getötet; auch drei deutsche Urlauber wurden dort verletzt. „Nichts wird in der Türkei sein wie bisher“, drohen die Täter im Internet. Zudem kündigten sie weitere Gewalttaten an: „Wir haben versprochen, die Türkei in die Hölle zu verwandeln.“ Die drei Toten in Antalya seien der Preis, den die Türkei für die Isolationshaft des PKK-Führers Öcalan zu zahlen habe.

          Rainer Hermann
          Redakteur in der Politik.

          In Erscheinung traten die „Freiheitsfalken“ erstmals im Frühjahr 2005. Am 1. Mai, als sie noch niemand kannte, warnten sie ausländische Urlauber vor Reisen in die Türkei. Dann verübten sie im Juli in den Badeorten Cesme und Kusadasi ihre ersten Anschläge. Lange galten sie als eine Abspaltung von der PKK. Erst allmählich setzt sich die Erkenntnis durch, daß sie mutmaßlich nichts anderes sind als der kompromißlos militante Flügel der PKK. So ist der mutmaßliche Bombenleger, den die türkische Polizei am Dienstag bei der Vorbereitung eines Anschlags in Izmir verhaftete, auch ein Mitglied der PKK. Nach zwei Verdächtigen fahndet die Polizei in Antalya.

          Waffenstillstand an Bedingungen geknüpft

          Einige der radikalsten Anführer der PKK kontrollieren offenbar die „Freiheitsfalken“. Im innerkurdischen Machtkampf setzen sie diese für ihre Zwecke ein. Nur vordergründig geht es den „Freiheitsfalken“ um die Gründung eines selbständigen kurdischen Staats. In Wirklichkeit spiegelt ihre Gewalt diesen Machtkampf wider und die Furcht, daß die Separatisten ihr Rückzugsgebiet in den zerklüfteten Bergen des Nordiraks verlieren.

          Schärfere Gangart erwartet: Neuer türkischer Generalstabschef Büyükanit
          Schärfere Gangart erwartet: Neuer türkischer Generalstabschef Büyükanit : Bild: picture-alliance/ dpa

          Dort hatte die Nummer 2 der PKK, Murad Karayilan, vor einer Woche dem türkischen Staat einen an Bedingungen geknüpften Waffenstillstand angeboten. Er sollte am 1. September in Kraft treten. Die Bedingungen sind für Ankara aber wohl nicht zu erfüllen. Denn die PKK knüpft ihre angebliche Bereitschaft, die Waffen ruhen zu lassen, an die Aufhebung der Isolationshaft Öcalans und an einen Dialog Ankaras mit der PKK.

          Spielraum im Nordirak wird immer enger

          In der PKK unterstützen nicht alle das Angebot eines „Waffenstillstands“. Diejenigen, die es kategorisch ablehnen, haben nun mutmaßlich die „Freiheitsfalken“ losgeschickt. Nach Angaben aus Kurdenkreisen geht die Diskussion über einen möglichen Waffenstillstand jedoch weiter. Denn Leute wie Karayilan fürchten, daß ihr Spielraum im Nordirak immer enger wird. Mit dem taktischen Zug eines Waffenstillstandsangebots wollen sie sich über den Winter retten. Sie hoffen, daß sich bis zum kommenden Frühjahr die Rahmenbedingungen für sie wieder geändert haben.

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