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Kampf gegen „Islamischen Staat“ : Türkei gibt Militärbasen für Luftangriffe frei

  • Aktualisiert am

Strategisch bedeutend: Der türkische Luftwaffenstützpunkt Icirlik. Bild: Reuters

Ihre zögerliche Haltung im Kampf gegen die Terrormiliz IS hat der türkischen Regierung zuletzt viel diplomatischen Ärger eingebracht. Nun macht Ankara Zugeständnisse: Die internationale Allianz darf künftig die Militärbasen im Land nutzen.

          Vor dem Hintergrund der schweren Gefechte um die syrische Kurdenstadt Kobane ist die Türkei einen Schritt auf die Militärkoalition gegen den Islamischen Staat (IS) zugegangen. Nach Angaben aus dem Pentagon hat die Türkei der amerikanischen Luftwaffe erlaubt, die türkischen Stützpunkte für Angriffe auf Stellungen der Dschihadistengruppe zu nutzen. Zudem dürfen in den Militäreinrichtungen Vertreter der gemäßigten syrischen Opposition untergebracht und ausgebildet werden.

          Ein ranghoher Vertreter der amerikanischen Streitkräfte sagte zu der Vereinbarung, die Details der Nutzung der türkischen Militärflughäfen würden derzeit noch geklärt. Die Streitkräfte erhielten aber das Nutzungsrecht der Luftwaffenbasis Incirlik im Süden des Landes. Die Basis wird schon seit langem von Amerika genutzt, die Luftangriffe gegen IS-Stellungen starteten bislang allerdings von Stützpunkten in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait und Katar. In Jordanien sind ebenfalls seit dem vergangenen Jahr amerikanische Kampfjets stationiert.

          Pentagon lobt Türkei

          Amerikas Verteidigungsminister Chuck Hagel dankte in einem Telefonat seinem türkischen Kollegen Ismet Yilmaz für die Bereitschaft, der Militärkoalition zu helfen. Das schließe auch die „Unterbringung und Ausbildung“ syrischer Oppositioneller mit ein, sagte Hagels Sprecher John Kirby.

          Bislang war dafür in den amerikanischen Plänen allein Saudi-Arabien vorgesehen. Washington will keine Truppen in Kampfgebiete entsenden, die Regierung in Ankara lehnt eine Bodenoffensive im Alleingang ab. Um den IS zu zerstören, sollten daher bisher jährlich 5000 gemäßigte syrische Rebellen in Saudi-Arabien ausgebildet und mit Waffen ausgerüstet werden.

          Entscheidende Bedeutung

          Hagel würdigte zudem den Umgang der Türkei mit dem Flüchtlingsansturm sowie der unsicheren Grenze mit Syrien. Beide Minister seien sich einig gewesen, der Bedrohung durch den IS weiter mit einem „strategischen Ansatz“ zu begegnen. Das Anti-IS-Bündnis wollte die Türkei seit längerem enger einbinden. Die Regierung in Ankara sträubte sich jedoch dagegen und pochte unter anderem auf ein gemeinsames Vorgehen, das sich auch gegen das Regime des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad richtet. Da die Türkei unmittelbar an von den Extremisten kontrollierte Gebiete grenzt, wird dem Land eine entscheidende Bedeutung beigemessen.

          Unterdessen ist die Stadt Kobane zum Symbol des Kampfes der Kurden gegen die Dschihadisten geworden. Die syrische Stadt an der Grenze zur Türkei wird seit nunmehr fast einem Monat von den Extremisten belagert. Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, drängten die Kurden die IS-Kämpfer am Sonntag stellenweise wieder zurück. Die Dschihadisten hätten schwere Verluste erlitten und Verstärkungen in die Stadt geschickt, von denen viele aber kaum Kampferfahrung hätten, erklärte die Beobachtungsstelle.

          Türkei greift nicht selbst in Syrien ein

          Die Türkei hat zwar Truppen an der Grenze zusammengezogen und auch vom Parlament die Erlaubnis erhalten, militärisch einzugreifen. Dies tat sie bislang jedoch nicht, was bei den Kurden sowie international auf scharfe Kritik stößt. Am Sonntag stellte der französische Philosoph Bernard-Henri Lévy die Mitgliedschaft der Türkei in der Nato in Frage, sollte Kobane fallen. „Die Position der Türkei würde problematisch, wenn sie Kobane fallen ließe“, sagte er.

          Kurden beobachten die umkämpfte syrische Stadt Kobane von der türkischen Seite der Grenze aus

          Der IS kontrolliert mittlerweile etwa 40 Prozent der Stadt. Die Extremisten sind den kurdischen Kämpfern zahlenmäßig und militärisch überlegen. Der Kampf um Kobane ist für sie strategisch wichtig, weil sie mit der Einnahme der Stadt bis zur Grenze zur Türkei vorrücken würden. Amerikas Außenminister John Kerry sagte am Sonntag in Kairo, die IS-Offensive auf Kobane sei eine „Tragödie“. Jedoch handele sich hierbei „nur um eine Gemeinde“, die nicht „die Strategie der Koalition“ bestimme.

          Treffen der Anti-IS-Allianz

          Die internationale Allianz trifft sich am Montag erstmals seit Beginn der amerikanischen Luftangriffe auf IS-Stellungen vor zwei Monaten zu strategischen Beratungen. Zu der Konferenz hat Amerikas Generalstabschef Martin Dempsey mehr als 20 Militärchefs eingeladen, unter anderem aus Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden. Auch fünf arabische Verbündete sitzen am Militärstützpunkt Andrews bei Washington mit am Tisch: Saudi-Arabien, Jordanien, Bahrain, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate. Den Vereinigten Staaten war zuletzt vorgeworfen worden, keine langfristige Strategie für den Kampf gegen die Dschihadisten im Irak und in Syrien zu haben.

          Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) will an diesem Montag in Saudi-Arabien über das weitere Vorgehen beraten. Auf dem Programm steht unter anderem ein Treffen mit dem saudischen Außenminister Saud al-Faisal in der Hafenstadt Dschidda am Roten Meer.

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