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Streit mit Macron : Erdogans Provokationen

Heizt den Konflikt mit Frankreich weiter an: der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan Bild: AFP

Die Provokationen des türkischen Präsidenten sind keine Ausrutscher, sie sind kalkuliert. Erdogan weiß, dass er mit Frankreich innenpolitisch mehr erreichen kann als mit Deutschland.

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          Solidarität unter Partnern müsste sich anders zeigen. Die Rückberufung des französischen Botschafters aus Ankara war die passende Antwort auf die ungeheuerliche Beleidigung des türkischen Präsidenten Erdogan, der dem französischen Staatspräsidenten Macron geraten hatte, er solle sich in psychiatrische Behandlung begeben und seinen „geistigen Zustand“ prüfen lassen. Das ist derselbe Erdogan, der wegen Beleidigungen seiner Person die Justiz mit Tausenden Anzeigen überschwemmt hat.

          Die Bundesregierung hätte ein Zeichen der Solidarität setzen und ebenfalls den deutschen Botschafter zu Konsultationen zurückbeordern können. Stattdessen blieb es bei der Redewendung, Deutschland stehe an der Seite Frankreichs, und Erdogans Angriffe seien inakzeptabel.

          Anstatt sich zu beruhigen, hat Erdogan am Montag neues Öl ins Feuer gegossen und zu einem Boykott französischer Waren aufgerufen. Für Frankreich wären die Folgen marginal, schließlich rangiert die Türkei lediglich auf Rang 14 der französischen Exportdestinationen. Treffen würde der Boykott die Türkei, denn die in Lizenz hergestellten französischen Automobile sind eines der wichtigsten türkischen Exportprodukte.

          Entschuldigen wird sich Erdogan bestimmt nicht

          Was immer Erdogan tut und sagt, er stemmt sich ohne Rücksicht auf die wirtschaftlichen Kosten gegen die Erosion seiner Wählerbasis. Die Folgen sind dramatisch. Am Montag sank die türkische Lira auf einen neuen Tiefststand, die Kreditwürdigkeit des Landes entspricht der von Ruanda, und jeder vierte Türke ist arbeitslos.

          Erdogans Provokationen sind keine Ausrutscher, sie sind kalkuliert. Er weiß, dass er mit Frankreich innenpolitisch mehr erreichen kann als mit Deutschland. Denn viele Türken haben von Frankreich, wo es eine starke armenische Lobby gibt und viele Kurden aus der Türkei leben, ein negatives Bild.

          Nun nimmt Erdogan eine anhaltende Krise mit Europa in Kauf. Dabei benötigt die türkische Wirtschaft eine Modernisierung der Zollunion mit der EU von 1996. Ohne eine Entschuldigung Erdogans gegenüber Macron wird sie die nicht bekommen, wird es keinen Ausweg aus der misslichen Lage geben, in die Erdogan die Türkei gebracht hat.

          Nur einmal hatte sich Erdogan bei einem anderen Präsidenten entschuldigt, 2016 nach dem Abschuss eines russischen Flugzeugs bei Putin. Gegenüber Macron wird er dazu nicht bereit sein.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

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