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Konflikt um Afrin-Region : Massiver türkischer Aufmarsch an der Grenze zu Syrien

Türkische Soldaten bei einer Übung in der Nähe der Grenzstadt Kilis (im März) Bild: dpa

Die Türkei droht mit einer Militäroperation gegen die kurdischen Enklaven in Syrien, aus Angst vor einem vermeintlichen „Terrorkorridor“. Washington hält eine schützende Hand über seine kurdischen Verbündeten – noch.

          Bevor der amerikanische Verteidigungsminister James Mattis am Mittwoch auch nur einen Fuß auf türkischen Boden gesetzt hatte, war ihm von seinem wichtigsten Gesprächspartner, dem Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, schon eine wichtige Botschaft übermittelt worden: Sein Land, sagte Erdogan laut der Zeitung „Hürriyet“, werde es niemals zulassen, dass in Syrien ein (kurdischer) „Terrorkorridor“ entstehe.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Athen.

          Sollte sich eine solche Gefahr abzeichnen, „dann werden wir intervenieren“, bekräftigte Erdogan frühere Drohungen und präzisierte: „Unsere Entschlossenheit hinsichtlich Afrin bleibt.“ Afrin, so der türkische Präsident, sei „eine sehr wichtige Region“. Unter den vielen Schauplätzen, die in Syriens Zerfallskrieg eine Rolle spielten in den vergangenen Jahren, stand die nordsyrische Stadt Afrin, gelegen etwa 25 Kilometer östlich und südlich der Grenzen zur Türkei, bisher nicht an erster Stelle.

          Blick auf einen Mauerabschnitt nahe der türkischen Grenztadt Kilis

          Das könnte sich aber ändern, denn die türkische Armee hat in der nördlich von Afrin gelegenen Grenzregion Kilis in den vergangenen Wochen mehrere tausend Soldaten samt Panzern und Artilleriewaffen zusammengezogen. Seit Wochen heißt es in Ankara, dem ersten türkischen Feldzug in Nordsyrien, der von August 2016 bis zu ihrem formalen Ende im März 2017 ausgeführten Operation „Schutzschild Euphrat“, könne bald ein zweiter folgen – und Afrin, das seit Jahren unter einer Blockade durch die Türkei leidet, werde eines der Angriffsziele sein.

          Türkei in Furcht vor kurdischem „Terrorstaat“ an der Grenze

          Afrin ist das westlichste der drei militärisch von den „Volksschutzeinheiten“ (YPG) der syrischen Kurden kontrollierten Gebiete im Norden Syriens. Als Rojava („Westen“ oder politisch „Westkurdistan“) bezeichnen Kurden diese Landstriche, die geographisch nicht direkt miteinander verbunden sind. Im Zentrum liegt Kobane, im Osten an der Grenze zur Türkei und dem Irak die Region Cizre. Diese Gebiete sind Ankara ein Dorn im Auge.

          Zu Beginn der Kämpfe in Syrien im Jahr 2011 verfolgte die türkische Regierung als wichtigstes Ziel bei der Neuordnung des Nachbarstaates noch den Sturz des Gewaltherrschers Baschar Al Assad, weil mit diesem kein Friede möglich sei, wie in Ankara immer wieder betont wurde. Mit den militärischen Erfolgen der syrischen Kurden schob sich ab 2012 aber immer stärker ein anderes Ziel in den Vordergrund: Auf keinen Fall, so hat es Ankara immer wieder verlauten lassen, werde die Türkei die Entstehung eines kurdischen „Terrorstaates“ an ihrer Südgrenze dulden. Ankara beruft sich darauf, dass die „Volksschutzeinheiten“ in Syrien nur ein Ableger der kurdischen Terrorbande PKK seien, die in der Türkei seit Jahrzehnten Anschläge verübt.

          Herzlich geht anders: Erdogan empfängt Verteidigungsminister Mattis im Präsidentenpalast in Ankara.

          Schon die Operation „Schutzschild Euphrat“ hatte, neben der Vertreibung der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) aus Gebieten an der Grenze zur Türkei, vor allem das Ziel, Gebietsgewinne der syrischen Kurden zu revidieren und das geographische Zusammenwachsen der kurdisch beherrschten Gegenden zu vereiteln. Dabei spielte auch die Furcht eine Rolle, Syriens Kurden könnten ihr Herrschaftsgebiet bis an die syrische Mittelmeerküste ausdehnen.

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