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Türkei : Der neue Außenminister ist keine Überraschung

Ali Babacan gilt als konzentriert und diszipliniert Bild: REUTERS

Der als Wirtschaftsminister erfolgreiche Ali Babacan tritt jetzt in die Fußstapfen des zum Präsidenten gewählten Abdullah Gül. Profiliert hat er sich als Chefunterhändler für den EU-Beitritt seines Landes. In Erdogans Regierung ist er der große Aufsteiger und zugleich der jüngste Minister.

          Nach der Wahl Abdullah Güls zum Staatspräsidenten war es keine Überraschung mehr: Ministerpräsident Erdogan ernannte seinen bisherigen Wirtschaftsminister Babacan zum neuen türkischen Außenminister. Unbestritten sind die Erfolge Babacans als Wirtschaftsminister; dafür spricht der beispiellose Aufschwung, den das Land seit fünf Jahren erlebt. Unbestritten sind auch seine Erfolge als türkischer Chefunterhändler bei den EU-Beitrittsgesprächen; denn die EU schloss den „Screening-Prozess“ ab und eröffnete die ersten Verhandlungskapitel.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Als Nachfolger Güls tritt Babacan aber in große Schuhe. Babacan hatte seinen Blick bisher auf Europa gerichtet. Gül aber ist überall angesehen: bei Arabern und Israelis, in Russland und Zentralasien, natürlich in Europa und Nordamerika. Er initiierte die Treffen der Nachbarstaaten des Iraks, er vermittelte zwischen der muslimischen Welt und Israel. Dieses Vertrauen muss sich Babacan erst erwerben.

          Babacan und Gül ergänzen sich gut

          Ein schwacher Außenminister muss Babacan damit nicht werden. Trotz der Krisen in der Region wird er seinen Blick aber voraussichtlich vor allem nach Europa richten. Als Außenminister hatte Gül in Staatspräsident Sezer jemanden über sich, der sich nicht im Geringsten für Außenpolitik interessiert hatte. Bei Babacan ist die Lage anders. Gül hat bereits zu erkennen gegeben, dass er ein aktiver Staatspräsident sein werde, insbesondere in der Außenpolitik.

          Babacan als EU-Chefunterhändler im Gespräch mit Steinmeier

          Zu Friktionen zwischen Babacan und Gül muss es deswegen aber nicht kommen. Denn es war Gül, der im Sommer 2001 Babacan für die neu zu gründende AKP gewonnen hatte. Seither haben sie einander gut ergänzt: Gül war Außenminister, Babacan Wirtschaftsminister und EU-Chefunterhändler.

          Calvinistische Arbeitsethik

          Beide sind aus ähnlichem Holz geschnitzt und fallen durch Arbeitsdisziplin auf. Babacan kommt mit vier Stunden Schlaf aus und macht häufig im Ministerium erst um vier Uhr morgens die Lichter aus. Konzentriert arbeitet er und rasch. In der ersten Regierung hatte wohl kein Minister alle Dossiers so abrufbereit im Kopf wie Babacan.

          Als neuer Chef des Außenministeriums wird ihm diese calvinistische Arbeitsethik aber nicht reichen. Im Tagesgeschäft wird er auf den Sachverstand seiner Umgebung angewiesen sein. Ahmet Davutoglu war der Vordenker von Güls Außenpolitik. Er wollte mit dem Beginn dieser Legislaturperiode an die Universität zurückkehren. Nun nimmt der Druck auf ihn zu, doch zu bleiben.

          Stets Klassenbeste und in der Politik der Jüngste

          Babacan bleibt in den Regierungen Erdogan der große Aufsteiger. Bereits in der ersten war er der jüngste Minister, und gerade den beauftragte Erdogan mit den EU-Verhandlungen. In der Politik war Babacan stets der Jüngste, in der Schule stets der Klassenbeste. 1967 wurde er in Ankara geboren, an der Eliteuniversität ODTÜ ließ er sich zum Industrieingenieur ausbilden.

          Von 1990 bis 1992 studierte er mit einem Fulbright-Stipendium an der Kellogg School der Northwestern University und schloss mit einem Master im Fach Marketing und Internationale Wirtschaftsbeziehungen. Danach arbeitete er zwei Jahre als persönlicher Referent führender amerikanischer Investmentbanker. Zurück in Ankara, baute er den väterlichen Textilbetrieb zum führenden Versandunternehmen der Türkei aus. In die Politik kam er erst auf Einladung Güls. Nun wird er dessen Nachfolger als Außenminister.

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