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Türkei : Bataclan in Istanbul

Kein Land wird derzeit so vom Terror heimgesucht wie die Türkei. Das ist auch eine Folge der Politik von Präsident Erdogan.

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          Was für Frankreich der Terroranschlag auf den Nachtklub Bataclan am 13. November 2015 war, ist für die Türkei der Terror gegen den Istanbuler Nachtklub „Reina“ in der Neujahrsnacht 2017. Ziel der beiden Anschläge waren Orte, an denen sich Menschen trafen, die unbeschwert Zeit miteinander verbringen und ausgelassen feiern wollen; Orte also, die für das Lebensgefühl, für die Freiheit moderner Gesellschaften stehen. Islamistische Extremisten haben diesen Gesellschaften – und damit uns – den Krieg erklärt. Mit ihrem Terror hoffen sie, die Gesellschaften ins Mark zu treffen und zu lähmen. Das darf ihnen nicht gelingen, weder in Europa, noch in der Türkei, wo für viele, und das nicht nur in Istanbul, der westliche Lebensstil völlig normal ist.

          Noch ist nicht zweifelsfrei erwiesen, wer den Terror verübt hat. Vieles spricht für die Täterschaft des „Islamischen Staats“. Der bestialische Anschlag gegen den Nachtklub, nach nur einer Stunde des neuen Jahres, zeigt, dass uns der Terror 2017 noch mehr als bisher begleiten wird. Entwickelt hatte sich der islamistische Terror über die vergangenen Jahrzehnte in Schüben. Erst war der Dschihad in Ägypten auf kleine, avantgardistische Zellen beschränkt. Dann verschaffte sich Al Qaida eine internationale Reichweite, und für Anschläge griff die Führung im Hindukusch auf einzelne Dschihadisten zurück. Vom IS geht heute eine ungleich größere Gefahr aus. Denn er kann auf enttäuschte Massen in der islamischen Welt zurückgreifen, auf eine Jugend, die sich verraten fühlt, und – das vor allem – auf eine junge Generation von Muslimen in Europa, die sich etwa in den Gefängnissen radikalisiert. Zusammen verschaffen sie dem IS eine strategische Tiefe, über die Al Qaida nicht verfügt hat.

          Die Türkei ist nicht allein von diesem islamistischen Terror bedroht. Kein Land wird derzeit aber so vom Terror heimgesucht wie die Türkei – vom Terror des IS und von dem extremistischer Kurden. Präsident Erdogan hat recht, wenn er sagt, die Anschläge seien nicht von dem zu trennen, was in der Region geschehe. Zu Beginn von Erdogans Herrschaft war die Türkei von Terror verschont. Dann führte er das Land in drei Kriege: nach Syrien, in den Irak und zu Hause gegen die Kurden. Das überfordert die Türkei. In der Tat: Der Terror hat mit dem zu tun, was in der Türkei geschieht – er ist auch eine Folge der Politik der Führung in Ankara.

          Bild: DPA
          Rainer Hermann
          Redakteur in der Politik.

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