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Nach Aussage des Anwalts : Ein inhaftierter Deutscher in der Türkei freigelassen

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Silivri-Gefängnis in der Nähe von Istanbul: 55 Deutsche sitzen derzeit in türkischen Gefängnissen. Bild: Reuters

Der Rechtsanwalt einer der beiden in der Türkei verhafteten Deutschen hat mitgeteilt, dass sein Mandant freigelassen worden sei. Er war wegen politischer Vorwürfe festgenommen worden.

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          Einer der beiden in der vergangenen Woche in der Türkei festgenommenen Deutschen ist wieder auf freiem Fuß. Der Rechtsanwalt des Inhaftierten habe mitgeteilt, dass sein Mandant ohne Auflagen freigelassen worden sei, erklärte ein Sprecher des Auswärtigen Amts am Montag in Berlin.

          Am vergangenen Donnerstag waren auf dem Flughafen des Urlaubsorts Antalya zwei Deutsche aus politischen Gründen festgenommen worden. Der zweite ist weiterhin in Haft. Insgesamt sitzen damit noch elf Deutsche in türkischen Gefängnissen, denen unter anderem Unterstützung von Terroristen vorgeworfen wird. Sie wurden alle nach dem gescheiterten Putschversuch vor einem Jahr festgenommen.

          Der Grünen-Kanzlerkandidat Cem Özdemir hat den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan einen „Geiselnehmer“ genannt. „Er nimmt deutsche Geiseln in der Türkei und will sie nach Vorbild eines Mafiosi eintauschen“, sagte Özdemir am Montag auf dem Gillamoos-Volksfest im niederbayerischen Abensberg. Autoritäre Herrscher bräuchten klare Ansagen. Alles andere verstehe Erdogan nicht.

          Die Türkei-Politik der Bundesregierung nannte Özdemir „ein Desaster“. „Wenn die Hoffnung war, und das war sie ja offensichtlich, „wenn ich nett bin zu Erdogan, ist Erdogan nett zu mir“, dann muss man sagen: Diese Politik ist kläglich gescheitert“, sagte Özdemir kurz bevor öffentlich bekanntwurde, dass einer der in der vergangenen Woche festgenommenen Deutschen in der Türkei wieder freigelassen worden war.

          Die Bundesregierung hatte nach der Inhaftierung des Menschenrechtlers Peter Steudtner Mitte Juli einen Kurswechsel in der Türkei-Politik vorgenommen und die Reisehinweise für das Urlaubsland vieler Deutscher verschärft. Seit den Festnahmen am Donnerstag werden weitere Reaktionen diskutiert.

          SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz forderte am Sonntagabend überraschend einen Abbruch der EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will darüber Gespräche mit den anderen EU-Mitgliedern führen. Für einen Abbruch der Verhandlungen ist ein einstimmiger Beschluss der 28 EU-Mitglieder nötig.

          Die Bundesregierung hatte das Vorgehen der türkischen Führung nach dem fehlgeschlagenen Putschversuch vom vergangenen Jahr wiederholt scharf kritisiert. Die Türkei wiederum wirft Berlin vor, „Terroristen“ zu unterstützen, indem Deutschland Kurdenpolitiker und angebliche Putschisten beherbergt.

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