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Wahlen in Griechenland : Eine Überdosis Hoffnung

Alexis Tsipras verspricht den Griechen ein besseres Leben. Wer könnte ihm da widerstehen? Bild: AFP

Alexis Tsipras will Ministerpräsident werden. Dafür verspricht er den Griechen viel. Wenn er das nicht einhält, könnten ihm die Gefolgsleute weglaufen, denn seine Wähler hoffen auf eine Stunde Null.

          9 Min.

          Der Sonderpreis für die originellste Antwort auf die Frage, wie Griechenland seine Schulden abbauen kann, geht an Rachel Makri. Die Abgeordnete kandidiert für das „Bündnis der radikalen Linken“, kurz Syriza, das laut allen Prognosen die griechische Parlamentswahl am Sonntag gewinnen wird, und ihr Vorschlag zum Abtragen des 315 Milliarden Euro hohen Athener Schuldenbergs ist wirklich ein Knüller: Wenn Syriza an der Macht sei, werde die griechische Zentralbank einfach 100 Milliarden Euro drucken – dann sei das Land schon mal ein gutes Stück weiter, sagte die Politikerin vor wenigen Tagen bei einem Wahlkampfauftritt in Kozani, einer Kleinstadt in Nordgriechenland. Der griechische Finanzminister wird sich schwarz ärgern, dass er nicht selbst auf die Idee gekommen ist.

          Michael Martens
          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Giannis Varoufakis, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Athen und oft als „Wirtschaftsguru“ von Syriza bezeichnet, hat eine andere Idee. Der französischen Internetzeitung „La Tribune“ sagte er dieser Tage: „Was auch immer Deutschland macht oder sagt, es wird sowieso zahlen.“ Soll heißen: Entweder, Deutschland und die anderen Staaten der Eurozone, die in der griechischen Diskussion oft vergessen oder als Satelliten Berlins bezeichnet werden, verzichten auf eine Rückzahlung des größten Teils der Milliardentransfers, die sie seit 2010 geleistet haben – dann haben sie viel Geld verloren. Oder sie bestehen auf einer vollen Rückzahlung – dann wird Griechenland aus der Eurozone ausscheiden, und Athens Gläubiger können sich aus wertlosen Drachmen Papierschiffchen falten, um sie die Lethe heruntertreiben zu lassen, den Fluss des Vergessens.

          Auch Syriza-Chef Alexis Tsipras pflegt eine robuste Rhetorik. Der Mann, der Griechenland regieren will, setzt im Wahlkampf vor allem auf Versprechen. Sechzig Prozent der griechischen Schulden, knapp 190 Milliarden Euro, sollen Griechenland erlassen, also von den Steuerzahlern der anderen Eurostaaten übernommen werden. Die ohnehin in ferner Zukunft liegenden Rückzahlungsfristen für den Rest will Tsipras um mehrere Jahrzehnte strecken. Die geltende Frist läuft bis 2054. Dann wäre Tsipras 80 und Angela Merkel wahrscheinlich tot. Als Ministerpräsident werde er außerdem ein vier Milliarden Euro teures Investitionsprogramm auflegen, zwei Milliarden Euro Soforthilfe an sozial schwache Familien leisten und fünf Milliarden Euro für einen „Beschäftigungsplan“ zur Senkung der Arbeitslosigkeit ausgeben, verspricht Tsipras.

          Alexis Tsipras bei einem Wahlkampftermin in Athen.
          Alexis Tsipras bei einem Wahlkampftermin in Athen. : Bild: Reuters

          Die jungen Griechen haben die Nase voll

          Gemessen an der Wirtschaftsleistung ist Griechenland nach Japan der am höchsten verschuldete Staat der Welt. Glauben die Leute allen Ernstes, was Tsipras ihnen erzählt? Was treibt sie an? Wer sind sie? Warum folgen mehr als zwei Millionen Griechen einem Mann, der ihnen vollkommen unrealistische Dinge verspricht?

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