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Griechenland und Mazedonien : „Ein historischer Moment für den Balkan“

Auf einen Nenner gekommen: Mazedoniens Ministerpräsident Zoran Zaev und Griechenlands Premier Alexis Tsipras Bild: AFP

Seit Jahren fordert Griechenland, dass sich Mazedonien umbenennt. Ministerpräsident Alexis Tsipras tritt in Athen an die Öffentlichkeit und verkündet Unglaubliches: Eine Vereinbarung im Namensstreit mit dem Nachbarn.

          Der Streit schien absurd, die Folgen jedoch waren ernst: Seit fast drei Jahrzehnten hat Griechenland die Westintegration des Balkanstaates Mazedonien verhindert. Begründung: Der Name Mazedonien beziehe sich auf Alexander den Großen, und der sei nun einmal ein Repräsentant der antiken hellenischen Kultur gewesen. Die slawischen Bewohner des sich heute widerrechtlich so bezeichnenden Staates Mazedonien, einer ehemaligen Republik Jugoslawiens, hätte daher nicht das Recht, diesen Namen zu tragen.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Schließlich seien Slawen erst im sechsten Jahrhundert nach Christus auf den Balkan gekommen, also fast ein Jahrtausend nach der Geburt Alexanders. Mit solchen Begründungen verhinderte Griechenland unter anderem den Beitritt Mazedoniens zur Nato auf dem Gipfel des Bündnisses in Bukarest im Jahr 2008 – obwohl alle anderen Staaten der Allianz dafür waren. Nur den Vereinten Nationen durfte Mazedonien beitreten, wenn auch auf Betreiben Griechenlands lediglich unter dem erniedrigenden Kunstnamen „Fyrom“, dem Akronym von „Former Yugoslav Republic of Macedonia“.

          Die Folgen der von Griechenland erzwungenen Isolation Mazedoniens waren nicht nur für das Land selbst einschneidend, sondern potentiell destabilisierend für den gesamten südlichen Balkan. Die für die Region zeitweilig recht hohen demokratischen Standards in Mazedonien verfielen, der demokratisch gewählte Ministerpräsident Nikola Gruevski baute das Land über die Jahre zu einer Autokratie für sich und eine kleine Clique von Kleptokraten aus. In der albanischen Bevölkerungsgruppe Mazedoniens, die etwa einer Viertel der zwei Millionen Einwohner des Kleinstaates stellt, wurden Rufe nach einem Anschluss an den Nachbarstaat Albanien laut, wenn Mazedoniens Weg gen Westen dauerhaft versperrt bleiben sollte. Das wiederum blieb nicht ohne Widerhall im mehrheitlich albanischen Kosovo sowie in Serbien, das die 2008 erklärte kosovarische Unabhängigkeit nicht anerkennt.

          Ein „historischer und sehr mutiger Erfolg“

          Auch deswegen war es nicht zu tief in die Rhetorik-Kiste gegriffen, als Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Dienstag Mazedoniens Regierungschef Zoran Zaev und Griechenlands Ministerpräsidenten Alexis Tsipras zu einer „historischen Vereinbarung“ im sogenannten Namensstreit gratulierte. EU-Erweiterungskommissar Johannes Hahn hatte zuvor, ebenfalls auf Twitter, ähnlich große Worte gewählt und Athen wie Skopje zu dem „historischen und sehr mutigen Erfolg“ beglückwünscht.

          Kurz zuvor hatten Tsipras und Zaev unabhängig voneinander den Plan für eine Einigung im „Namensstreit“ verkündet. Tsipras, für den es innenpolitisch nicht leicht ist, die Abmachung zu verkaufen, gab am Abend eine ausführliche Erklärung dazu ab. „Griechinnen und Griechen“, begann der Regierungschef, „vor kurzem und nach monatelangen und anstrengenden Verhandlungen sind wir mit dem Ministerpräsidenten von Fyrom zu einer Vereinbarung über die Lösung unserer lang andauernden Differenz bezüglich des Namens des Nachbarlandes gekommen.“ Er wolle seine Landsleute davon Kenntnis setzen, so Tsipras weiter, „dass unsere Nachbarn, damit die Beziehungen einer konstruktiven Zusammenarbeit und Freundschaft zwischen den beiden Völkern wiederhergestellt werden, und damit Griechenland ihre europäische und euroatlantische Perspektive nicht nur unterstützt, sondern dabei an erster Stelle steht, einer Änderung ihres verfassungsmäßigen Namens für jeden Gebrauch und gegenüber allen Seiten zugestimmt haben.“

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