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Truppenabzug aus dem Irak? : „Bush wird sich nicht beugen“

  • Aktualisiert am

Bush wird keinen Kurswechsel ankündigen Bild: AP

Mit einer Ansprache an die Nation will der amerikanische Präsident heute Abend versuchen, die kriegsmüde Nation auf seine Seite zu ziehen. „Amerika will Licht am Ende des Tunnels sehen“, fordert ein republikanischer Senator.

          Präsident Bush wird an diesem Donnerstagabend in einer Fernsehansprache zum Irak-Krieg ankündigen, dass er amerikanische Truppen aus dem Irak abziehen will. Es wird erwartet, dass Bush den Empfehlungen des Befehlshabers der Koalitionstruppen im Irak, Heeresgeneral David Petraeus, folgen wird, bis zum Sommer nächsten Jahres die Zahl der amerikanischen Soldaten um 30.000 auf rund 130.000 Mann zu reduzieren.

          Zur Bedingung werde Bush jedoch machen, dass sich die Sicherheitslage im Irak nicht wieder verschlechtere. Außenministerin Condoleezza Rice sagte in einem Fernsehinterview zu den künftigen Aufgaben der amerikanischen Streitkräfte, es gehe nicht nur um die innere Sicherheit des Iraks, sondern auch darum, die territoriale Integrität des Iraks, insbesondere gegen „iranische Aggressivität“, zu schützen. Das Präsidialamt hat einen grundlegenden Kurswechsel, wie er von den Demokraten gefordert wird, jedoch ausgeschlossen

          350 britische Soldaten sichern Grenze zu Iran

          General Petraeus hat vor wenigen Tagen von einem „Stellvertreterkrieg“ gesprochen, den Iran im Südirak führe, indem es Milizen bewaffne. Bis zu 350 britische Soldaten sollen nun die irakische Grenze zu Iran sichern, um Waffenlieferungen aus dem Nachbarland an die schiitischen Milizen zu unterbinden. Die Briten kommen damit einer Bitte von Petraeus nach. Die britischen Truppen hatten ihren Stützpunkt in der Innenstadt von Basra vor neun Tagen geräumt und alle Kräfte auf ihrem Stützpunkt außerhalb der Stadt am Flughafen versammelt.

          Heeresgeneral David Petraeus

          Es hieß, sie sollten dort mit der Ausbildung irakischer Truppen fortfahren und weiterhin allgemeine Überwachungsaufgaben wahrnehmen. Der Kommandeur einer britischen Brigade sagte der britischen Zeitung „Independent“, seinen Soldaten seien die neuralgischen Punkte an der Grenze bekannt; er sei sicher, dass sie dort tun könnten, was notwendig sei. Auch die Sicherheit Basras liege noch immer in der Verantwortung der britischen Truppen. Sie würden auch dort ordnend eingreifen, wenn das verlangt werde.

          Neuer Lagebericht im März

          Im Weißen Haus hieß es, Bush werde in seiner Rede hervorheben, dass er sich nur deshalb zur Truppenreduzierung entschlossen habe, weil sich die Lage im Irak dank der zusätzlichen 30.000 amerikanischen Truppen in den vergangenen Wochen verbessert habe. Der Präsident beuge sich damit nicht Forderungen im Kongress nach einem Rückzug der amerikanischen Truppen oder der Kriegsmüdigkeit der amerikanischen Bevölkerung. Über weitere Truppenkürzungen später im Jahr 2008 unter die ursprüngliche Marke von 130.000 Soldaten wolle Bush, so wie General Petraeus empfohlen habe, erst nach einem abermaligen Lagebericht im März nächsten Jahres entscheiden.

          55 Prozent der amerikanischen Bevölkerung sind nach einer Umfrage des Fernsehsenders ABC für einen Abzug sämtlicher Soldaten aus dem Irak. 56 Prozent der Befragten einer anderen Umfrage sagten, der Krieg sei die amerikanischen Opfer nicht wert. Die Zeitung „Wall Street Journal“ und der Fernsehsender NBC, die Umfrage in Auftrag gegeben hatte, berichten, in der Bevölkerung wachse die Zustimmung zur Irak-Politik Bushs. 30 Prozent unterstützten nun das Vorgehen der Regierung. Auf die Frage nach einem Truppenabzug antworteten 24 Prozent, die Soldaten sollten solange im Irak bleiben, bis sich eine stabile Demokratie entwickelt hat. 26 Prozent sprachen sich für eine sofortige Heimkehr der Truppen aus, 37 Prozent für einen Abzug im kommenden Jahr.

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