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Trumps Umgang mit Verbündeten : Aus Freund mach Feind

  • -Aktualisiert am

Das erste Treffen zwischen Merkel und Trump: Die Hand will er ihr nicht geben. Bild: dpa

Erinnern Sie sich noch an die Zeit, als amerikanische Verbündete den Republikanern wichtig waren? Mit Präsident Trump sind andere Zeiten angebrochen. Wieso regt sich kein Widerstand? Ein Gastbeitrag.

          5 Min.

          Gegen Präsident Obama erhoben Konservative immer wieder den Vorwurf, er entfremde Verbündete und hofiere Gegner. Kaum eine Woche nach seiner Vereidigung im Januar 2009 begann Obama seine von Opponenten so genannte „Entschuldigungstour“ mit einem Interview für einen arabischsprachigen Fernsehsender, in dem er folgende besänftigende Äußerung machte: „Wir sind nicht perfekt.“ Ähnlich äußerte er sich in Frankreich und auf einem Amerikagipfel.

          Die konservative Empörung über diese rhetorische Selbstgeißelung war gewiss überzogen, aber hinsichtlich der tatsächlichen Politik besaß diese Kritik durchaus eine gewisse Berechtigung. Obamas Entschlossenheit, „Licht“ in das Verhältnis zwischen Israel und den Vereinigten Staaten zu bringen, indem er ganz unnötig schon früh in seiner ersten Amtszeit auf einem Stopp des Siedlungsbaus auf der West Bank als einer Verhandlungsbedingung bestand, die nicht einmal die Palästinenser gefordert hatten, führte zur heutigen Situation, in der Palästinenser und Israelis noch weiter entfernt voneinander sind als vor Obamas Amtsantritt. Außerdem schwächten seine Bemühungen um einen Atomdeal mit dem Iran das Verhältnis der Vereinigten Staaten zu sunnitisch-arabischen Verbündeten, die zu Recht das Hegemoniestreben des Iran fürchten, und sein „Neustart“ in den Beziehungen zu Russland wurde in ganz Mittel- und Osteuropa als Belohnung für die russische Invasion und Besetzung Georgiens im Jahr zuvor empfunden.

          James Kirchick ist amerikanischer Journalist.
          James Kirchick ist amerikanischer Journalist. : Bild: privat

          Wie berechtigt diese Einschätzung auch gewesen sein mag, die Konservativen brachten sie jedenfalls – sehr lautstark – zum Ausdruck. Und sie schienen aufrichtig daran zu glauben, zumal eine energische Unterstützung für amerikanische Verbündete und Skepsis oder gar Feindseligkeit gegenüber Feinden seit Jahrzehnte die Grundvoraussetzung republikanischer Außenpolitik bildete. Nach Ansicht der Republikaner war eine Beschwichtigungspolitik gegenüber Gegnern eher typisch für die Demokraten. Ein in dieser Hinsicht grundlegender Text ist ein 1979 erschienener Essay von Jeanne Kirkpatrick mit dem Titel „Diktatur und Doppelmoral“, in dem der Carter-Administration der Vorwurf gemacht wurde, sie übe Druck auf amerikafreundliche autoritäre Regime aus, während sie amerikafeindliche totalitäre Staaten hofiere. Der Text erregte die Aufmerksamkeit eines Mannes namens Ronald Reagan, der Kirkpatrick später zur Botschafterin des Landes bei den Vereinten Nationen machte.

          Angesichts dieser Geschichte kann die Sorglosigkeit so vieler Republikaner gegenüber Donald Trumps wiederholter unbegründeter und vollkommen unsinniger Beleidigungen an die Adresse einer ganzen Schar standhafter amerikanischer Verbündeter nur verwundern – darunter kürzlich erst Deutschland und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Während des Wahlkampfs kritisierte Trump keine führende Persönlichkeit der internationalen Politik so oft und so scharf wie die Bundeskanzlerin. Und stets tat er dies im Zusammenhang mit ihrer Willkommenspolitik gegenüber syrischen Flüchtlingen. So waren denn seine Angriffe allein für den innenpolitischen Gebrauch bestimmt, weil die republikanische Basis nicht sonderlich erpicht auf Anhänger des muslimischen Glaubens ist. Da machte es auch nichts, dass eine massenhafte muslimische Einwanderung in die USA äußerst unwahrscheinlich sein dürfte, da unser Land von zwei Weltmeeren umgeben und das nächstgelegene muslimische Land Tausende von Meilen entfernt ist. Trump benutzte Merkel letztlich für rein innenpolitische Zwecke.

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