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Trumps Umgang mit Verbündeten : Aus Freund mach Feind

  • -Aktualisiert am

Trumps zweiter Popanz ist die Nato

Trumps Feindseligkeit gegenüber Verbündeten ist eine Fortsetzung seiner Wahlkampfrhetorik. Während des gesamten Wahlkampfs schien Trump ebenso viel Zeit mit Angriffen auf Freunde Amerikas zu verbringen wie auf Feinde. Japan und Südkorea wurden regelmäßig verunglimpft, weil sie angeblich die „Zahlung“ für die Stationierung amerikanischer Streitkräfte auf ihrem Staatsgebiet schuldig blieben – obwohl sie in Wirklichkeit Milliarden dafür zahlen.

Trumps zweiter Popanz ist die Nato, die er im Wesentlichen als amerikanische Wohltätigkeitsveranstaltung für kraftlose Europäer darstellt. An dieser Stelle lohnt sich der Hinweis, dass Artikel 5 des Nato-Vertrags, in dem der Bündnisfall geregelt ist, bislang nur ein einziges Mal zum Zuge kam, und zwar nach den Anschlägen vom 11. September 2001, als die Allianz einmütig erklärte, dass der Terroranschlag auf die Vereinigten Staaten ein Angriff auf alle Mitglieder der Allianz sei. Die Nato-Mitglieder kamen ihrem Versprechen nach und schickten ihre Soldaten nach Afghanistan, die dort gemeinsam mit unseren Soldaten kämpften und starben.

Doch für den unendlich undankbaren Trump ist die Nato „obsolet“. Im Wahlkampf zollte er der Solidarität der Allianz mit Amerika nach dem 11. September kein einziges Mal Anerkennung. Im Gegenteil, er behauptete, die Nato habe es „versäumt, angemessen auf den Terrorismus zu reagieren“ – obwohl der einzige Bündnisfall in der Geschichte der Allianz die Reaktion auf einen Anschlag war, der auf dem Staatsgebiet der Vereinigten Staaten verübt wurde.

Trumps verächtliche Behandlung der amerikanischen Verbündeten ist noch erschreckender angesichts seiner Ehrerbietung gegenüber dem größten geopolitischen Feind Amerikas und dessen für Kriegsverbrechen verantwortlichen Präsidenten. Hört man Trump zu, könnte man meinen, ein lebenslanger KGB-Offizier, der sich unablässig für die Schwächung der Vereinigten Staaten einsetzt, sei ein Freund, während die Führerin eines demokratischen Verbündeten, die politische Nachteile in Kauf genommen hat, um das Bündnis ihres Landes mit Amerika zu verteidigen, eine Gegnerin sei. Denkt man dazu noch an Trumps entschiedene Ablehnung einer amerikanischen Sonderstellung, die weitaus klarer ausfällt als alles, was Barack Obama jemals dazu sagte, und an seinen Hang zu moralischer Doppeldeutigkeit im Blick auf Amerika und Russland, die Noam Chomsky als „heilsam“ lobt, haben wir einen amerikanischen Präsidenten vor uns, der allen fähnchenschwingenden republikanischen Patrioten die Schamröte ins Gesicht treiben sollte.

Aus dem Amerikanischen übersetzt von Michael Bischoff.

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