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Trumps Umgang mit Verbündeten : Aus Freund mach Feind

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Ein ebenso beschämendes Schauspiel bot man der Welt in diesem Monat im Oval Office. Eine ängstliche Angela Merkel – die sich monatelang auf dieses Treffen vorbereitet, jahrzehntealte Trump-Interviews für den Playboy gelesen und sich stundenlang dessen Wahlkampfmonologe angesehen hatte – fragte den Präsidenten höflich, ob er zu einem Handschlag vor den Kameras bereit sei. Aber der saß nur unbeweglich da.

Trump verlässt sich auf Verschwörungstheoretiker als Quellen

Vor gar nicht allzu langer Zeit beschimpften Konservative Obama wegen seiner schäbigen Behandlung des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu. Ihr Schweigen angesichts dieser mürrischen und unwürdigen Behandlung der deutschen Bundeskanzlerin macht diese Kritik im Nachhinein wertlos. Zum Glück hat Merkel – die in ihrer nun fast zwölfjährigen Amtszeit als Bundeskanzlerin großes Geschick im Umgang mit schwierigen Leuten wie dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und dem neo-osmanischen türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan bewiesen hat – große Erfahrung in der Behandlung unsicherer Männer mit Verhaltensauffälligkeiten.

Merkel ist die Letzte, die ein amerikanischer Präsident vor den Kopf stoßen sollte. In der DDR aufgewachsen, ist sie instinktiv proamerikanisch eingestellt, und zwar so sehr, dass sie vor ein paar Jahren einen demütigenden Skandal um das angebliche (aber nie bewiesene) Abhören ihres privaten Handys durch die National Security Agency (NSA) herunterspielte.

Die deutsche Öffentlichkeit hätte nichts lieber gesehen als eine Kanzlerin, die über einen arroganten und unkontrollierbaren amerikanischen Überwachungsstaat hergezogen wäre, aber Merkel nahm davon Abstand, denn aus ihrer biographischen Erfahrung heraus ist ihr die Bedeutung der transatlantischen Beziehung nur allzu bewusst, und sie weiß, dass skrupellose Akteure wie WikiLeaks den zynischen Versuch unternehmen, diese Beziehung zu untergraben.

Ein Verständnis dieser diplomatischen Feinheiten wäre indessen allzu viel verlangt von unserem Präsidenten, der auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Angela Merkel nach dem frostigen Fototermin im Oval Office Licht auf die ganze Sache warf, indem er scherzte, er und seine deutsche Kollegin hätten „wenigsten etwas gemeinsam“, insofern sie beide von Barack Obama abgehört worden seien – ein Hinweis auf die haltlose Behauptung, sein Vorgänger hätte die Überwachung des Trump Tower angeordnet.

Und damit sind wir bei dem zweiten amerikanischen Verbündeten, den Trump ganz nebenbei vor den Kopf stieß. Einen Tag vor der Begegnung zwischen Merkel und Trump äußerte der Pressesprecher des Weißen Hauses Sean Spicer den Verdacht, das GCHQ (Government Communications Headquarters), das britische Gegenstück zur NSA, hätte die Überwachungsaktion auf Ersuchen Präsident Obamas durchgeführt. Seine Quelle? „Judge“ Andrew Napolitano von Fox News, der auch die Verschwörungstheorie vertritt, wonach Building 7 des World Trade Center durch eine von der amerikanischen Regierung veranlasste kontrollierte Sprengung zum Einsturz gebracht worden sei. Die Wiederholung dieses Unsinns durch Spicer führte zu einer beispiellosen Zurechtweisung seitens des GCHQ, das seit dem Zweiten Weltkrieg Gründungsmitglied der englischsprachigen „Fünf Augen“ sind, zu denen außerdem noch die Vereinigten Staaten, Kanada, Australien und Neuseeland gehören.

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