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Kandidatur 2024 : Trump verspricht ein Comeback für Amerika

  • -Aktualisiert am

Der ehemalige US-Präsident Donald Trump, hier mit seiner Frau Melania, hat angekündigt, für die Wahl 2024 abermals für die Präsidentschaft zu kandidieren. Bild: AP

Der frühere Präsident hat seine Kandidatur für die Wahlen 2024 verkündet. Auch der Raketeneinschlag in Polen konnte ihn nicht davon abhalten.

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          Man hatte Donald Trump gewarnt. Sein Timing für die Verkündung seiner abermaligen Präsidentschaftskandidatur sei ungünstig. Nach den für Republikaner enttäuschenden Kongresswahlen gebe es kein Momentum für ihn. Die aktuelle Lage meinte es auch nicht gut mit dem früheren Präsidenten.

          Majid Sattar
          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Unmittelbar vor seinem Auftritt am Dienstagabend in Mar-a-Lago in Florida hatte sich Präsident Joe Biden in Bali an die Öffentlichkeit gewandt. Gerade hatte er die NATO- und G-7-Partner wegen des Raketeneinschlages in einem polnischen Dorf über seine Gespräche mit Jens Stoltenberg, dem Generalsekretär des westlichen Militärbündnisses, und dem polnischen Präsidenten Andrzej Duda informiert. Würde Trump angesichts der internationalen Krise ein Einsehen haben und seinen Plan umwerfen? Unbeeindruckt trat Trump in Mar-a-Lago vor seine Anhänger. Es wurde eine Art Mini-Kundgebung.

          Der frühere Oberbefehlshaber umschiffte die Eskalation im Ukrainekrieg nicht etwa. Er benutzte sie für seine Zwecke: Eine Rakete sei auf Polen gerichtet worden – wahrscheinlich von Russland aus, mutmaßte er, obwohl Biden soeben das Gegenteil gesagt hatte. Zum Ukrainekrieg wäre es nie gekommen, wäre er noch Präsident, so Trump. Und Biden? Der schlafe auf internationalen Konferenzen ein und führe Amerika an den Rand eines Atomkrieges. Das Land werde gedemütigt.

          Der Höhepunkt der Macht

          Der Rest der Rede war eine Kurzfassung seiner Ansprachen auf den berüchtigten MAGA-Kundgebungen – mit der Ausnahme, dass man Trump empfohlen hatte, auf allzu grobe Verunglimpfungen zu verzichten und sich nicht auf parteiinterne Widersacher einzuschießen. Das wirke nicht sehr präsidentiell, dürfte man ihm gesagt haben. So sprach er in der mehr als eine Stunde dauernden Rede davon, dass er das Land zu nie dagewesener Größe geführt habe: wirtschaftlich und militärisch stark sowie international respektiert.

          Als er sein Amt niedergelegt habe, habe sich Amerika auf dem Höhepunkt seiner Macht gefunden, bilanzierte Trump, der nicht zu erwähnen vergaß, keinen neuen Krieg begonnen zu haben. Allen Bevölkerungsgruppen sei es besser gegangen, bemerkte er und verwies etwa auf die Afroamerikaner und die Latinos. Überhaupt habe er die Menschen im Land zusammengeführt, sagte er.

          Das gleiche galt für die folgende Bemerkung: Als die Pandemie ausgebrochen sei, habe er Amerika durch die Krise geführt und Leben gerettet. Es folgte die bekannte Erfolgsliste: Er habe die Terrororganisation IS besiegt, Nordkorea habe keine Raketen gezündet und China habe Zölle entrichtet. Die Menge rief nun lautstark: „Trump, Trump, Trump“. Nach zwei Jahren Biden sei die Inflation hingegen auf einem Rekordhoch, die Energieunabhängigkeit verloren und die Südgrenze offen. Kurzum: Amerika befinde sich im Niedergang. Sodann: „Amerikas Comeback beginnt hier und jetzt.“ Und nachdem er noch einen kleinen Biden-Witz gerissen hatte, fügte Trump hinzu: „Heute Abend verkünde ich meine Kandidatur für das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten.“

          „Wir erobern die Flure der Macht zurück“

          Im weiteren fielen viele Stichworte, die aus früheren Reden stammten: Dass er etwas Einzigartiges geschaffen habe, etwa: nämlich eine politische Bewegung. Auch wiederholte er: Er sei die Stimme des Volkes gegen das Washingtoner Establishment. Und: Man werde sich die „Flure der Macht“ zurückerobern. All das sind bekannte Redewendungen Trumps, die ein sensibler Redenschreiber nach dem 6. Januar 2021, also nach der Erstürmung des Kapitols, gewiss noch einmal überdacht hätte. Doch scherte Trump das nicht. Auch kündigte er eine Reihe von Reformen an: Er werde eine Amtszeitbegrenzung für Kongressmitglieder einführen, den „tiefen Staat“ abbauen, vor allem das FBI, und zudem das Wahlrecht reformieren.

          Trump beließ es aber dabei, über Biden und die „radikalen Demokraten“ herzuziehen. Die Medien nannte er diesmal nicht „Fake News“. Und er verzichtete auch darauf, parteiinterne Rivalen, wie Mitch McConnell oder Ron DeSantis, mit Schmähungen zu überziehen. Wohl sprach Trump die Wahlen an: Man habe die Mehrheit im Repräsentantenhaus zurückgewonnen. Nancy Pelosi, die Sprecherin der ersten Kammer, sei gefeuert. Er selbst habe ja nie von einer roten Welle geredet. Es folgte eine sehr eigenwillige Begründung dafür, dass es nicht gelungen sei, auch die Senatsmehrheit zurückzugewinnen. Die Folgen der schlechten Regierungspolitik Bidens seien noch nicht gänzlich bei der Bevölkerung angekommen. Das Leiden werde in den nächsten zwei Jahren zunehmen. Daher werde man 2024 gewinnen.

          Biden grinst nur

          Biden wurde in Bali gefragt, ob er Trumps Ankündigung kommentieren wolle: „Nicht wirklich“, sagte er und grinste den französischen Präsidenten Emmanuel Macron an. Der Republikaner Ron DeSantis, der soeben triumphal wiedergewählte Gouverneur von Florida, hielt es ähnlich. Von ihm wird erwartet, dass er gegen Trump antritt, aber von einer direkten Konfrontation verspricht er sich derzeit nichts. In einer Rede am Dienstag nannte DeSantis Trump nicht beim Namen, aber er forderte sein Publikum auf, sich die Zahlen vom Wahltag angucken. Er sei der Sieger, sollte das heißen. Und Trump der Verlierer.

          Trump wollte mit dem eiligen Auftritt gewiss DeSantis mit seiner Kandidatur zuvorkommen. In Washington ist aber auch von einem anderen Grund für Trumps eigenwillige Terminplanung die Rede. Er rechne jederzeit mit Entscheidungen über die diversen Ermittlungen gegen ihn. Offenbar glaubt er, Justizminister Merrick Garland werde sich schwerer tun, einen aktuellen Kandidaten und nicht nur einen ehemaligen Präsidenten anzuklagen.

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