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Nach Rede an die Nation : Fragen und Antworten zu Trumps Afghanistan-Strategie

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Amerikanische Soldaten 2009 in Kabul Bild: dpa

Präsident Trump will das Engagement in Afghanistan ausweiten – mit offenem Ende. Antworten auf die wichtigsten Fragen zu dem längsten Krieg der Vereinigten Staaten.

          Seit fast 16 Jahren kämpfen amerikanische Soldaten in Afghanistan, und der längste Krieg der Vereinigten Staaten dauert an. Präsident Trump verkündet in einer Ansprache an die Nation, das Engagement dort wieder zu verstärken – ohne ein Ende in Aussicht zu stellen. Wieso ist das nötig? Und was kann Amerika da überhaupt erreichen? Antworten auf die wichtigsten Fragen

          Nun doch wieder ein stärkeres Engagement in Afghanistan – was steckt hinter der Entscheidung?

          Amerika und die Nato befürchten, dass Afghanistan wieder zu einem sicheren Rückzugsort für islamistische Terroristen werden könnte. Ein „hastiger Abzug“ würde ein „Vakuum“ zum Beispiel für die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) oder das Terrornetz Al Qaida kreieren, sagte Präsident Donald Trump.

          Die Sicherheitslage hat sich seit Ende des internationalen Kampfeinsatzes im Dezember 2014 drastisch verschlechtert. Den hatten die Vereinigten Staaten begonnen, nachdem Al-Qaida-Terroristen am 11. September 2001 die Vereinigten Staaten angegriffen und unter anderem zwei Flugzeuge in die Zwillingstürme des World Trade Centers gesteuert hatten. Al-Qaida-Anführer Usama bin Ladin lebte damals in Afghanistan, das von den Taliban beherrscht wurde.

          Wie sieht die Sicherheitslage aus?

          Die radikalislamischen Taliban breiten sich wieder aus. Nach Militärangaben „kontrollieren oder beeinflussen“ sie heute rund elf Prozent des Landes. Weitere knapp 30 Prozent gelten als umkämpft. Gleichzeitig hat sich ein Ableger des IS etabliert. In der Hauptstadt Kabul gab es seit Jahresanfang elf schwere Anschläge, bei denen mehr als 1000 Menschen getötet oder verletzt wurden. Die afghanischen Streitkräfte sind überfordert. Jedes Jahr desertieren Zehntausende Soldaten und Polizisten wegen schlechter Führung und Korruption. Und allein 2016 wurden mehr als 7000 Sicherheitskräfte getötet und etwa 12.000 verletzt.

          Schicken die Vereinigten Staaten nun mehr Soldaten?

          Das ließ Präsident Trump offen. Eine Aufstockung von um die 4000 Mann gilt als wahrscheinlich. Darauf deutet eine Pressemitteilung von Verteidigungsminister James Mattis hin, in der es hieß, er werde sich nun mit den Nato-Alliierten in Verbindung setzen, von denen „ebenfalls viele mehr Truppen versprochen“ hätten. 15 Nato-Staaten hatten schon vor einer Konferenz der Nato-Verteidigungsminister im Juni ein zusätzliches Engagement in Aussicht gestellt; während der Konferenz habe es weitere Zusagen gegeben, sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg damals.

          Deutschland ist derzeit nach den Vereinigten Staaten und Italien der größte Truppensteller in Afghanistan. Vermutlich auch wegen der bevorstehenden Bundestagswahl hat Kanzlerin Angela Merkel angekündigt, vorerst keine Erhöhung der Mandatsobergrenze zu prüfen. Die ermöglicht eine Entsendung von bis zu 980 Soldaten.

          Was können mehr Soldaten bringen – und was nicht?

          Das kommt darauf an, wofür sie eingesetzt werden – was Trump ebenfalls nicht klargestellt hat. Nato-Generalsekretär Stoltenberg hatte Ende Juni in Brüssel betont, es gehe nicht darum, den Kampfeinsatz wiederaufleben zu lassen, sondern darum, die afghanischen Streitkräfte auszubilden. Die Vereinigten Staaten und die Nato setzen mit rund 12.400 Soldaten einen Großteil ihrer Soldaten im Land in einer reinen Trainingsmission für die afghanischen Streitkräfte – Resolute Support (RS) – ein.

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