https://www.faz.net/-gpf-93qig

Trumps Asienreise : Zwei Herzen im Viervierteltakt

Über Kreuz und doch einig: Medwedjew, Nguyen, Trump, Duterte und Turnbull beim Asean-Gipfel am Montag. Bild: AFP

Die Präsidenten Amerikas und der Philippinen verstehen sich prächtig. Sie duzen sich sogar. Nur Menschenrechte sind bei ihrem Treffen in der philippinischen Hauptstadt Manila kein Thema.

          Es könnte der Beginn einer wunderbaren Freundschaft gewesen sein, als der Präsident der Philippinen, Rodrigo Duterte, für Donald Trump ein Lied anstimmte. Auf dem Festakt zum fünfzigsten Jubiläum der südostasiatischen Staatengemeinschaft Asean in Manila sang Duterte vor den versammelten Staats- und Regierungschefs das Schnulzenlied „Ikaw“ („Du“). Danach entschuldigte er sich, dass er eigentlich nicht auf der Bühne stehen sollte, und witzelte: „Es war der Befehl des Oberkommandierenden der amerikanischen Streitkräfte.“

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Bei Trumps Besuch in der philippinischen Hauptstadt, der letzten Station auf seiner ausgedehnten Asien-Reise, schien die Chemie zwischen den beiden Staatschefs zu stimmen. Es blieb nicht nur beim Händeschütteln und Zuprosten. Trump und Duterte tauschten auch verbal mehr als nur Höflichkeiten aus. So lobte Trump den Gastgeber am Montag während ihres Treffens für seine Arbeit als Asean-Vorsitzender und die gelungene Veranstaltung am Abend. „Rodrigo, du warst phantastisch“, schwärmte Trump. Da waren die beiden Präsidenten offenbar schon längst beim Du angekommen.

          Der mitreisenden Presse sagte Trump später, er habe ein „großartiges Verhältnis“ zu Duterte. Nichts schien es zu trüben, auch nicht die Tatsache, dass in mehr als einem Jahr Duterte auf den Philippinen schon mehrere tausend Drogensüchtige getötet worden sind. Dabei hatte Dutertes blutiger Krieg gegen Drogen im vergangenen Jahr sogar zu einem Zerwürfnis zwischen den Philippinen und dem alten Verbündeten Amerika geführt. Trumps Vorgängerregierung hatte scharfe Kritik an der Drogenpolitik geübt. Dafür hatte Duterte den damaligen Präsidenten Barack Obama als „Hurensohn“ beschimpft. Ein Treffen zwischen den Präsidenten war daraufhin abgesagt worden.

          Im Gegensatz dazu waren bei Trumps Gespräch mit Duterte Menschenrechte offenbar überhaupt kein Thema gewesen. Das bestätigte am Montag der philippinische Präsidentensprecher. Der Drogenkrieg habe nur in Erläuterungen des Präsidenten eine Rolle gespielt. Darin habe Duterte dargestellt, welches Ausmaß das Drogenproblem auf den Philippinen erreicht habe. Bei einem früheren Telefonat, das nach außen gedrungen war, hatte Trump dem philippinischen Präsident dagegen noch gesagt, er mache eine „gute Arbeit“ im Kampf gegen die Drogen.

          Die Menschenrechte werden ignoriert

          Nun interpretierte der philippinische Sprecher Trump so, dass dieser durch seine Körpersprache ebenfalls Zustimmung zur philippinischen Drogenpolitik signalisiert habe. „Er hat mehrmals genickt“, sagte der Sprecher vor Journalisten in Manila. Eine eigene Position habe der amerikanische Präsident aber nicht formuliert. Dutertes Mitarbeiter wies damit auch eine etwas anders lautende Darstellung von der Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, zurück. Sie hatte zuvor gesagt, dass Menschenrechte kurz angesprochen worden seien. Es sei um die „Drogenplage“ auf den Philippinen gegangen. Eine Rolle habe zudem der Kampf gegen den Terrorismus gespielt.

          Weitere Themen

          Scholz lässt seine Pläne offen Video-Seite öffnen

          Bewerbung auf SPD-Vorsitz : Scholz lässt seine Pläne offen

          „Ganz klar ist, wir müssen in Deutschland vorankommen mit unserem Land. Wir müssen dafür sorgen, dass der Zusammenhalt besser wird“, sagte Bundesfinanzminister Olaf Scholz nach Bekanntwerden seiner Kandidatur für die SPD-Spitze.

          Topmeldungen

          Finanzminister Olaf Scholz hat sich gegen das von Wirtschaftsminister Peter Altmaier vorgelegte Konzept zur vollständigen Abschaffung des Solis ausgesprochen.

          Finanzminister : Scholz gegen komplette Soli-Abschaffung

          Finanzminister Olaf Scholz kritisiert das von Wirtschaftsminister Altmaier vorgelegte Konzept zur vollständigen Soli-Abschaffung als „Steuersenkung für Millionäre“. Der SPD-Politiker möchte vorerst nur 90 Prozent der Steuerzahler entlasten.
          Angestellte von Google und Youtube beim Gay Pride Festival in San Francisco, Juni 2014

          Trump gegen Google : Man nennt es Meinungsfreiheit

          Ohne das Internet wäre Donald Trump wohl nicht amerikanischer Präsident geworden. Jetzt beschwert er sich über politische Ideologisierung bei Google. Aus dem Silicon Valley schallt es zurück.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.