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Kurden im Stich gelassen : Trump verteidigt Syrien-Entscheidung

  • Aktualisiert am

Kurdische YPG-Milizen bei einer Militärparade Bild: Reuters

Der amerikanische Präsident rechtfertigt in einer Kaskade von Tweets, warum er der türkischen Offensive in Syrien nichts entgegen setzt. Die kurdischen Rebellen sprechen von einem „Dolchstoß“.

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          Die syrischen SDF-Rebellen werten es als „Dolchstoß“, dass die Vereinigten Staaten die Türkei bei deren angedrohten Militäreinsatz im Nordosten Syriens gewähren lassen wollen. Es habe Zusicherungen der Vereinigten Staaten gegeben, dass sie keinen türkischen Angriff auf die Region zulassen würden, sagte ein Sprecher der von der Kurden-Miliz YPG angeführten Syrischen Demokratischen Streitkräfte (SDF) am Montag. Die SDF selbst seien einem von den Vereinigten Staaten garantierten Sicherheitsmechanismus für die Grenzregion zwischen Syrien und der Türkei vollständig verpflichtet gewesen. Die amerikanische Erklärung überrasche sie nun aber. „Wir können sagen, dass sie für die SDF ein Dolchstoß in den Rücken ist.“

          Das Rebellenbündnis SDF war im erbitterten Kampf gegen die Miliz „Islamischer Staat“ (IS) im Bürgerkriegsland Syrien ein wichtiger Verbündeter der Vereinigten Staaten. Nun erklärte ein Vertreter der amerikanischen Regierung, die Vereinigten Staaten würden im Fall des offenbar bevorstehenden türkischen Angriffs in Nordsyrien die dortigen SDF-Kräfte nicht verteidigen. Darüber habe man den SDF-Kommandeur informiert. Man werde aber einen solchen türkischen Angriff auch nicht unterstützten.

          Trump: Es ist Zeit zu gehen

          Am Montag rechtfertigte der amerikanische Präsident Donald Trump seine Politik in fünf Twitter-Botschaften. Die Vereinigten Staaten wollten sich ursprünglich nur 30 Tage lang in Syrien engagieren, schrieb Trump, das sei jedoch schon Jahre her. Die Truppen seien immer tiefer in die Kämpfe verstrickt worden. Man habe den IS „zu hundert Prozent schnell besiegt“ und viele IS-Kämpfer inhaftiert, „die meisten von ihnen“ stammten aus Europa. Die Europäer wollten diese Kämpfer jedoch nicht zurücknehmen und anklagen, sondern setzten darauf, dass sie „zu horrenden Kosten“ in amerikanische Gefängnisse kämen. Dem habe er, Trump, mehrmals widersprochen. Die Vereinigten Staaten seien „7000 Meilen weit weg“ und würden nur kämpfen, wenn es zu ihrem Vorteil sei. Nun müssten sich die Türkei, Europa, Syrien, Iran, Irak, Russland und die Kurden mit der Situation auseinandersetzen. Für die Vereinigten Staaten sei es an der Zeit, „aus diesen lächerlichen endlosen Kriegen auszusteigen“.

          Die türkische Regierung stuft die YPG als Terrororganisation ein und verlangt, dass sie aus der geplanten „Sicherheitszone“ auf syrischem Gebiet abzieht. In dem Gebiet leben überwiegend Kurden. Die Türkei fürchtet ein Erstarken der Kurden jenseits ihrer Südgrenze und damit auch der nach Autonomie strebenden Kurden auf ihrem eigenen Territorium. Sie will in Nordsyrien bis zu zwei Millionen syrische Flüchtlinge ansiedeln.

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