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Persischer Golf : Pentagon bestätigt Abschuss iranischer Drohne

  • Aktualisiert am

Ein Radarbildschirm an Bord der „USS Boxer“ am 16. Juli in der Arabischen See. Bild: Reuters

Amerikas Präsident zufolge zerstörte die „USS Boxer“ das unbemannte Fluggerät über der Straße von Hormus, weil sie ihr zu nahe gekommen sei. Teheran entgegnet, Iran fehle keine Drohne.

          Ein weiterer Zwischenfall in der Straße von Hormus hat neue Ängste vor einer militärischen Eskalation zwischen den Vereinigten Staaten und Iran geschürt. Die Mannschaft eines amerikanischen Marineschiffs zerstörte nach Angaben von Präsident Donald Trump am Donnerstag in der Meerenge eine iranische Drohne.

          Viele Details blieben aber zunächst unklar, zumal die iranische Seite den Vorfall nicht bestätigte. Außenminister Muhammed Dschawad Zarif erklärte am Sitz der Vereinten Nationen in New York, Iran habe keine Informationen über den Verlust einer Drohne. Der stellvertretende Außenminister Abbas Arakchi teilte am Freitag per Twitter mit, er sei vielmehr besorgt, dass die amerikanische Marine versehentlich selbst ein eigenes unbemanntes Fluggerät abgeschossen habe.

          Trump sagte in Washington, die Drohne sei dem Marineschiff „USS Boxer“ sehr nahe gekommen und habe die Sicherheit des Schiffes und seiner Mannschaft gefährdet. Mehrere Aufforderungen, die Drohne zurückzuziehen, seien ignoriert worden. Sie sei daraufhin sofort zerstört worden.

          Es ist nicht der erste Zwischenfall dieser Art zwischen den beiden Ländern. Vor knapp einem Monat hatten die iranischen Revolutionsgarden eine amerikanische Aufklärungsdrohne abgeschossen, weil sie angeblich den iranischen Luftraum im Persischen Golf verletzt hatte. Die amerikanische Regierung gab an, dass die Drohne in internationalem Luftraum geflogen sei. Daraufhin spitzte sich der Konflikt gefährlich zu. Die Vereinigten Staaten bereiteten einen Gegenschlag vor, den Trump nach eigenen Worten kurz zuvor stoppte.

          Trump wirkte am Donnerstag zurückhaltend in seiner Rhetorik, als er die Öffentlichkeit bei einer Zeremonie mit dem niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte über den Vorfall unterrichtete. Er sprach davon, dass sich die Mannschaft des Schiffs verteidigt habe. „Es ist die jüngste von vielen provozierenden und feindlichen Aktionen Irans gegen Schiffe, die in internationalen Gewässern operieren.“ Die Vereinigten Staaten behielten sich das Recht vor, ihre Interessen, Einrichtungen und Mitarbeiter zu verteidigen. Trump forderte andere Länder auf, Irans Vorgehen zu verurteilen. Von scharfen Drohungen an die Adresse Teherans sah er aber ab.

          Aus dem Pentagon hieß es, der Vorfall habe sich am Donnerstag gegen 10 Uhr (Ortszeit) ereignet. Das Schiff habe sich in internationalen Gewässern befunden, als sich die Drohne genähert habe. Es befinde sich nun im Persischen Golf. Nicht äußern wollte sich das amerikanische Verteidigungsministerium dazu, wie die Drohne zerstört worden sei – ob sie abgeschossen wurde oder durch Störsender unbrauchbar gemacht wurde. Ein Vertreter des amerikanischen Militärs wollte auch keine Angaben dazu machen, ob es sich um eine bewaffnete Drohne handelte.

          Iran wiederum setzte nach eigenen Angaben einen ausländischen Öltanker im Persischen Golf fest und nahm die Besatzung fest. Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) teilten am Donnerstag auf ihrem Online-Portal mit, sie hätten den Tanker mit angeblich einer Million Liter geschmuggeltem Öl in der Nähe der Straße von Hormus gestoppt und die zwölf ausländischen Besatzungsmitglieder festgenommen. Der Einsatz sei im Einklang mit dem Kampf Irans gegen Ölschmuggel im Persischen Golf erfolgt und vorab mit den zuständigen Behörden und der Justiz koordiniert worden.

          Wie auf einem Video zu sehen ist, das das iranische Auslandsfernsehen Press TV zeigte, handelt es sich bei dem Schiff um den Öltanker „Riah“, dessen Signal am vergangenen Wochenende plötzlich vor der iranischen Küste verschwunden war. Auf dem Video ist zu sehen, wie zwei Schnellboote die „Riah“ umkreisen. Nach Angaben der Webseite „Marine Traffic“ sendete der Öltanker zum letzten Mal am vergangenen Samstag seinen Standort südlich der iranischen Insel Keschm. Das Schiff wurde nach iranischen Angaben am Sonntag gestoppt. Wem der mit 68 Metern Länge relativ kleine Öltanker gehört ist unklar.

          In den vergangenen Wochen war es zu mehreren Zwischenfällen in dem Seegebiet gekommen. Im Juni waren zwei Tanker bei schweren Zwischenfällen im Golf von Oman beschädigt worden.

          Es gab Aufregung um einen britischen Tanker. Nach Angaben aus London hatten drei iranische Boote versucht, das britische Handelsschiff an der Durchfahrt der Straße von Hormus zu hindern. Eine Fregatte zwang sie jedoch zum Abdrehen. Teheran bestritt, in den Vorfall verwickelt zu sein.

          Die Straße von Hormus zählt zu den wichtigsten Schifffahrtsrouten weltweit und spielt eine entscheidende Rolle im Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und Iran. Fast ein Drittel des globalen Ölexports wird durch die Meerenge verschifft. Im vergangenen Jahr hatte Irans Präsident Hassan Rohani mit einer Blockade gedroht.

          Die Vereinigten Staaten treiben derzeit ihre Initiative zum Schutz von Handelsschiffen im Persischen Golf voran. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur warben amerikanische Vertreter in dieser Woche in Brüssel bei Nato-Partnern um Unterstützung für das Projekt und informierten über den aktuellen Planungsstand. Demnach soll es vor allem darum gehen, über eine erhöhte Militärpräsenz in der Region eine bessere Überwachung der Straße von Hormus zu ermöglichen.

          Für diesen Freitag haben das amerikanische Außenministerium und das Pentagon in Washington ein nicht-öffentliches Treffen mit Diplomaten zu dem Thema angesetzt.

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