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Krieg in Afghanistan : Amerika steht vor einem Scherbenhaufen

Amerikanische Militärberater stehen mit afghanischen Soldaten an einem Artillerie-Geschütz. Bild: Reuters

Donald Trump misstraut den Taliban und hat die Friedensgespräche mit ihnen ausgesetzt. Doch wenn er sein Wahlversprechen auch ohne Abkommen einlösen will, würde das den Krieg dort verlängern.

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          Ein Ende des Kriegs ist in Afghanistan wieder in weite Ferne gerückt. Dabei schien der Abschluss eines Abkommens zwischen den Vereinigten Staaten und den Taliban gerade noch in greifbarer Nähe. Doch nun hat der amerikanische Präsident die Friedensgespräche ausgesetzt. Sein Misstrauen gegen die Taliban, die zuletzt im Tagesrhythmus schwere Anschläge verübt haben, ist begründet. Wie soll man ihnen, die weiter vor Gewalt nicht zurückschrecken, vertrauen, dass sie sich wirklich an die eingegangenen Vereinbarungen halten und Afghanistan nach einem amerikanischen Abzug nicht wieder in den Steinzeitislam zurückführen werden, mit dem sie die Menschen bereits von 1996 bis 2001 terrorisiert hatten? Das wäre nicht der Frieden, den Afghanistan nach vierzig Jahren Krieg braucht.

          Selbst wenn sich die lokalen Talibanführer, die über die Hälfte Afghanistans herrschen, von jenen kontrollieren ließen, die in Doha mit den Amerikanern verhandelt haben, bliebe die Gefahr der Gruppen, die sich – zu ihnen gehört der afghanische „Islamische Staat“ – von den Taliban abgespalten haben, weil sie Verhandlungen (und natürlich die Demokratie) kategorisch ablehnen. Sie erhielten weiteren Zulauf, käme es zu einem Abkommen der Taliban mit Washington. Die Amerikaner stehen vor einem Scherbenhaufen. Die Taliban wissen, dass sie nur auf den Abzug der Amerikaner zu warten haben. Trump geht es in erster Linie darum, seine Soldaten nach 18 Jahren vor der amerikanischen Präsidentenwahl Ende 2020 aus Afghanistan abzuziehen. Sollte das ohne ein Abkommen mit den Taliban geschehen, würde auch das den Krieg in Afghanistan verlängern.

          Rainer Hermann
          Redakteur in der Politik.

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