https://www.faz.net/-gpf-9clui

Trump und Rohani : Tage der schrillen Töne

Wieder etwas ruhiger: der iranische Präsident Hassan Rohani (Archivbild) Bild: dpa

Während Donald Trump seine Drohungen mit der Feststelltaste betont, mäßigt sich Hassan Rohani wieder. Sein Lavieren zwischen den Tönen wirft Fragen nach den Motiven des iranischen Präsidenten auf.

          In dem rhetorischen Schlagabtausch mit der amerikanischen Regierung hat der iranische Präsident Hassan Rohani wieder einen gemäßigteren Tonfall angeschlagen. Nach den schrillen Tönen aus Teheran in den vergangenen Tagen zeigte er sich in einer Rede vor iranischen Diplomaten grundsätzlich bereit, mit Amerika in Frieden und guten Beziehungen zu leben. Indirekt deutete er eine Bereitschaft an, mit Vertretern der amerikanischen Regierung zu sprechen. Seine Äußerung von der vergangenen Woche, die Meerenge von Hormuz zu sperren, sollte Amerika Iran am Ölexport hindern, schwächte er ab.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Diesmal sprach er nur noch davon, dass Iran ja immer für die Sicherheit der Meerenge garantiere habe und fügte hinzu, seine Äußerung von der vergangenen Woche sei missverstanden und überbetont worden. Dazwischen hatte Revolutionsführer Ali Chamenei am Samstag Rohanis Drohung, die Meerenge zu schließen, aufgegriffen. Er bekräftigte, was zunächst als Indiz dafür aufgefasst worden war, dass als Folge der Politik des amerikanischen Präsidenten Donald Trump die Nervosität in Teheran steigt und nun auch Rohani – der als Gemäßigter gilt – auf die Linie der Hardliner um Chamenei eingeschwenkt sei.

          „Seien Sie vorsichtig!“

          So griff Donald Trump am Sonntag kurz vor Mitternacht zu seinem Mobiltelefon, öffnete den Kurznachrichtendienst Twitter, verfasste eine Anrede („An Präsident Rohani“) und betätigte sodann die Feststelltaste, um dem Rest seiner Worte mit Großbuchstaben Nachdruck zu verleihen: „Bedrohen Sie niemals wieder die Vereinigten Staaten, oder Sie werden Konsequenzen erleiden, wie sie im Lauf der Geschichte erst Wenige erlitten haben. Wir sind kein Land mehr, das sich Ihre irrwitzigen Worte der Gewalt und des Todes bieten lässt. Seien Sie vorsichtig!“

          Sonderlich beeindruckt haben diese Drohungen Drohungen Iran aber nicht. Nicht Iran, sondern Trump selbst sei eine Gefahr für Vereinigten Staaten, spottete Hesamoddin Ashna, der Berater von Präsident Rohani auf Twitter. Ebenso in Großbuchstaben wie Trump schrieb Außenminister Dschawad Zarif: „Uns gibt es schon seit Jahrtausenden, und wir haben den Niedergang von Imperien gesehen, unser eigenes eingeschlossen, die länger währten als die Existenz mancher Länder.“ Er schloss mit der Warnung, die zuvor Trump an Rohani gerichtet hatte: „Seien Sie vorsichtig!“

          Viel spricht dafür, dass der amerikanische Präsident nach der Rückkehr aus seinem Golfklub in New Jersey am Sonntag keineswegs auf seine Iran-Politik konzentriert, sondern eher mit der Gesamtsituation unzufrieden war: Die Medien waren wegen der jüngsten Enthüllungen rund um Trumps langjährigen Anwalt Michael Cohen und den früheren Wahlkampfberater Carter Page sowie wegen des bevorstehenden Prozessauftakts gegen den zwischenzeitlichen Wahlkampfmanager Paul Manafort wieder stark mit der Russland-Ermittlung beschäftigt. Auch die Empörung über Trumps Auftritt mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ist noch nicht abgeflaut. Innerparteiliche Differenzen in der Handelspolitik spitzen sich zu. Es wäre nicht das erste Mal, dass Trump sich ein Ausweichthema als Ventil für seine Wut gesucht hätte. Iran bietet sich für derlei Manöver an, weil Trump sich in seinem Abscheu für das Teheraner Regime ausnahmsweise mit den meisten Außenpolitikern in Washington einig ist.

          Mit ähnlichen Worten begann der Konflikt mit Nordkorea

          Der Tweet weckt Erinnerungen an die Worte, mit denen Trump vor ziemlich genau einem Jahr den nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un verwarnt hatte. „Nordkorea sollte die Vereinigten Staaten lieber nicht mehr bedrohen“, sagte Trump damals. Anderenfalls erntete das Land „Feuer und Zorn, wie sie die Welt noch nicht erlebt hat“. Monatelang eskalierten Trump und Kim den Konflikt mit Drohungen, bis sie den Schalter umlegten und schließlich einen „Friedensgipfel“ inszenierten. Nach allem, was man weiß, betrachtet Trump seine Politik gegenüber Pjöngjang als grandiosen Erfolg; er hat die nukleare Gefahr schon für behoben erklärt. Der Präsident könnte deshalb geneigt sein, sein vermeintliches Erfolgsrezept nun auch auf Iran anzuwenden.

          Weitere Themen

          Notwendigkeit der Zusammenarbeit Video-Seite öffnen

          Maas und Lawrow bekräftigen : Notwendigkeit der Zusammenarbeit

          Bundesaußenminister Heiko Maas und sein russischer Kollege Sergej Lawrow haben die Notwendigkeit für die Zusammenarbeit beider Länder bekräftigt. Sie äußerten sich bei einem Treffen vor der Eröffnung des diesjährigen „Petersburger Dialogs“ in Königswinter.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.