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Trump und Europa : Freunde wie Feinde, Feinde wie Freunde

Das Foto, das nach dem G-7-Gipfel um die Welt ging. Bild: AP

Trumps Amoklauf müsste die Europäer einen. Doch auch diesseits des Atlantiks werden wieder alte Klischees mobilisiert, um von eigenem Versagen abzulenken.

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          Jesco Denzels Foto, das nach dem G-7-Gipfel um die Erde lief, hat einen berühmten Vorläufer: das Bild, das Barbara Klemm für diese Zeitung 1973 beim Besuch Leonid Breschnews in Deutschland machte. Es zeigt den sowjetischen Staats- und Parteichef zusammen mit Bundeskanzler Brandt in einer ähnlichen Komposition wie die aktuelle Aufnahme Merkel, Trump, Macron und deren Berater. Auch damals, mitten im Kalten Krieg, wurde um ein Kommuniqué gerungen. Als es vereinbart war, kam jedoch niemand auf die Idee, sich später wieder von ihm zu distanzieren. Man stand zu seinem Wort, auch wenn man sich wechselseitig mit nuklearer Vernichtung drohte.

          Die Aufnahme aus den Siebzigern hielt einen Moment des intensiven Gesprächs zwischen Gegnern fest. Das neuere Bild ist dagegen zu einem Dokument der Verständnis-, ja Fassungslosigkeit unter Verbündeten geworden. Trump zertrampelte noch aus dem Flugzeug heraus die aufkeimende und in der gemeinsamen Erklärung niedergeschriebene Hoffnung, man könne mit ihm zu einem „regelbasierten“ Umgang zurückfinden.

          Die amerikanischen Wutbürger haben sich einen Wutpräsidenten gewählt, der diesem Begriff alle Ehre macht. Seine Politik, wenn man sie denn so nennen will, ist eine Politik des Ressentiments. Schuld an der Misere Amerikas sind immer die anderen: die Europäer, die Kanadier, die Chinesen, die Mexikaner und so weiter, die auf jede mögliche Weise Amerika seit Jahrzehnten „geplündert“ hätten, weil die amerikanischen Präsidenten vor Trump zu dumm oder zu schwach gewesen seien, das zu verhindern, an erster Stelle natürlich Obama.

          Berühmter Vorläufer: das Bild, das Barbara Klemm 1973 beim Besuch Leonid Breschnews in Deutschland machte.

          Die Europäer wollten lange nicht wahrhaben, dass die westliche Führungsmacht unter Trump auf einem Egotrip ist, der – bei allen immer schon bestehenden Interessenunterschieden – das Grundvertrauen und den Zusammenhalt in der atlantischen Welt erschüttert. Denn die galoppierende Entfremdung zwischen den Vereinigten Staaten und den Europäern trifft den Westen in einer Zeit, in der er es nicht nur wie zu Breschnews Zeiten mit einem politischen Antagonisten zu tun hat.

          Moskau strebt nach alter, Peking nach neuer Größe. Beide Mächte haben Ordnungsvorstellungen für die Welt, die mit denen der westlichen Demokratien nicht vereinbar sind. Trump aber macht keine Unterschiede mehr: Er behandelt Freunde wie Feinde und Feinde wie Freunde, je nachdem, in welcher Pose er sich gerade gefällt. Den transatlantischen Porzellanladen hat er dabei, zur größten Freude des Kremls und Pekings, schon mehrfach verwüstet.

          Trumps Amoklauf durch die Traditionen amerikanischer Bündnis- und Handelspolitik wird nicht nur Folgen für die Weltwirtschaft haben. Sein unverantwortliches Halbstarken-Gerede („dann treiben wir eben gar keinen Handel mehr mit ihnen“) erschüttert auch die Glaubwürdigkeit der amerikanischen Sicherheitsgarantien für Europa. Selbst wenn Trump Kim Jong-un (gegen „umfassende Sicherheitsgarantien“!) dazu brächte, ihm alle Atomwaffen Nordkoreas persönlich zu überreichen, wöge das nicht den Schaden auf, den der amerikanische Präsident in der Sicherheitsarchitektur des atlantischen Bündnisses anrichtet. Die Europäer werden dem Sicherheitsdefizit, an dem sie nicht völlig schuldlos sind, mit eigenen Anstrengungen entgegenwirken müssen, auch bei den nuklearen Fähigkeiten.

          Auch in Europa werden alte Klischees mobilisiert

          Wer gleich von drei Seiten in die Zange genommen wird und noch einen Funken Selbstbehauptungswillen hat, darf sich innerhalb der Burg nicht zerstreiten. Auch das ist freilich leichter geschrieben als getan. Denn der Unmut, der in Amerika einen Donald Trump an die Spitze des Staates spülte, verändert ebenfalls die politischen Landschaften Europas. Auch diesseits des Atlantiks breiten sich neonationalistische Ansichten in unterschiedlichen Formen und Färbungen aus, die das Schließen von Kompromissen erschweren. Auch in Europa werden gerne wieder alte Klischees mobilisiert, um die Schuld für eigenes Versagen auf andere zu schieben. Als Prügelknabe beliebt ist der deutsche Michel mit seiner „Austeritätspolitik“. Die Deutschen ihrerseits dreschen am liebsten auf „Brüssel“ und die Gebrüder Leichtfuß im Süden ein.

          Am deutschen Wesen wird freilich nicht einmal Europa, geschweige denn die Welt genesen, wenn die EU zerbricht, weil die einen von den anderen nicht mehr „beherrscht“ werden wollen und die anderen von den einen nicht mehr „ausgenommen“. Der Zerfallsprozess hat mit dem Brexit schon eingesetzt; er wird nur aufzuhalten sein, wenn den Völkern (wieder) bewusst wird, dass es ihnen in der EU besser ergeht und sie im Ringen mit den Trumps und Putins dieser Welt zusammen stärker sind als im Alleingang. In einer solchen Gemeinschaft ist ein Mindestmaß an Solidarität und Loyalität nötig, wie es die Kanzlerin hervorhob, aber auch an Vertragstreue und Prinzipienfestigkeit.

          Helmut Kohl wusste beides zu verbinden. Ein weiteres Historienbild Klemms von 1988 zeigt ihn zwischen François Mitterrand und Margaret Thatcher. Auch das Verhältnis dieser drei war alles andere als ungetrübt von Konflikten. Aber wohl nicht einmal die „Eiserne Lady“ hätte lieber in Trumps Wildem Westen leben wollen.

          Ein weiteres Historienbild Klemms von 1988: Helmut Kohl zwischen François Mitterrand und Margaret Thatcher

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