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Majid Sattar (sat.)

Patient Trump : Der Superspreader im Weißen Haus

  • -Aktualisiert am

Der amerikanische Patient: Donald Trump in Quarantäne im Walter Reed National Military Medical Center Bild: Reuters

Die Krankheit hat dem Präsidenten seine wichtigste Botschaft geraubt: Er ganz persönlich steht jetzt dafür, dass ein Ende der Krise nicht in Sicht ist.

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          Der amerikanische Wahlkampf war auch schon vor der Covid-Erkrankung Donald Trumps ein enormer Stresstest für die Vereinigten Staaten. Die Frage, ob und wann der Präsident wieder ins Weiße Haus zurückkehren kann, scheint derzeit den Gefühlshaushalt einiger Amerikaner zu überfordern: Sollen sie Mitleid haben für den Mann, der die Corona-Krise in den Vereinigten Staaten außer Kontrolle geraten ließ? Für den Demagogen, der mit seinem Gerede über Wahlbetrug das Vertrauen in das politische System untergräbt?

          Schadenfreude ist sicherlich fehl am Platze. Wohl aber sind Fragen berechtigt nach dem wahren Gesundheitszustand des Präsidenten. Es sind nur noch vier Wochen bis zur Wahl, und die Kommunikationspolitik des Weißen Hauses ist so verwirrend wie seit dem Amtsantritt Trumps. Wie kann alles gut sein, wenn es gleichzeitig heißt, die Vitalfunktionen gäben Anlass zu großer Sorge? Der Patient selbst meldet sich gelegentlich per Video zu Wort. Seine Auftritte erinnern daran, dass er noch vor kurzem über seinen Herausforderer Joe Biden gelästert hatte, der nehme Aufputschmittel, wenn er sich der Öffentlichkeit präsentiere.

          Trump wollte die Dramatik der Pandemie nicht wahrhaben. Seine Veranstaltungen im Weißen Haus und seine Kundgebungen draußen im Land mit Hunderten von Leuten ohne Maske und ohne Abstand erweisen sich nun als das, was seine eigenen Gesundheitsfachleute immer sagten: als Superspreader-Events.

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          Der Präsident wollte Normalität vortäuschen und sich selbst als unbesiegbar darstellen. Biden und die Demokraten sollten so als Schwächlinge und Angstmacher erscheinen. So wurde die Maske zu einem politischen Symbol: Sie drückte aus, dass etwas nicht in Ordnung ist. Und das durfte bekanntlich nicht sein.

          Die Krankheit hat dem Präsidenten seine wichtigste Botschaft geraubt: Das Ende der Krise ist in Sicht? Die Rückkehr zur Normalität in greifbarer Nähe? Die langsame Rückkehr zur Normalität kann in Amerika erst am 3. November beginnen.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

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