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Trump trifft Kim : Ein symbolischer Erfolg

  • -Aktualisiert am

Beim kurzen Treffen in der demilitarisierten Zone zwischen den zwei Koreas ist für Kim jetzt sogar eine Einladung ins Weiße Haus herausgesprungen. Bild: AFP

Donald Trump ist Kim Jong-un im Wortsinn weit entgegengekommen. Der muss jetzt aber auch etwas anbieten, denn bei Trump hat alles seinen Preis.

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          Kim Jong-un war klug genug, den gesichtswahrenden Ausweg aus der Falle zu beschreiten, in der er sich beim zweiten Gipfeltreffen mit Donald Trump in Hanoi verfangen hatte. Kim, dessen Regime nach innen und außen vor allem durch Symbolhandlungen kommuniziert, darf das Treffen an der innerkoreanischen Grenze erst einmal als Erfolg für sich verbuchen. Trump ist ihm im Wortsinn weit entgegen gekommen. Er hat die Grenze nach Norden überschritten.

          Mit diesem Schritt hat Trump Kim Jong-un allerdings auch unter Druck gesetzt, denn bei diesem Präsidenten hat alles seinen Preis. Kim Jong-un muss also etwas bieten. Und er sollte es bald tun, denn seinem Land geht es schlecht. Es leidet unter anderem unter der Fehlentscheidung seines angeblich unfehlbaren Führers. Der hatte geglaubt, er könne Trump mit symbolischen Konzessionen beim Atomwaffenprogramm zu einer weitgehenden Lockerung der internationalen Sanktionen bewegen.

          Beim kurzen Treffen in der demilitarisierten Zone zwischen den zwei Koreas ist für Kim jetzt sogar eine Einladung ins Weiße Haus herausgesprungen. Großvater und Vater Kim, die durch systematische Missachtung internationaler Regeln dem Nachkommen politisch den Weg geebnet haben, wären stolz auf Kim Jong-un.

          Mehr als nur schöne Bilder

          Der wird sich nun entscheiden müssen, was aus seinen „exzellenten“ persönlichen Beziehungen zu Donald Trump werden kann und soll. Die Gespräche über das nordkoreanische Atomwaffenprogramm sollen demnächst wieder aufgenommen werden. Dann erst wird sich zeigen, was der symbolische Erfolg vom Sonntag für Kim wirklich wert war, ob er den Willen und die Kraft zu substantiellen Zugeständnissen hat. Donald Trump ist zwar bis mindestens Ende 2020 im Hauptberuf Wahlkämpfer. Aber selbst er kann sich auf Dauer nicht nur mit schönen Bildern zufriedengeben.

          Zur bloßen Staffage in der demilitarisierten Zone ist der südkoreanische Präsident geworden. Sowohl Trump als auch Kim Jong-un haben Moon Jae-in, der sich wie kein Zweiter um Frieden auf der koreanischen Halbinsel bemüht, im entscheidenden Moment draußen vor der Tür gelassen. Moon ist natürlich klar, dass er auf den schwierigen Verbündeten in Washington auch in Zukunft angewiesen bleibt. Deshalb wird er auch diese Brüskierung schlucken (müssen).

          Peter Sturm

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

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