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Trump über Nordkorea : „Sie haben wirklich keine Raketen getestet“

Dieses Foto von der staatlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA soll einen Raketentest in Nordkorea zeigen. Bild: dpa

Trump reagiert gelassen auf die nordkoreanischen Raketentests. Er komme weiterhin „sehr gut“ mit Kim aus. Doch die Machtdemonstration richtet sich nicht nur gegen Südkorea – sie beinhaltet auch Forderungen an Amerika.

          Donald Trump war sichtlich bemüht, die jüngste Machtdemonstration Nordkoreas herunterzuspielen, um die Aussichten einer Wiederaufnahme der Atomgespräche nicht zu gefährden. „Sie haben wirklich keine Raketen getestet außer, wissen Sie, kleinere, was etwas ist, was viele (Länder) testen“, sagte der amerikanische Präsident am Freitag in einem Interview mit seinem Haussender Fox News. Er bekräftigte, dass er mit Kim Jong-un weiterhin „sehr gut“ auskomme.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Ähnlich hatte sich zuvor schon Außenminister Mike Pompeo geäußert. „Viele Länder posieren, bevor sie an den Verhandlungstisch kommen“, sagte er mit Blick auf die Raketentests ebenfalls bei Fox News. Nordkorea habe in der Vergangenheit schon deutlich schlimmere und gefährlichere Schritte unternommen. Eine Fortsetzung der Gespräche über das nordkoreanische Atomprogramm sei durch die Raketenabschüsse nicht bedroht. „Ich denke, wir werden in der Lage sein, das innerhalb einer Handvoll von Wochen auf die Beine zu stellen.“

          Nordkoreanische Inspektionsversuche

          Auch die Inspektion eines neuartigen U-Boots durch Machthaber Kim Jong-un wollte Pompeo nicht als Drohung werten. „Wir alle schauen uns unsere Streitkräfte an, und wir alle machen Fotos von ihnen“, sagte Pompeo. Nordkorea hat allerdings solche Inspektionsbesuche in der Vergangenheit immer wieder genutzt, um die Weltöffentlichkeit über Waffenentwicklungen zu informieren. So hatte Kim sich 2017 wenige Monate vor dem Test einer Wasserstoffbombe mit einem entsprechenden Sprengsatz fotografieren lassen. Fachleute befürchten, dass Nordkorea an der Entwicklung eines U-Boots arbeitet, von dem aus auch Atomraketen abgeschossen werden könnten. Den Vorwurf von Kritikern, dass Washington Pjöngjang durch ein Ignorieren von dessen Provokationen dazu ermutigen könnte, amerikanische Verbündete wie Japan und Südkorea zu bedrohen, wies Pompeo zurück.

          Im Gegensatz zu Washington übte die Bundesregierung am Donnerstagabend scharfe Kritik an dem Abschuss zweier ballistischer Kurzstreckenraketen. Er stelle „einen schwerwiegenden Verstoß gegen die Verpflichtungen Nordkoreas aus einschlägigen UN-Sicherheitsratsresolutionen dar und stärkt die Zweifel an der Bereitschaft Pjöngjangs zur Aufgabe seines ballistischen Raketen- und Nuklearwaffenprogramms“, bekundete das Auswärtige Amt.

          Nordkorea selbst bezeichnete den Waffentest als „ernste Warnung“ an „Kriegstreiber in Südkorea“ und forderte eine Absage der für August geplanten Militärübung südkoreanischer und amerikanischer Truppen. Das Land protestiert seit Jahren gegen solche Manöver, die es als Angriffsvorbereitungen betrachtet. Im vergangenen Jahr hatte Präsident Donald Trump nach einem Treffen mit Kim Jong-un in Singapur in einer vagen Formulierung ein Ende der Militärmanöver in Aussicht gestellt. Seither wurden einige Großmanöver abgesagt und gegen kleinere vor allem aus Computersimulationen bestehende Übungen ersetzt. Dies gilt nach südkoreanischen Angaben auch für die bevorstehende Übung „19-2 Dong Maeng“. Nordkorea hat angedeutet, eine Ende Juni mit Donald Trump vereinbarte Wiederaufnahme der Atomverhandlungen auf Arbeitsebene womöglich von einer Absage des Manövers abhängig zu machen. 

          Die Nachrichtenagentur KCNA meldete am Freitag, dass der Raketentest vom Donnerstag von Kim Jong-un persönlich angeleitet worden sei. Es habe sich um eine „Machtdemonstration“ gegenüber dem südkoreanischen Militär gehandelt. Neben dem Militärmanöver stört sich Nordkorea demnach auch an dem Erwerb „ultramoderner Offensivwaffen“. Gemeint ist der von Seoul geplante Kauf amerikanischen Tarnkappenflugzeuge. Die KCNA zitiert Kim Jong-un mit den Worten, „wir können nicht anders als weiterhin super-mächtige Waffensysteme zu entwickeln, um die potentiellen und direkten Bedrohungen für die Sicherheit unseres Landes abzuwenden“. Der Machthaber äußert sich äußerst selten über die Staatsmedien, was der Meldung zusätzliches Gewicht verleiht.

          Das südkoreanische Militär veröffentlichte derweil zusätzliche Details über die getesteten Waffen. Dabei handle es sich um Raketen, die der russischen Iskander „in ihrer komplizierten Flugbahn“ ähnlich seien. Diese erschwert es nach Einschätzung von Fachleuten, sie abzufangen. Eine gemeinsam mit den Vereinigten Staaten vorgenommene Analyse habe ergeben, dass „die Raketen in der Tauchphase ein sogenanntes Hochziehmanöver“ vollzogen.

          Auch Südkorea bemühte sich am Freitag, einer Wiederaufnahme der Atomgespräche den Weg zu bereiten. Ein Sicherheitsberater von Präsident Moon Jae-in brachte für den Fall konkreter Abrüstungsschritte Nordkoreas eine mögliche Lockerung der Sanktionen ins Gespräch.

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