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Andreas Ross (anr.)

Trump und die Medien : Der Profiteur der Empörung

  • -Aktualisiert am

Donald Trump profitiert von der Verachtung der Medien und seiner politischen Gegner. Bild: AP

Viele Medien und politische Gegner verachten Donald Trump. Das hilft vor allem ihm selbst: Je größer die Empörung über den Präsidenten, desto fester schließen sich seine eigenen Reihen. Ein Kommentar.

          Die amerikanische Résistance lebt. Zwar sind Massendemonstrationen gegen Donald Trump selten. Doch im Fernsehen wird der Präsident 24 Stunden am Tag an den Pranger gestellt. Nicht nur MSNBC, das linke Spiegelbild des Trump-hörigen Senders Fox News, sondern auch CNN lässt sich von Ereignissen ohne Trump-Bezug kaum noch stören. Lieber werden Richter zu Helden erhoben, wenn die Regierung eine juristische Niederlage einstecken muss. Oder es werden republikanische Altpolitiker hofiert, die von konservativer Warte aus bestätigen, dass Trump ein Verrückter, Versager, Verbrecher und/oder Verräter sei.

          Niemand trägt stärker zum Machterhalt des Präsidenten bei als seine Gegner. Das gilt unabhängig davon, wie gerechtfertigt ihre Kritik in der Sache ist. Wer in Endlosschleife jeden Fehltritt zur Staatskrise, jede Peinlichkeit zur nationalen Schande und jede Normabweichung zur Todsünde erklärt, der schweißt diejenigen zusammen, die Trump ihre Stimme gaben. Die Empörung über die allgemeine Empörung ist der emotionale Kitt, der die Trump-Koalition zusammenhält.

          Das betrifft nicht so sehr den harten Kern der Make-America-Great-Again-Fraktion. Rassisten und hartgesottene Elitenverächter brauchen kein CNN, um den Mann zu bejubeln, der auch im Amt ihre Sprache spricht. Die 46-Prozent-Allianz, die Trump 2016 ins Weiße Haus trug, war ungleich breiter. Sie umfasste zig Millionen Amerikaner, denen Trump suspekt bis zuwider war – aber die dann doch lieber für den Bruch mit schwer kalkulierbaren Folgen als für das Weiter-so-Versprechen der Hillary Clinton stimmten.

          Viele Trump-Wähler können sich heute durchaus über Handfestes freuen: Deregulierung und Steuersenkungen beflügeln Unternehmer, religiöse Rechte harren der konservativen Wende, welche die von Trump ernannten Richter einleiten werden. Doch Umfragen belegen, dass sehr viele Wähler auch sehr viel an dessen Politik und Amtsführung auszusetzen haben. Ihr Lamento reicht von Handelskrieg bis Neuverschuldung, von der Verehrung Putins bis zur Verunsicherung der Nato, von Twitter-Tiraden bis Stormy Daniels.

          Allerdings sind Trumps Wähler es leid, dauernd mit dem moralischen Vorwurf konfrontiert zu werden: Wie konntet ihr nur? Trotz ihrer Zweifel an Trumps Eignung für das höchste Amt sehen sie sich persönlich verächtlich gemacht von den Leuten, die grundsätzlich kein gutes Haar am Wahlsieger lassen. Sein Stichwort von der „Hexenjagd“ greifen sie gern auf, nicht nur mit Blick auf die Russland-Ermittlungen. „Lasst den Mann doch mal in Frieden“, lautet ihr Appell. An die neunzig Prozent aller eingetragenen Republikaner stehen inzwischen zu Trump. Einzig George W. Bush kam je auf solche Werte, und das nur kurz nach „9/11“. Wie damals die Terroristen von Al Qaida, so vereinen heute die „Hysteriker“ von CNN und Konsorten Dutzende Millionen Amerikaner hinter dem Präsidenten. Je erregter der Anti-Trump-Furor, desto fester schließen sich die Reihen.

          Trumps Beliebtheitswerte in der Gesamtbevölkerung bleiben bescheiden. Es ist daher durchaus denkbar, dass die Demokraten mit resolutem Widerstandskurs genug Wähler mobilisieren, um einen Machtwechsel herbeizuführen. Überzeugend wirken die Trump-Gegner derweil aber nicht. Sie vertreten ihre Positionen so selbstgefällig, wie der Präsident regiert. Zuhören steht in Amerika nicht hoch im Kurs, Übertreiben dagegen sehr.

          Als würde nicht jede nüchterne Analyse der Pressekonferenz mit Putin in Helsinki erweisen, dass Trump für sein Land weniger erreicht hat als Putin für sich, wurde er sofort zum „Landesverräter“ gestempelt. Als spräche die Entscheidung, Migrantenkinder systematisch von ihren Eltern zu trennen, nicht für sich und damit gegen Trump, wurden Vergleiche zu den Vernichtungslagern der Nazis gezogen. Sollte es noch schlimmer kommen, wird das längst mit Faschismus-Warnungen agitierte Publikum nicht mehr hinhören.

          Beileibe nicht alle Medien veranstalten aus purem Profitstreben Trump-Krawall. Investigativreporter leisten Großes. Seriöse Journalisten unterscheiden Pikanterien von Paradigmenwechseln und Stilbrüche von gravierenden Grenzverschiebungen. Die Presse weiß auch, wie gut Trump Medienmechanismen durchschaut. Hilflos sehen Journalisten zu, wie der Präsident Feuer mit Feuer bekämpft und sie dabei zu Brandbeschleunigern macht: Inmitten großer Kontroversen twittert Trump eine neue Ungeheuerlichkeit in die Welt und sieht dann zu, wie im perpetuierten Fake-News-Palaver auch die wachsten Geister abstumpfen.

          Weniger denn je ähneln sich die Bilder, die sich Anhänger der Demokraten und der Republikaner von dem amtierenden Präsidenten machen. Unter Trump hat Amerika seinen verhängnisvollen Marsch in eine Gesellschaft mit zwei verfeindeten Stämmen beschleunigt. „Ich könnte mitten auf der Fifth Avenue stehen und auf jemanden schießen“, hatte Donald Trump schon im Wahlkampf gesagt, „und ich würde doch keine Wähler verlieren.“ Auch diesen Irrwitz hat die Wirklichkeit bald eingeholt.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

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