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Trump-Herausforderer O’Rourke : „Das ist der Kampf unseres Lebens als Amerikaner“

  • -Aktualisiert am

Hat viel zu erzählen: Der Demokrat Beto O’Rourke am Freitag bei einem Fernsehinterview. Bild: AP

Amerikaner lieben kaum etwas mehr als gute Geschichten. Einer, der sie verkaufen kann, ist der Texaner Beto O’Rourke. Der Demokrat will Amerikas neuer Präsident werden – und Donald Trump mit zwei bestimmten Charaktereigenschaften besiegen.

          Vor einiger Zeit machte Beto O'Rourke einen Roadtrip durch Amerika, um mit den Menschen zu sprechen und sich darüber klar zu werden, ob er gegen Donald Trump kandidieren will. Der Demokrat aus Texas scheute sich nicht, über den „funk“ zu sprechen, in dem er sich nach der verlorenen Wahl zum Senat wieder gefunden habe. Ein „funk“, das ist ein anhaltendes Stimmungstief. Vielleicht komme er da heraus, wenn er seinen Kopf frei mache und „wenn ich mich in Bewegung setze, auf der Straße, wenn ich mit den Leuten rede über das, was sie bewegt, wenn ich ein Abenteuer erlebe“, schrieb O'Rourke in einem Text auf der Online-Plattform „Medium“.

          Vor einigen Tagen war der 46-Jährige dann auf dem Titel des Magazins „Vanity Fair“ zu sehen. Hemdsärmelig und in Jeans stand er da an der offenen Autotür vor der weiten amerikanischen Landschaft. Das Stimmungstief war vergessen und der ehemalige Abgeordnete sagte im Interview über die Wahl 2020: „Das ist der Kampf unseres Lebens als Amerikaner, ich würde sogar sagen als Menschen.“ Und dann fügte er hinzu: „Ich will daran teilnehmen, Mann, ich bin einfach dafür geboren, dabei zu sein, und ich will alles für dieses Land tun, was im Moment in meiner Macht steht.“

          80 Millionen Dollar aus Kleinspenden von Fans

          Kurz nach Erscheinen des Textes kündigte O'Rourke in einem Video an, dass er Präsident werden wolle. Und dann stand er auch schon in einem Café in Burlington, Iowa, auf dem Tresen und setzte den Ton für seinen Wahlkampf: „Ich sehe die Zukunft Amerikas, genau jetzt, genau hier.“

          Beto O'Rourke kann Menschen begeistern, das ist sein großes Talent. Kein Senatskandidat sammelte jemals mehr kleine Spenden ein, ohne sich auf die PACs (Political Action Committees) zu verlassen. Fans aus dem ganzen Land trugen im vergangenen Jahr 80 Millionen Dollar bei. O'Rourke unterlag im November mit 48,3 zu 50,9 Prozent gegen Amtsinhaber Ted Cruz. Knapper war seit 1978 kein Rennen um den Senat im konservativen Texas ausgegangen. Die amerikanischen Medien waren während des Wahlkampfes voll von Berichten über enthusiastische junge Freiwillige, darunter viele Latinos, die beschrieben, dass O'Rourke sie aus ihrer desillusionierten Haltung gegenüber der Politik befreit und ihnen Hoffnung gegeben habe.

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          Dabei wirkt der ehemalige Kongressabgeordnete selten kalkuliert, spricht meist frei. „Einigkeit“ ist sein großes Thema, aber er geht nicht über Gegensätze hinweg – und bei manchen Themen positionierte er sich klarer, als seine Kritiker es ihm nun vorwerfen. Auf einer Veranstaltung im Senatswahlkampf wurde er etwa nach einem besonders kontroversen Thema gefragt. Der Fragesteller, und nicht wenige Bürger mit ihm, fanden es „unpatriotisch“, wenn Sportler während der Nationalhymne knien, um auf Polizeigewalt gegen Schwarze aufmerksam zu machen.

          O'Rourke aber zog eine Linie von Veteranen, die die Demokratie verteidigten, zur Bürgerrechtsbewegung und zu Colin Kaepernicks Protest am Spielfeldrand. „Ich kann mir nichts Amerikanischeres vorstellen, als friedlich für seine Rechte aufzustehen oder in die Knie zu gehen, jederzeit, überall, an jedem Ort“, sagte der Texaner. Aber Menschen könnten sich dennoch über diese Fragen uneinig und trotzdem gute Amerikaner sein.

          „Sympathiebonus“ vor allem bei jungen Wählern

          Das Video von seiner Antwort machte O'Rourke noch berühmter – und es war ein Beispiel für seinen Wahlkampfstil, der manchem als ein „Wohlfühlwahlkampf“ erschien, weil der Kandidat seine Kritiker so freundlich ernst nahm. Seinen „Sympathiebonus“ versuchen Konservative nun herunterzuspielen – gerade das, was ihn für junge Wähler nahbar und attraktiv macht, ist ihnen eher suspekt.

          O'Rourke, der in New York studierte, als Jugendlicher zu einer Hacker-Gruppe gehörte und in einer Band spielte, sei lange Zeit seines Lebens ein „Slacker“ gewesen, kommentierte etwa das Magazin „National Review“. Ein „Slacker“ ist ein etwas coolerer Faulpelz. Gerade, dass O'Rourke nicht perfekt ist, dass er sich dem Spott aussetzt, wenn er mit sozialen Medien experimentiert und einen Zahnarztbesuch dafür filmt, macht ihn aber für viele attraktiv.

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