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Duda bei Trump : Die enttäuschten Erwartungen des polnischen Präsidenten

Zu große Nähe? Polens Präsident Andrzej Duda und Donald Trump am 24. Juni in Washington Bild: EPA

Wahlkampfhilfe hat Polens Präsident Duda in Washington nicht bekommen. Dafür wächst in Polen die Sorge, dass seine Nähe zu Trump dem Land auf Dauer schadet.

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          In Polen war der Besuch von Präsident Andrzej Duda bei Donald Trump mit Spannung erwartet worden: Würde Duda wenige Tage vor der Wahl am Sonntag seinen Wahlkampf ohne wichtigen Grund unterbrechen? Doch sollte sich Duda ein Wahlkampfgeschenk aus dem Weißen Haus erwartet haben, so wurde er enttäuscht. Eine Zusage über mehr amerikanische Soldaten in Polen konnte er nicht nach Hause bringen. Die Wahlempfehlung Trumps für Duda ist nur ein kleiner Trostpreis.

          In dem laut allen Umfragen äußerst knappen Rennen dürfte dieser Ausflug Duda weder helfen noch schaden. Doch wächst in Polen außerhalb des Regierungslagers die Sorge, dass Dudas Sonderbeziehung zu Trump dem Land langfristig schaden könnte. Bis in Warschau die nationalkonservative PiS und in Washington Trump an die Macht kamen, war es in Polen Konsens, dass man zu beiden Parteien in Amerika gleich gute Beziehungen unterhalten müsse.

          Nun stand Duda unbeweglich neben Trump, als dieser seine innenpolitischen Gegner beschimpfte und im nächsten Atemzug über Deutschland herzog, Polens wichtigsten Partner in Europa. Dudas vorsichtige Worte in Washington zeigen, dass das Bewusstsein für diese Gefahr auch in den Reihen der PiS wächst. Aber die Erwartungen an diese Reise, die aus seinem Lager vorher geschürt worden waren, zeigen auch, dass die PiS bereit ist, solche Bedenken für einen kurzfristigen Nutzen zurückzustellen.

          Reinhard Veser
          Redakteur in der Politik.

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