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Attacken auf Ölanlagen : Der Krieg, in den Trump nicht ziehen will

Die saudische Ölraffinerie in Abqaiq nach dem Anschlag Bild: Reuters

Der amerikanische Präsident bleibt nach den Attacken auf saudische Erdölanlagen zögerlich. Einen Schlag gegen Iran scheut Trump – und überlässt die Entscheidung über das weitere Vorgehen Riad.

          7 Min.

          Wie sehr Donald Trump in der Iran-Krise mit sich ringt, ist derzeit förmlich mit den Händen zu greifen. Einen ganzen Tag ließ der Präsident nach dem Angriff auf saudische Ölanlagen ins Land gehen, bevor er sich an die Öffentlichkeit wandte. Seine Reaktion fiel auffallend vorsichtig aus: „Es besteht Grund zu der Annahme, dass wir den Täter kennen“, schrieb er auf Twitter. Die Vereinigten Staaten stünden gleichsam Gewehr bei Fuß, vorher bedürfe es noch einer Bestätigung. Sodann: Man warte darauf, die Sichtweise des saudischen Königreichs zu hören, wen es für den Angriff verantwortlich mache und wie weiter vorgegangen werden solle.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Zu diesem Zeitpunkt hatte Außenminister Mike Pompeo schon Iran einen „beispiellosen Angriff auf die Welt-Energieversorgung“ vorgeworfen. Auch Energieminister Rick Perry benannte Ross und Reiter: Er sprach von einem „vorsätzlichen Angriff auf die Weltwirtschaft“ und fügte hinzu: „Trotz der bösartigen Anstrengungen Irans sind wir zuversichtlich, dass der Markt belastbar ist und positiv reagieren wird.“ Schließlich unterrichteten ranghohe Mitarbeiter aus dem außen- und sicherheitspolitischen Apparat in Washington Journalisten über die Hintergründe des Vorfalls: Auf Satellitenaufnahmen, die veröffentlicht wurden, waren mindestens 17 Einschläge zu erkennen, die durch Angriffe aus nördlicher oder nordwestlicher Richtung verursacht worden seien.

          Die Unterrichtung diente dazu zu untermauern, was Pompeo zuvor gesagt hatte: dass es keine Hinweise dafür gebe, dass die Angriffe aus dem Süden, also aus dem Jemen, gekommen seien. Der Außenminister bestritt so, dass Houthi-Rebellen aus dem südlichen Nachbarland, mit denen sich Riad im Krieg befindet und die sich zu der Tat bekannt hatten, die Angreifer waren. In der Unterrichtung wurde auch bestätigt, dass es sich sowohl um Drohnen- als auch um Raketenangriffe gehandelt habe, eine Kombination, die auf einen Grad an Umfang, Präzision und Finesse hindeute, der über die Fähigkeiten der Rebellen hinausgehe. Der Täter säße im Norden beziehungsweise Nordwesten, was heißen sollte: in Iran oder im Irak, wo mit Teheran verbündete schiitische Milizen beheimatet sind.

          Trump will sich nicht in einen neuen Krieg ziehen lassen

          Es liegt auf der Hand, warum Trump sich so viel vager äußert als seine Minister und die Beamten in State Department und Pentagon. Der Präsident will sich nicht in einen neuerlichen Krieg im Mittleren Osten ziehen lassen. Dass er für dieses Ziel, das 2016 ein wesentliches Wahlkampfversprechen war, sogar bereit ist, einen Preis zu zahlen, hat er im Juni deutlich gemacht. Damals sagte er nach dem Abschuss einer Drohne durch Iran einen Vergeltungsschlag kurzfristig ab und begründete den Schritt damit, dass die prognostizierte Opferzahl auf iranischer Seite unverhältnismäßig hoch sei. Seine Entscheidung verstörte traditionelle Republikaner, die Konsequenzen fürchteten, wenn Amerika Schwäche zeige.

          Zusätzlich kompliziert wurde der saudisch-iranische Konflikt aus amerikanischer Sicht durch die Ermordung des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi. Die Verwicklung des Kronprinzen Muhammad bin Salman, die auch die CIA nahegelegt hatte, veranlasste Kongressrepublikaner, die Unterstützung für Riad im Jemen-Krieg einzustellen, was Trump ablehnte. Derzeit befindet man sich in einem Machtkampf über diese Frage.

          Trumps gegenwärtiges Ringen mit sich selbst ist eine Art Folgenabschätzung. Was ist schädlicher: Doch den Interventionisten nachzugeben, oder als Schwächling hingestellt zu werden? Dass er immerzu in Sorge um sein Image ist, machte er auch in diesem Fall deutlich. Er beschuldigte die Medien, fälschlicherweise zu behaupten, dass er zu einem Treffen mit dem iranischen Präsidenten Hassan Rohani ohne Vorbedingungen bereit (gewesen) sei. Tatsächlich hatte aber Pompeo noch in der vergangenen Woche – am Tag des Rücktritts John Boltons als Nationaler Sicherheitsberater – bestätigt, dass der Präsident zu einer Begegnung mit Rohani noch in diesem Monat in New York bereit sei – und zwar ohne Vorbedingungen.

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