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Republikaner im Trump-Bann : Wie gewieft dieser Putin ist!

Trump und Putin im Juli 2018 in Helsinki Bild: REUTERS

Viele Republikaner würden Putin gern aus vollem Hals verurteilen. Doch die Wahlkämpfer in der Partei sind vorsichtig. Trump bewundert den Russen – und die Basis bewundert Trump.

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          Als im Kreml die Karten auf dem Tisch lagen, meldete sich in Amerika ein Mann zu Wort, der sich seit vielen Jahren als großer Putin-Kenner vermarktet: Donald Trump. In einer Mail an seine Anhänger bekräftigte der frühere Präsident, dass er den russischen Präsidenten „sehr gut“ kenne, und dass Putin es zu seinen Zeiten im Weißen Haus nie gewagt hätte, so vorzugehen. Als Präsident hatte Trump sein Möglichstes getan, um Russland vor Sanktionen zu bewahren, auch wenn er sich bisweilen dem Druck des in der Sache fast geschlossenen Kongresses beugen musste. Nun aber lästerte er über die „unerheblichen“ Strafmaßnahmen der Biden-Regierung. Sie könnten Putin nicht davon abhalten, „ein massives Stück strategisch gelegenes Land“ zu übernehmen. Putin bekomme jetzt, „was er immer wollte“, und werde wegen der hohen Ölpreise auch noch immer reicher.

          Andreas Ross
          Verantwortlicher Redakteur für Nachrichten und Politik Online.

          Noch mehr Bewunderung klang in einem Radiointerview durch. Trump erzählte, wie er am Montag im Fernsehen sah, was Putin tat, und wie er sich gedacht habe: „Das ist genial!“ So ein „großes Stück der Ukraine“ für unabhängig zu erklären – „wie gewieft das ist!“ Besonders beeindruckt zeigte sich der Republikaner von Putins Ankündigung, „Friedenstruppen“ in den Osten der Ukraine zu entsenden. „So etwas könnten wir an unserer Südgrenze gebrauchen“, sagte Trump, der mit einer weiteren Präsidentschaftskandidatur im Jahr 2024 liebäugelt. „Das ist die stärkste Friedenstruppe, die ich je gesehen habe. Ich habe noch nie so viele Heerespanzer gesehen. Die werden den Frieden bewahren!“

          Später klagte Trump noch in einer weiteren Mail, die „Fake-News-Medien“ verschwiegen seine Aufforderung an Deutschland, keinen „Gas-Pipeline-Deal“ mit Russland einzugehen. Darüber war in Amerika in Wirklichkeit nicht weniger ausführlich berichtet worden als in Deutschland; die meisten Politiker beider Parteien stimmten in der Sache mit Trump überein. Zur Sicherheit verlinkte Trump aber einen Artikel von 2018 mit dem Titel: „Trump macht Deutschland wegen russischer Pipeline nieder und nennt sie einen ‚furchtbaren Fehler’.“ Erschienen war der Text auf der Seite des russischen Staatssenders RT.

          Das Echo auf Trumps Äußerungen blieb in den Vereinigten Staaten überschaubar. Amerika hat sich daran gewöhnt, dass Trump den autoritären Putin einerseits in den Himmel lobt und andererseits verkündet, er hätte ihn gestoppt. Für Trump ist das kein Widerspruch. Auch den chinesischen Staatschef Xi Jinping konnte er als Präsident kaum genug loben. Seine Logik: Nur er, Trump, sei verschlagen genug, um mit solchen Typen fertig zu werden, die nicht auf Regeln achten, sondern alles dem eigenen Interesse unterordnen.

          Nur eine Minderheit steht hinter Putin

          Die offene Bewunderung für Putin unterscheidet Trump nach wie vor von den allermeisten Mandatsträgern seiner Partei. Doch an der Basis hat seine Russland-Politik tiefe Spuren hinterlassen. Schon 2018, nach anderthalb Jahren Trump-Präsidentschaft, hatte sich laut einer Gallup-Umfrage der Anteil der Republikaner-Anhänger fast verdoppelt, die Russland als ein mit Amerika verbündetes oder befreundetes Land betrachteten: von 22 Prozent im Jahr 2014 auf 40 Prozent. Wenige Tage nach Veröffentlichung der Umfrage traf Trump Putin in Helsinki und nahm ihn nach einer langen Unterredung ohne Berater gegen den Vorwurf in Schutz, sich in die amerikanische Wahl eingemischt zu haben – einen Vorwurf, den Amerikas Geheimdienste schon damals für bewiesen hielten.

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