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Merkel im Weißen Haus : „Besser miteinander reden als übereinander“

  • Aktualisiert am

Herzlicher Händedruck? Merkel und Trump im Anschluss an ihre gemeinsame Pressekonferenz Bild: AFP

Nach ihrem ersten Treffen bekennen sich Merkel und Trump zu engen transatlantischen Beziehungen. Eine Gemeinsamkeit mit der Kanzlerin will der amerikanische Präsident ausgerechnet bei Spähattacken durch Geheimdienste erkennen.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel hat das erste Zusammentreffen mit dem amerikanischen Präsidenten als positiv bewertet. „Wir hatten einen guten und sehr offenen ersten Austausch“, sagte Merkel bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Donald Trump im Weißen Haus. Sie betonte, es sei immer besser „miteinander zu reden als übereinander“. Im Wahlkampf hatte Trump abfällige Bemerkungen über Merkels Flüchtlingspolitik gemacht.

          Diese verteidigte die Kanzlerin nun im Beisein des amerikanischen Präsidenten. Zwar müsse illegale Migration geordnet und gesteuert werden, doch immer „im Blick auf die Flüchtlinge“. Ihnen müssten vor Ort Lebenschancen gegeben werden, indem man den Ländern in der Region helfe, die oft nicht dazu in der Lage seien oder in denen Bürgerkriege herrschten. „Diese Art des Herangehens ist die richtige, glaube ich“, sagte Merkel. Trump will die Vereinigten Staaten strikter gegen Ausländer abschotten, die aus seiner Sicht unerwünscht sind, darunter auch Flüchtlinge.

          „Immigration ist ein Privileg, nicht ein Recht“

          Der amerikanische Präsident unterstrich in der Pressekonferenz noch einmal seine harte Linie in Fragen der Einwanderung. „Immigration ist ein Privileg, nicht ein Recht“, sagte Trump. Die Sicherheit der Bürger der Vereinigten Staaten müsse immer Vorrang haben. „Wir müssen uns schützen gegen radikale Kräfte im Inland und im Ausland.“ Er betonte aber auch, dass sich Amerika an internationale Abkommen weiterhin gebunden fühle.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Gast beim amerikanischen Präsidenten Donald Trump Bilderstrecke

          Trump erklärte Deutschland und die Vereinigten Staaten seien durch gemeinsame Werte eng miteinander verbunden. Beide Nationen strebten nach Sicherheit, Wohlstand und Frieden. Das sei das „Fundament einer sehr, sehr hoffnungsvollen Zukunft“. In Bezug auf Wirtschafts- und Handelsfragen drückte er seinen Willen zu einer produktiven Zusammenarbeit mit Deutschland aus und lobte „den unglaublichen Job“, den Deutschland im Bereich Ausbildung bereits leiste. Diese Potentiale wolle er nutzen und für die amerikanische Wirtschaft fruchtbar machen. Er fügte hinzu: „Ein starkes Amerika, das können Sie mir glauben, ist im Interesse der ganzen Welt.“ Einen großen Streitpunkt zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten, nämlich die von ihm angedachten Strafzölle, sprach Trump nicht an.

          Im Hinblick auf die Handelspolitik, einem der zentralen Themen bei dem Zusammentreffen der beiden Regierungschefs, erklärte der amerikanische Präsident, er wolle die Vereinigten Staaten wirtschaftlich nicht abschotten, es gehe ihm aber um Fairness in Handelsfragen. „Millionen Amerikaner wurden vom internationalen Handel vernachlässigt“, sagte Trump. Er wolle deshalb finanzielle Sicherheit für alle Amerikaner. Deutschland habe frühere Verhandlungen oft besser geführt als Amerika. Er hoffe nun, dass die Vereinigten Staaten künftig besser abschnitten, auch wenn es natürlich nicht darum gehe, andere zu besiegen. „Wir wollen Fairness, keine Siege“, sagte Trump.

          Trump fordert von Merkel abermals höhere Militärausgaben

          Auch Merkel sagte, sie wollen einen fairen Handel zum Nutzen aller Beteiligten. Sie hoffe deshalb, dass die EU und die Vereinigten Staaten ihre Verhandlungen über ein Handelsabkommen wieder aufnehmen. Zugleich unterstrich die Kanzlerin, dass es keine bilateralen Verhandlungen zwischen Deutschland und Amerika geben werde. Sie erinnerte den amerikanischen Präsidenten daran, dass Handelsabkommen der EU mit anderen Staaten regelmäßig für beide Seiten mehr Arbeitsplätze gebracht hätten.

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