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Trumps Lieblingssender : Demokraten streiten über Umgang mit Fox News

  • -Aktualisiert am

Pete Buttigieg, einer der Präsidentschaftsbewerber der Demokraten, und Fox-News-Journalist Chris Wallace im Mai bei einer Diskussionsveranstaltung in Claremont. Bild: AP

Die Demokraten sind sich uneins, ob ihre Präsidentschaftsbewerber beim Fernsehkanal Fox auftreten sollen. Soll man versuchen, dessen Zuschauer zu erreichen oder unterstützt man damit einen rassistischen Sender?

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          „Ich muss Ihnen sagen, das hier ist eine ganz heiße Sache, und Sie können es fühlen. Wir haben heute Abend ein größeres Publikum als sonst!“ So kündigte Chris Wallace, Moderator bei Fox News, am vergangenen Sonntag Pete Buttigieg an. Buttigieg, einer der demokratischen Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur, trat bei dem rechtsgerichteten Sender auf. Im so genannten „Town Hall“-Format wollte der Bürgermeister der Stadt South Bend in Indiana sich den Fragen von Wallace und dem Publikum stellen – und wurde erst einmal mit offenen Armen empfangen. „Tatsächlich denke ich, dass Mayor Pete sehr viel Kompetenz mitbringt, ob man seine Ansichten nun teilt oder nicht“, sagte Wallace in einer anderen Sendung. Buttigieg, der wegen seines ungewöhnlichen Nachnamens oft „Mayor“, also Bürgermeister Pete genannt wird, habe eine „faszinierende Biographie“.

          Die Linie bei den Demokraten war bislang recht klar. Viele verurteilen den von dem australisch-amerikanischen Milliardär Rupert Murdoch gegründeten Sender Fox als Sprachrohr des Weißen Hauses. Im März erteilte das Demokratische Nationalkomitee Fox eine Absage für die Übertragung einer der anstehenden Debatten zwischen den innerparteilichen Vorwahl-Kandidatinnen. Wenige Tage vor Buttigiegs Auftritt hatte Mitbewerberin Elizabeth Warren, Senatorin aus Massachusetts, eine Einladung des Senders abgelehnt und gesagt, Fox operiere nach dem Motto „Hass gegen Profit“ und gebe „Rassisten und Verschwörungstheoretikern ein Megaphon“. „Ich werde denen keine volle Stunde meiner Zeit schenken, damit sie damit Glaubwürdigkeit gewinnen und Geld machen können“, sagte Warren. Auch Kamala Harris, Senatorin aus Kalifornien, lehnte einen Auftritt bei Fox ab.

          Viele der Bewerber gehen einen anderen Weg. Der parteilose Senator Bernie Sanders hatte ebenso einen „Townhall“-Auftritt wie Senatorin Amy Klobuchar aus Minnesota. Kirsten Gillibrand, Senatorin aus New York, folgt Anfang Juni. Sie wissen, dass der Sender Fox mit seinen vielen Regionalstationen vielerorts das meist gesehene Fernseh-Angebot ist – und dass nicht zuletzt Republikaner und Trump-Wähler auf dem Land über Fox erreichbar sind. Klobuchar sagte, sie wolle die Bürger dort ansprechen, wo sie zu finden seien.

          Warrens Kampagnen-Team beeilte sich zwar, zu versichern, dass sich ihre Vorbehalte nicht gegen die Zuschauer, sondern gegen das Fox-Management richteten. Doch Kritiker werfen ihr und Harris nun Arroganz gegenüber den Bürgern und eine strategische Fehleinschätzung vor. Die Kandidaten kritisierten einander nicht explizit, manche machten aber Anmerkungen, die entsprechend interpretiert werden konnten. „Wenn man etwas verändern will und wirklich progressiv sein will, dann macht man das nicht, indem man nur mit der Basis redet“, sagte Klobuchar dem Magazin „Politico“. „Ich denke, wir brauchen jemanden, der auch die Dinge tut, die schwer sind und die manche Leute nicht tun wollen“, erklärte Gillibrand. „Und manchmal bedeutet das, die Parteigrenzen zu überqueren und nach Gemeinsamkeiten zu suchen.“

          Verteidiger von Warren und Harris sagen indessen, dass deren harte Linie gegenüber Fox auch viel Zustimmung unter linken Wählern finden dürfte. Aber unter den Fox-Zuschauern sind recht viele, die demokratischen Kandidaten gegenüber offen sind. Einer Umfrage zufolge sind unter denjenigen Fox-Konsumenten, die bei der demokratischen Vorwahl abstimmen wollen, beispielsweise 22 Prozent für Bernie Sanders. Das „Pew Research Center“ ging in einer Studie von 2017 davon aus, dass etwa zehn Prozent der Zuschauer Demokraten seien. Die meisten Fox-„Townhall“-Sendungen erreichten zudem höhere Einschaltquoten als das vergleichbare Format bei CNN.

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