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Trump trifft Duda : Polnische Hoffnungen

Treffen sich zwei Präsidentschaftskandidaten: Andrzej Duda und Donald Trump wollen beide in diesem Jahr wiedergewählt werden. Bild: EPA

Der amerikanische Präsident Trump erwägt, einen Teil der in Deutschland stationierten Truppen noch Polen zu schicken. Dort macht man sich auch Hoffnung auf eine Beteiligung am „nuclear sharing“.

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          Als ersten ranghohen Besucher aus dem Ausland seit Beginn der Pandemie hat Präsident Donald Trump am Mittwochnachmittag seinen polnischen Kollegen Andrzej Duda in Washington empfangen. Duda ist in Europa derjenige Politiker, zu dem Trump die beste und herzlichste Beziehung pflegt. Dass jetzt gerade Duda empfangen wurde, begründete Trump auf Nachfrage mit den Worten: „Großer Respekt für Polen“. Zugleich bekräftigte er auch seine Pläne, fast 10.000 amerikanische Soldaten aus Deutschland abzuziehen. Sie würden an andere Orte verlegt, und Polen könne „einer dieser anderen Orte sein“. Warschau werde die Stationierung auch „bezahlen“. 

          Gerhard Gnauck

          Politischer Korrespondent für Polen, die Ukraine, Estland, Lettland und Litauen mit Sitz in Warschau.

          Allerdings hat der kurzfristig eingeplante Besuch offenbar auch mit den Wahlkämpfen in beiden Ländern zu tun. Duda geht als Kandidat am Sonntag in die polnische Präsidentenwahl, und sein Gastgeber sagte am Mittwoch ganz offen, er wünsche ihm Erfolg. Umgekehrt kann das Treffen auch Trump helfen: Die Stimmen von Millionen polnischstämmigen Amerikanern, gerade in den „swing states“, sind zwischen Republikanern und Demokraten heftig umkämpft.

          Polen hofft auf eine Verstärkung 

          Die Reaktionen in Polen auf die Begegnung waren gemischt. Seit 2014, als Russland seine Aggression gegen die Ukraine begann, sind etwa 5000 amerikanische Soldaten rotierend in Polen stationiert. Die polnischen Hoffnungen auf eine massive Verstärkung und Verstetigung dieser Präsenz haben sich jedoch in Washington am Mittwoch vorerst nicht erfüllt. Die polnische Zeitung „Dziennik“ hatte vor dem Besuch geschrieben, aus dem deutschen Spangdahlem könnten fast 30 amerikanische F-16-Kampfflugzeuge nach Polen verlegt werden. Auch die Führung des V. Korps der Armee, das 2013 in Wiesbaden aufgelöst wurde, in diesem Jahr jedoch reaktiviert wird, könne nach Polen kommen. Außerdem könne Polen fünf gebrauchte Herkules-Transportflugzeuge von Amerika günstig übernehmen.

          Die Zeitung berichtete weiter, anfangs sei auch über eine Beteiligung Polens am „nuclear sharing“ gesprochen worden. Diese Zusammenarbeit betrifft – wie bisher im Falle Deutschlands – die Beteiligung eines Stationierungslandes am Einsatz amerikanischer Atomwaffen. Das Thema sei jedoch nicht weiter verfolgt worden. Die amerikanische Botschaft in Warschau wollte gegenüber der F.A.Z. diese Berichte weder bestätigen noch dementieren. Es werde bald genauere Informationen geben.

          Trump kritisierte abermals die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2, die Gas von Russland nach Deutschland bringen soll, sowie die Tatsache, dass Deutschland zu wenig „für die Nato“ (gemeint war: für die eigene Verteidigung) ausgebe. Duda sagte auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit Nachdruck, er habe Trump gebeten, die Gesamtzahl der Truppen in Europa nicht zu verringern. Außerdem sprachen die Präsidenten über die gemeinsame Bekämpfung des Coronavirus und die Suche nach Impfstoffen sowie über engere energiewirtschaftliche Zusammenarbeit. Beide Länder wollen bei der Planung erster Kernkraftwerke in Polen zusammenarbeiten; bisher verfügt Polen über kein Kraftwerk dieser Art. Der Konzern Google wolle in Polen mindestens eine Milliarde Dollar investieren, sagte Duda.

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