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Als Aladdin verkleidet : Trudeau ungeschminkt

  • -Aktualisiert am

Zerknirscht: Justin Trudeau Bild: dpa

Der kanadische Premierminister hat sich vor 20 Jahren als Aladdin verkleidet. Dafür meint er sich nun entschuldigen zu müssen.

          1 Min.

          Kurz nach dem Wahlkampfauftakt in Kanada entschuldigte sich Premierminister Justin Trudeau für etwas, das lange vor Beginn seiner politischen Karriere geschah: Ein 20 Jahre altes Foto, das ihn auf einem Kostümball unter dem Motto „Arabische Nächte“ zeigt, mit braunen Make-up im Gesicht und Turban, veröffentlicht vom „Time Magazin“.

          Majid Sattar
          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Trudeau wartete erst gar nicht ab, bis die Empörungsmaschinerie angelaufen war, sondern wandte sich präemptiv an die Öffentlichkeit. Er hätte sich nicht als Aladdin verkleiden sollen und es besser wissen müssen. Es tue ihm wirklich leid. Auf Nachfrage gestand er ein, auch zu Schulzeiten einmal Schminke aufgetragen zu haben.

          Trudeau belastete sich selbst

          Damit nicht genug. Trudeau wollte offensichtlich erst gar keine Diskussion darüber aufkommen lassen, ob die Verkleidung nun schlicht als unsensibel, herabsetzend oder noch schlimmer zu bewerten sei, und belastete sich selbst schwer: „Es war etwas, von dem ich damals nicht dachte, dass es rassistisch wäre, aber jetzt erkenne ich, dass es etwas Rassistisches war.“ Er werde weiter daran arbeiten, Intoleranz und Diskriminierung zu bekämpfen, auch wenn er in der Vergangenheit offensichtlich einen Fehler gemacht habe.

          Trudeau war zum Zeitpunkt der Aufnahme 29 Jahre alt. Das Bild war im Jahrbuch einer Privatschule erschienen, in der er lehrte. Am 21. Oktober wird in Kanada ein neues Parlament gewählt. Trudeaus liberale Partei und die Konservativen liegen in Umfragen nahezu gleichauf. Herausforderer Andrew Scheer, dem auch im eigenen Lager vorgehalten wird, er sei zu leichtgewichtig, äußerte, das Bild Trudeaus habe ihn geschockt und enttäuscht. Trudeau habe fehlendes Urteilsvermögen offenbart und sei ungeeignet, das Land zu führen.

          Debatten über multikulturelles Zusammenleben

          Der vermeintliche „Brown-Face“-Skandal ist Ausdruck eines sich ständig verschärfenden Verhaltenskodex’ in Nordamerika und zunehmender politischer Korrektheit. Beeinflusst vom amerikanischen Diskurs über den Umgang mit der schwierigen Rassengeschichte, begannen auch in Kanada Debatten über Anspruch und Wirklichkeit des multikulturellen Zusammenlebens. Es hat allerdings den Anschein, als werde in der Kritik kaum noch differenziert zwischen Ku-Klux-Klan-Verherrlichungen wie der Verkleidung des Gouverneurs von Virginia und vergleichsweise harmlosen Kostümierungen.

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