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Kanadische Regierung : Trudeau baut vor Trumps Amtsantritt sein Kabinett um

  • Aktualisiert am

Justin Trudeau Bild: Reuters

Der kanadische Premierminister reagiert auf den bevorstehenden Regierungswechsel in Washington. Trudeau ersetzt seinen Trump-kritischen Außenminister durch die international bekannte Chrystia Freeland.

          2 Min.

          Gut eine Woche bevor Donald Trump als amerikanischer Präsident vereidigt wird, baut Kanadas Premierminister Justin Trudeau sein Kabinett um. Die bisherige Handelsministerin Chrystia Freeland, die für das Freihandelsabkommen Ceta zwischen Kanada und der EU gekämpft hatte, wird neue Außenministerin, wie Trudeau am Dienstag mitteilte.

          Die 48 Jahre alte Freeland ersetzt Stéphane Dion, der als scharfer Kritiker des künftigen amerikanischen Präsidenten Donald Trump gilt. Wie der Sender CBC News berichtete, hieß es aus Regierungskreisen, Trudeau habe dem 61 Jahre alten Politiker angeboten, Botschafter für die EU und Deutschland zu werden. Trudeau selbst bestätigte dies bisher nicht.

          Neuer Handelsminister wird François-Philippe Champagne, ein Experte in internationalen Wirtschaftsfragen. Die Gestaltung der Handelsbeziehungen zu den Vereinigten Staaten soll aber weiter in Freelands Händen bleiben. Die Personalien gelten als Versuch des linksliberalen Trudeau, der neuen und womöglich angriffslustigeren Regierung im Nachbarland Amerika etwas entgegenzusetzen.

          Trudeau schrieb über den Kurznachrichtendienst Twitter, er freue sich auf die Zusammenarbeit mit den neuen Ministern, um mit ihnen „die gegenüber den Kanadiern gemachten Zusagen in die Tat umzusetzen“.

          In den Beziehungen zu Washington wird Freeland mit die wichtigste Ansprechpartnerin sein und dürfte sich weiter für grenzübergreifenden Handel stark machen. Trump verfolgt dagegen eine protektionistische Handelspolitik und hat angekündigt, das Nafta-Handelsabkommen mit Kanada und Mexiko neu aushandeln zu wollen. Etwa drei Viertel aller kanadischen Exporte gehen in die Vereinigten Staaten.

          Freeland wurde durch die Ceta-Verhandlungen bekannt

          Freeland hatte sich vor allem in den schwierigen Gesprächen über das Handelsabkommen Ceta mit der EU einen Namen gemacht, das im Oktober in Brüssel unterzeichnet wurde. Sie hat weltweit gute Kontakte und ist damit eine der wenigen Minister in Trudeaus Kabinett, die international bekannt sind. Auch in Washington könnte sie womöglich mehr Gehör finden als einige ihrer Kollegen.

          Ein Gegengewicht zur Trump-Regierung dürfte Freeland in ihrer neuen Rolle auch durch ihr Verhältnis zu Russland bilden: Im Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt hatte Moskau 2014 gegen Freeland und zwölf weitere kanadische Politiker Einreiseverbote verhängt. Die ehemalige Journalistin bezeichnete sich selbst als kanadisch-ukrainische Aktivistin. Trump sucht dagegen anders als sein Vorgänger Barack Obama die Nähe zu Russlands Präsident Wladimir Putin.

          Auch die Ministerposten für Einwanderung, Arbeit und Frauen besetzt Trudeau neu. Einwanderungsminister wird demnach Ahmed Hussen, der erste kanadische Parlamentarier somalischer Abstammung. Kanada gilt als sehr offen gegenüber Einwanderern und will dieses Jahr rund 40.000 Flüchtlinge aufnehmen.

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