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Trotz Trump-Kim-Deals : Neue Raketen aus Nordkorea?

Nordkorea provozierte im vergangenen Jahr wiederholt mit Tests von Raketen mit mehreren tausend Kilometern Reichweite. Bild: dpa

Trotz des Denuklearisierungs-Abkommens mit Donald Trump scheint Kim Jong-un an seinem Atomprogramm festzuhalten. Satellitenfotos sollen nun den Verdacht amerikanischer Geheimdienste beweisen.

          Amerikanische Geheimdienste sehen offenbar Anzeichen dafür, dass Nordkorea weiterhin Interkontinentalraketen baut. Das berichtete die Zeitung „Washington Post“ am Dienstag unter Berufung auf ungenannte Regierungsmitarbeiter, die entsprechende Aufklärungsergebnisse eingesehen hätten. Dabei gehe es um „mindestens eine und möglicherweise zwei“ Interkontinentalraketen. Darauf deuteten Satellitenaufnahmen von der Forschungseinrichtung Sanumdong hin, wo in der Vergangenheit die Hwasong-15 gebaut worden war, mit der Nordkorea die Vereinigten Staaten erreichen könnte, sowie Trägerraketen des Weltraumprogramms.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Nordkorea hat sich in den Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten bisher nicht zu einer Beendigung seines Raketenprogramms verpflichtet. Von manchen Beobachtern wird dessen mutmaßliche Fortsetzung aber als Anzeichen gewertet, dass Pjöngjang nicht ernsthaft an einer atomaren Abrüstung interessiert sei. Andere verweisen darauf, dass es unrealistisch sei, ein Ende der Rüstungsaktivitäten zu erwarten, bevor eine entsprechende Vereinbarung mit Amerika unterzeichnet sei. Ein Regierungsmitarbeiter kommentierte die Satellitenaufnahmen gegenüber der Zeitung „Washington Post“ mit den Worten: „Wir sehen sie zur Arbeit gehen, so wie vorher.“ Auch die amerikanische Forschungsstelle James Martin Center for Nonproliferation Studies hat auf Satellitenbildern Aktivitäten in Sanumdong festgestellt. Unter anderem seien Lastwagen zu erkennen, auf denen regelmäßig Container angeliefert würden. Auf einem der Bilder ist laut der Zeitung ein Fahrzeug zu sehen, das Ähnlichkeit mit einem Gefährt habe, mit dem in der Vergangenheit Interkontinentalraketen transportiert wurden.

          In den vergangenen Wochen hatte es mehrfach Hinweise gegeben, dass Nordkorea sein Atomwaffenprogramm zumindest punktuell fortsetzt. Unter anderem war die Rede von einer fortgesetzten Produktion von Spaltmaterial sowie der Entwicklung eines U-Boots, von dem atomar bestückte Raketen abgefeuert werden könnten. Ein Teil der Informationen war von namentlich nicht genannten Geheimdienstmitarbeitern an amerikanische Medien durchgestochen worden. Die renommierte Fachwebsite „38 North“ hatte daraufhin beklagt, es handle sich weniger um Erkenntnisse als um die Agenda von Einzelpersonen innerhalb der Geheimdienste, die Pjöngjang grundsätzlich misstrauten und mit der Nordkorea-Politik Donald Trumps unzufrieden seien. So heißt es in der Zeitung „Washington Post“ vom Dienstag unter Berufung auf nicht spezifiziertes Geheimdienstmaterial, dass „ranghohe nordkoreanische Funktionäre über ihre Absicht gesprochen haben, Washington über die Zahl ihrer Atomsprengköpfe und Raketen zu täuschen“. Demnach hätten sie „möglicherweise“ vor, lediglich 20 Sprengköpfe offenzulegen und zu zerstören. Die genaue Zahl der Atomwaffen ist nicht bekannt. Der Leiter des angesehenen Institute for Science and International Security, David Albright, schätzt sie auf 15 bis 35.

          Der Nordkoreafachmann Joel Wit, der als Mitarbeiter des Außenministeriums an früheren Verhandlungen mit Nordkorea beteiligt war, sagte dem Sender NPR, „widersprüchliche Signale zu Beginn dieses Prozesses“ seien zu erwarten, „bis wir eine detaillierte Vereinbarung für einen Fahrplan in Richtung Denuklearisierung haben“. In der Gipfelerklärung von Singapur hat sich Nordkorea am 12. Juni lediglich vage zu dem Ziel einer „kompletten Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel“ bekannt. Verhandlungen über einen Zeitplan stehen noch aus. Pjöngjang sieht seinerseits die Vereinigten Staaten in der Pflicht, auf „eine Normalisierung der bilateralen Beziehungen“ und ein „Friedensregime auf der koreanischen Halbinsel“ hinzuarbeiten, wie sie ebenfalls in Singapur vereinbart wurden.

          Die nordkoreanische Staatszeitung „Rodong Sinmun“ äußerte am Dienstag die Auffassung, das Land habe mit dem Abbau eines Testgeländes für Raketenantriebe im Rahmen eines Moratoriums auf Atom- und Raketentests eine „mutige Entscheidung“ getroffen, die von „entsprechenden Maßnahmen“ der Gegenseite beantwortet werden müssten. Konkret forderte die Zeitung, dass Südkorea den Norden entgegen den bestehenden Sanktionen wirtschaftlich unterstützen müsse. In dem Kommentar werden die UN-Sanktionen als „unangemessener Schritt der Vereinigten Staaten und anderer feindlicher Kräfte“ bezeichnet, der „aus dem alleinigen Grund getätigt wurde, dass (Nordkorea) Atom- und Raketentests zu Selbstverteidigungszwecken“ unternommen habe.

          Im Waffenstillstandsort Panmunjom trafen unterdessen süd- und nordkoreanische Militärs zu Gesprächen zusammen. Nach Angaben Seouls wurde dabei über „substantielle“ Schritte zum Abbau militärischer Spannungen verhandelt. Konkrete Ergebnisse wurden nicht bekannt gegeben.

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