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Briefbomben gegen Demokraten : Trump: „Mich trifft keine Schuld“

  • Aktualisiert am

Der amerikanische Präsident Donald Trump heizt seinen Anhängern am Freitag bei einer Wahlkampfveranstaltung in Charlotte, North Carolina, ein. Bild: AFP

Er spricht von „Terrorakten“, weist aber jede Verantwortung dafür von sich – zugleich beschuldigt der amerikanische Präsident die Medien, die Briefbombenserie gegen ihn zu nutzen. Hillary Clinton gibt Trump indirekt eine Mitschuld an der Tat.

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          Der amerikanische Präsident Donald Trump hat den Versand von Briefbomben an mehrere seiner Kritiker als „Terrorakte“ verurteilt. Der Täter müsse „mit der ganzen Härte des Gesetzes“ bestraft werden, sagte Trump am Freitag bei einer Wahlkampfveranstaltung im Bundesstaat North Carolina. „Politische Gewalt darf in Amerika niemals geduldet werden und ich werde alles in meiner Macht Stehende tun, um sie zu stoppen.“  

          Dennoch sieht Trump keinen Anlass dafür, etwas an seiner Rhetorik zu ändern. Er habe seinen Ton bereits abgemildert. Wenn überhaupt, habe er einen Grund dazu, seine Rhetorik noch zu verschärfen, weil die Medien ihn und die Republikaner unfair behandelten. Ihn treffe keine Schuld, auch wenn der Mann offenbar ein Unterstützer seiner Politik sei, sagte der Präsident am Freitag in Washington. Er verglich die Taten mit dem Attentat auf den republikanischen Kongressabgeordneten Steve Scalise, der im vergangenen Jahr von einem Anhänger des linken Senators Bernie Sanders auf einem Baseball-Feld angeschossen und lebensgefährlich verletzt wurde.

          Stattdessen warf Trump den Medien vor, mit ihrer Berichterstattung über die jüngste Briefbomben-Serie Politik gegen ihn zu betreiben. Sie hätten die „finsteren Taten eines Einzelnen“ genutzt, um „politische Treffer gegen mich und die Republikanische Partei zu landen“, sagte Trump am Freitag auf einer weiteren Wahlkampfveranstaltung in Charlotte. Die Menschenmenge reagierte mit Schmährufen gegen den amerikanischen Nachrichtensender CNN. Trump sagte anschließend weiter: „Die ständige unfaire Berichterstattung der Medien und ihre negativen Angriffe dienen nur dazu, die Menschen zu entzweien und eine gesunde Debatte zu untergraben."

          Clinton: „Trump peitscht die Zuschauer auf“

          Trumps Ex-Konkurrentin Hillary Clinton hat dem amerikanischen Präsidenten indirekt eine Mitschuld an den Briefbomben gegeben. „Wir leben in einer Zeit, in der die Atmosphäre unberechenbar und hasserfüllt ist und wir haben einen Präsidenten, der die ganze Zeit rücksichtslose Rhetorik praktiziert, die alle möglichen Leute erniedrigen und dämonisieren soll“, sagte Clinton am Freitagabend bei einer Veranstaltung im New Yorker Kulturzentrum 92Y. „Er peitscht die Zuschauer auf, die zu ihm kommen, und es ist fast wie eine Sucht: er treibt sie an und sie geben ihm das zurück, was er anscheinend braucht, um sich stark und wichtig zu fühlen“, sagte Clinton weiter. „Das ist tragisch, aber auch sehr gefährlich.“

          Auch Ex-Präsident Barack Obama hat bei einem Wahlkampfauftritt gegen seinen Nachfolger Donald Trump ausgeteilt. Der Demokrat warf Trump am Freitag in einer Rede in Milwaukee vor, zu lügen. Er bezog sich dabei unter anderem auf ein Versprechen Trumps, noch vor der Wahl am 6. November Steuersenkungen für die Mittelschicht durch den Kongress zu bringen. „Der Kongress tagt gerade überhaupt nicht. Er erfindet das einfach“, erklärte Obama lachend. Der Ex-Präsident war nach Wisconsin gekommen, um Wahlkampf für demokratische Kandidaten aus dem Bundesstaat zu machen. In seiner gesamten Rede erwähnte Obama Trump nicht einmal namentlich.

          In den vergangenen Tagen waren 14 Briefbomben gefunden worden, die an prominente Trump-Kritiker adressiert waren – darunter Ex-Präsident Barack Obama, die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton und der Fernsehsender CNN. Die amerikanische Polizei hatte am Freitag nach einer tagelangen Großfahndung den mutmaßlichen Täter gefasst, der für die Versendung der Briefbomben verantwortlich sein soll. Der Verdächtige ist offenbar ein glühender Trump-Anhänger und Mitglied der Republikaner. Laut Justizministerium drohen dem Täter bis zu 48 Jahre Haft.

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