https://www.faz.net/-gpf-8zenr

Hamburg : Merkel will Trump schon vor dem Gipfel treffen

  • Aktualisiert am

Aneinander vorbei – Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, im Mai beim Nato-Gipfel in Brüssel Bild: dpa

Die Bundeskanzlerin hat die Abschottung Amerikas vor dem G-20-Gipfel heftig kritisiert. Bald kann sie Trump direkt auf seine Politik ansprechen. Merkel plant ein Vier-Augen-Gespräch.

          4 Min.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will sich vor Beginn des G-20-Gipfels in Hamburg mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump treffen – und dämpft gleichzeitig die Erwartungen an die Ergebnisse des Gipfels. „Wir kennen ja bestimmte Positionierungen der amerikanischen Regierung“, sagte Merkel am Montag in Berlin. „Ich erwarte nicht, dass wegen einer zweitägigen Reise nach Hamburg diese Positionierungen ausgesetzt werden.“

          Die Kanzlerin verwies darauf, dass die Gipfelerklärung Einstimmigkeit erfordere. Dort werde es Gemeinsamkeiten etwa im Bereich Terrorismusbekämpfung geben. Angesichts der verschiedenen Meinungen glaube sie aber nicht, „dass wir zum Schluss mit geeinigten Positionen in allen Fragen daraus hervorgehen“, erklärte Merkel. 

          Nach Angaben von Regierungssprecher Steffen Seibert plant Merkel vor Beginn des Gipfels eine Begegnung mit Trump, „höchstwahrscheinlich am Donnerstagabend“. Das sei „etwas völlig Normales“, fügte er hinzu. Die Kanzlerin führe als Gastgeberin vorab eine ganze Reihe von Gesprächen.

          Der Gipfel finde in einer Zeit statt, in der das Prinzip des Multilateralismus nicht von jedem geteilt werde, erklärte Seibert. Klare Meinungsverschiedenheiten seien etwa beim Thema Klimaschutz zu erkennen. „Das ist anspruchsvoll und schwierig in diesem Jahr – an vielen Ecken.“

          Das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtete unter Berufung auf Regierungskreise, bei Merkels Gespräch mit Trump solle es unter anderem um eine gemeinsame Initiative zur Eindämmung der Terrorgefahr sowie zur Finanzierung von UN-Friedenseinsätzen gehen. Außerdem wolle die Kanzlerin Chancen für eine globale Antwort auf die Flüchtlingsbewegung und ein entsprechendes G-20-Signal ausloten.

          Gipfel ohne saudischen König

          Offiziell beginnt der zweitägige Gipfel der wichtigsten Wirtschaftsmächte am Freitag, allerdings ohne Saudi-Arabiens König Salman. „Ich kann bestätigen, dass wir diese offizielle Mitteilung erhalten haben", sagte Regierungssprecher Seibert auf Anfrage. Zu den Gründen wollte er sich nicht äußern. Wer nun für den Monarchen die Delegation seines Landes beim Gipfel anführen wird, ist der deutschen Regierung offenbar noch nicht bekannt.

          Zuvor hatte die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf diplomatische Kreise berichtet, aktuelle Entwicklungen in der Qatar-Krise würden den 81 Jahre alten König dazu zwingen, Finanzminister Mohammed al-Dschadan als Vertretung in die Hansestadt zu schicken.

          Mehrere arabische Staaten haben Qatar unter Führung Saudi-Arabiens vor vier Wochen isoliert und eine Reihe von Forderungen an das Golfemirat gestellt. Wegen des schlechten Gesundheitszustands von König Salman war schon zuvor spekuliert worden, ob er die Reise antreten würde. Vergangene Woche hatte bereits Brasiliens Staatspräsident Michel Temer angekündigt, dass er nicht zum Gipfel nach Hamburg reisen wird. Der mit Korruptionsvorwürfen konfrontierte Temer hatte dafür innenpolitische Gründe geltend gemacht.

          Farbbeutel-Attacke auf Wohnhaus von Hamburger Bürgermeisterin

          Am Montag wurde bekannt, dass auf das Wohnhaus von Hamburgs Zweiter Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) ein Farbanschlag verübt wurde. Gegen 2.45 Uhr in der Nacht zu Montag seien Farbbeutel gegen die Fassade geworfen worden, sagte eine Polizeisprecherin auf Anfrage. Ob der Vorfall im Zusammenhang mit dem G-20-Gipfel steht, sei unklar. Es sei sofort eine Fahndung eingeleitet worden, die zunächst jedoch ergebnislos geblieben sei. Weitere Schäden oder Verletzte habe es nicht gegeben. Wissenschaftssenatorin Fegebank stützt als Teil des rot-grünen Senats das Treffen der Staats- und Regierungschefs in Hamburg.

          Kurz vor dem Gipfel sorgte die Räumung eines Protestcamps linksradikaler Demonstranten für Spannungen. Der Linken-Politiker Jan van Aken kritisierte das Vorgehen der Polizei in der Hansestadt als unverhältnismäßig. Das Hamburger Verwaltungsgericht bestätigte die Rechtsauffassung der Sicherheitsbehörden am Montag allerdings.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.