https://www.faz.net/-gpf-88fu7

Obama und Putin : Allenfalls der Anfang eines langen Weges

  • -Aktualisiert am

Handschlag ohne Begeisterung: Wladimir Putin und Barack Obama in New York Bild: dpa

Das Treffen Obamas und Putins wird von beiden Seiten als konstruktiv bezeichnet – konkrete Schritte zur Lösung des Syriens-Konflikts wurden aber nicht vereinbart

          Wladimir Putin erhält das Foto, das er wollte: ein Händedruck mit Barack Obama. Als Kulisse für das erste bilaterale Treffen der beiden Präsidenten seit zwei Jahren dient ein kleiner, dunkler Raum mit amerikanischen und russischen Fahnen im Hintergrund. Beide Staatschefs kommen mit gesenktem Kopf herein, Obama setzt gar eine demonstrativ ernste Miene auf und deutet nur beim Händedruck ein kurzes Lächeln an.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Für Putin ist das Gespräch am Montagabend in New York eine Genugtuung nach der öffentlichen Herabstufung seines Landes zur Regionalmacht durch Obama in Folge der Krim-Annexion. Er kostet den Moment aber nicht aus. Dass die Begegnung dennoch nicht mehr sein würde als ein erster Gedankenaustausch über das Vorgehen im Syrien-Konflikt, passte zum Erwartungsmanagement, das Diplomaten in New York zuvor betrieben hatten.

          Nach dem anderthalbstündigen Gespräch, das länger dauerte als geplant, hoben beiden Seiten den konstruktiven Charakter hervor. Putin sprach von einem „sehr konstruktiven, praktischen und überraschend ehrlichen“ Treffen. Man habe Gemeinsamkeiten gefunden. Aber die Unterschiede bestünden fort. Weil diese bekannt seien, sagte Putin mit Blick auf die Auftritte der beiden in der UN-Vollversammlung, gebe es keine Notwendigkeit, sie nun zu wiederholen. Obama äußerte sich hingegen nicht.

          Ein ranghoher Regierungsbeamter sprach später von einem sachlichen Gedankenaustausch, in dem es beiden Seiten nicht darum gegangen sei, Punkte zu machen. Nicht zufällig wurde aber hervorgehoben, die erste Hälfte des Gesprächs habe sich ausschließlich um den russisch-ukrainischen Konflikt gedreht. Was die Lage in Syrien betreffe, gebe es fundamentale Meinungsunterschiede die Zukunft Baschar al Assads betreffend: Für Russland sei er ein Bollwerk gegen den Extremismus, während die Amerikaner ihn dafür verantwortlich machten, den Konflikt unter den syrischen Bevölkerungsgruppen weiter zu befeuern.

          Eine neue Tonlage

          Moskau, so der Regierungsbeamte, habe aber verstanden, wie wichtig es sei, einen Ansatz für eine politische Lösung des Konfliktes zu verfolgen, auch wenn sich die Zielvorstellungen noch unterschieden. Den Amerikanern ist der Deutungsrahmen der Begegnung wichtig: Putin habe sich in der Ostukraine in eine missliche Lage manövriert und suche nun über Kooperationsangebote in Syrien einen Ausweg für sich selbst. Der russische Deutungsrahmen lautet: Amerika habe in Syrien lange auf das falsche Pferd gesetzt und gehe nun auf Assads Verbündeten zu.

          Eine neue Tonlage gibt es hinsichtlich der militärischen Aktivitäten Russlands in Syrien. Über die Ausweitung der Militärpräsenz, vor allem den Aufbau einer Operationsbasis in Latakia, die Außenminister John Kerry kürzlich in Berlin noch als Hindernis für eine politische Lösung bezeichnet hatte, hieß es nun, diese sei nicht notwendigerweise schädlich. Die Bewertung des Weißen Hauses hänge von Russlands weiterem Vorgehen ab.

          Setze Moskau das Militär ausschließlich dafür ein, die Terrororganisation „Islamischer Staat“ zu bekämpfen, wäre das „in Ordnung“. Sollte es dazu dienen, Assads Feldzug gegen sein eigenes Volk zu stärken, wäre es negativ. Obama und Putin bestätigten, der zwischen dem russischen Verteidigungsministerium und dem Pentagon vereinbarte Informationsaustausch über operative Fragen ihrer Militäreinsätze sei wichtig, um Konfliktsituationen zwischen beiden Seiten in der Region zu vermeiden.

          Weitere Themen

          Trumps Tweets kommen ins Satire-Museum Video-Seite öffnen

          Besondere künstlerische Note : Trumps Tweets kommen ins Satire-Museum

          Anlässlich des 73. Geburtstags von Donald Trump hat die Nachrichtensatire "The Daily Show" dem Präsidenten eine interaktive Ausstellung in Washington gewidmet. Mit einem der humoristischen Gebiete seiner Präsidentschaft: Seinen Tweets.

          Auslieferungsgesetz gestoppt Video-Seite öffnen

          Erfolgreiche Demonstrationen : Auslieferungsgesetz gestoppt

          Es ging um mehr als nur ein Gesetz. Für die Bevölkerung in Hongkong ging es vor allem um die (Meinungs-)Freiheit, die durch potentielle Auslieferungen an China gefährdet gewesen wäre. Umso größer ist jetzt der Jubel.

          Topmeldungen

          TV-Duell für Tory-Vorsitz : „Wo ist Boris?”

          In einer lebendigen Debatte stellen die Kandidaten für den Vorsitz bei den britischen Konservativen unter Beweis, wie groß das Arsenal präsentabler Politiker der Tory-Partei noch ist. Boris Johnson bleibt der Runde fern – und ein anderer sticht heraus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.