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Treffen nach sieben Jahren : Friedensgipfel in Pjöngjang

Protest der südkoreanischen Oppositionsanhänger Bild: REUTERS

Der nordkoreanische Staatschef Kim Jong-il und der südkoreanische Präsident Roh Moo Hyun wollen sich Ende August in Pjöngjang treffen. Amerika zeigt sich überrascht, findet die Idee aber offiziell gut. Die südkoreanische Opposition wittert dagegen eine Intrige.

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          Die amerikanische Regierung zeigt sich überrascht, findet die Idee aber offiziell gut. Die südkoreanische Opposition ist wütend und wittert eine innenpolitisch motivierte Intrige: Der südkoreanische Präsident Roh Moo-hyun wird vom 28. bis 30. August in die nordkoreanische Hauptstadt Pjöngjang reisen und dort mit Staatsführer Kim Jong-il sprechen. Das gab die Regierung in Seoul am Mittwoch bekannt. Es wird das zweite innerkoreanische Gipfeltreffen sein.

          Peter Sturm

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

          Das erste, im Sommer 2000, wird noch heute „historisch“ genannt, obwohl sich die konkreten Ergebnisse in Grenzen hielten. So vereinbarten Kim Jong-il und der damalige südkoreanische Präsident Kim Dae-jung die Einrichtung einer Bahnverbindung zwischen den beiden Ländern. Es dauerte aber bis zum Frühjahr dieses Jahres, ehe zu Testzwecken erstmals ein Zug von Korea nach Korea fuhr. Zudem hatte Kim Jong-il damals zugesagt, ein zweites Gipfeltreffen werde im Süden stattfinden. Die große Zurückhaltung, die sich Nordkoreas Führer beim Verlassen seines Landes auferlegt, ließ sich aber bis jetzt nicht überwinden.

          Juristisch im Kriegszustand

          Als Ziel der Zusammenkunft mit Kim Jong-il nannte die südkoreanische Seite vor allem Frieden. Der Koreakrieg endete 1953 mit einem Waffenstillstandsabkommen, das Südkorea nicht unterzeichnet hat. Beide Koreas befinden sich also juristisch noch im Kriegszustand, was man aber auf beiden Seiten der Demarkationslinie ändern möchte. Der Lösung des nordkoreanischen Atomproblems möchte Seoul bei dem Gipfeltreffen ebenfalls näherkommen.

          Annäherung : Nord- und Südkorea vereinbaren Gipfeltreffen

          In diesem Zusammenhang sind von amerikanischer Seite Bedenken laut geworden. Nordkorea könne, heißt es dort, die Gesprächsbereitschaft des Südens als Anerkennung seines Status als Atommacht deuten. Eigentliches Ziel von Verhandlungen mit Pjöngjang müsse aber die Denuklearisierung Nordkoreas sein. Trotzdem gibt es auch bei den Amerikanern zuversichtliche Äußerungen: Wirkliche Fortschritte könne es nämlich nur geben, wenn der nordkoreanische Staatsführer an Gesprächen beteiligt sei.

          Opposition sucht Kandidaten

          Den Gipfel vorbereitet hatte der Chef des südkoreanischen Geheimdienstes bei zwei Besuchen in Pjöngjang. Aus Seoul hieß es, der nordkoreanische Führer habe den südkoreanischen Präsidenten schon lange einmal persönlich sprechen wollen. Jetzt sei nach Meinung des Nordens der denkbar beste Zeitpunkt.

          Auf ganz andere Weise sieht das die oppositionelle Große Nationalpartei (GNP) im Süden ähnlich. Die GNP sucht gerade unter heftigem innerparteilichen Streit einen Kandidaten für die Präsidentenwahl im Dezember. Die Entscheidung soll kurz vor dem geplanten Gipfeltreffen fallen. Mit seiner Reise nach Nordkorea wolle Präsident Roh Moo-hyun der GNP schaden, argwöhnt die Partei. Außerdem seien Roh und seine Anhänger viel zu kompromissbereit gegenüber Pjöngjang.

          Auftrieb im zerstrittenen liberalen Lager?

          In der Tat ist das Thema Nordkorea etwas, das der in Meinungsumfragen weit vorne liegenden GNP einen möglicherweise entscheidenden Knacks versetzen könnte. Die Annäherung an die Landsleute im Norden ist in der Bevölkerung populär, wenngleich sich besonders nach dem Atomtest im vergangenen Jahr die Kritik verstärkt hatte. Südkorea habe Vorleistungen erbracht, aber wenig bis nichts dafür bekommen, hieß es.

          Doch Fortschritte im innerkoreanischen Verhältnis könnten dem zerstrittenen liberalen Lager Auftrieb geben. Die Präsidentenpartei Uri ist in Auflösung begriffen. Andere liberale Kräfte wollen zwar verhindern, dass die Opposition die Wahl gewinnt. Aber mit Roh will kaum noch ein Politiker, der etwas auf sich hält, etwas zu tun haben.

          Vor etwa einem Monat hatte die GNP eine Änderung ihrer bisherigen Politik gegenüber Nordkorea verkündet. Sie schlug vor, 30.000 jungen Nordkoreanern eine Berufsausbildung im Süden zu ermöglichen. Das werde einerseits das Verhältnis der beiden Koreas entspannen und zudem zum wirtschaftlichen Aufschwung im verarmten Norden beitragen, hieß es. Die Einrichtung weiterer Sonderwirtschaftszonen in Nordkorea solle angestrebt werden.

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