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Leopoldo López : Maduros Fängen entflohen

Leopoldo Lopez in Caracas im Februar 2014 Bild: Reuters

Ohne den venezolanischen Oppositionpolitiker Leopoldo López wäre Juan Guaidó nicht Übergangspräsident geworden. Nach mehreren Jahren Haft und Hausarrest hat López sich nun nach Spanien abgesetzt – unser Korrespondent hat ihn getroffen.

          4 Min.

          Aus dem Fenster ist das spanische Parlament zu sehen. Leopoldo López hat schon fast alle Parteivorsitzenden und den Ministerpräsidenten getroffen. Der venezolanische Oppositionspolitiker gönnt sich keine Pause, seit er sich Ende Oktober nach Madrid abgesetzt hat – als müsste er als rastloser politischer Netzwerker die sieben Jahre aufholen, in denen er in Venezuela festsaß.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Zu dem Gespräch kommt der Mentor des Übergangspräsidenten Juan Guaidó mit schwarzen Turnschuhen, hellbrauner Jeans und offenem weißen Hemd. Trotz des kühlen Morgens krempelt er gleich die Ärmel hoch, bevor er loslegt und kaum noch zu bremsen ist. Es sei seine zweite Begegnung mit der Presse seit sieben Jahren, entschuldigt er sich später.

          „Es war eine schwere Entscheidung. Ich wollte Venezuela nicht verlassen“, sagt der 49 Jahre alte Politiker, den seine Anhänger zu Hause fast wie einen Märtyrer verehren. Im Jahr 2014 stand er an der Spitze der Protestbewegung gegen das Regime von Nicolás Maduro, als er zu fast 14 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt wurde. „Was Freiheit bedeutet, habe ich erst in meiner zwei mal zwei Meter großen Zelle gelernt“, sagt Lopez. Vier Jahre lang saß er im Gefängnis.

          Doch auch in Haft und später im Hausarrest blieb er der Anführer der radikalen Opposition. Er baute seinen politischen Ziehsohn Juan Guaidó zum Übergangspräsidenten auf, seit die Opposition nach dem Wahlsieg im Jahr 2015 die Nationalversammlung kontrolliert. Ihr gelang es aber weder, die venezolanischen Sicherheitskräfte dazu zu bewegen, sich gegen Präsident Maduro zu stellen, noch zeigte ihre internationale Kampagne Wirkung.

          In Madrid gesteht López ein, dass der Weg bis zum Ende der Diktatur noch lang sei: „Ich bin überzeugt, dass es einen Wandel geben wird, aber dafür muss das Maduro-Regime gehen.“ Gegen Ende seiner Zeit in der Residenz des spanischen Botschafters in Caracas, in die er im April 2019 geflohen war, reifte die Überzeugung, Venezuela zu verlassen – nicht nur, um seine Familie wiederzusehen: Seine Ehefrau Lilian Tintori und die drei kleinen Kinder waren schon nach Madrid geflohen. Dort lebt auch sein Vater, der für die konservative Volkspartei PP im Europaparlament sitzt.

          Leopoldo López mit Madrids Regionalpräsidentin Isabel Diaz Ayuso
          Leopoldo López mit Madrids Regionalpräsidentin Isabel Diaz Ayuso : Bild: EPA

          „Im Hausarrest und in der Botschaft hatte ich nur ein Mobiltelefon bei mir“, sagt López. In Spanien hofft er, mit der neu gewonnenen Bewegungsfreiheit „viel mehr bewegen zu können“. Aber erst einmal musste er mehrere Schockmomente verkraften. Über die Einzelheiten seiner Flucht will er immer noch nichts sagen. Er müsse die Menschen schützen, die ihm dabei geholfen hätten. „Einmal fehlte nicht viel, und ich wäre nicht in Spanien angekommen“, sagt er.

          In Freiheit, aber nicht vollständig frei

          Noch mehr erschreckte ihn, wie grau und arm sein Land geworden war, in dem er sieben Jahre lang nicht unterwegs gewesen sei. Den Menschen habe man den Hunger ansehen können. Ein Strom von Hunderten Familien sei auf dem Weg zur Grenze, um Venezuela zu verlassen. In Madrid fremdelten seine Kinder, das kleinste kannte den Vater nur vom Bildschirm des Mobiltelefons. Nach seiner Ankunft in Spanien kaufte er sich sofort Laufschuhe. Er ertappt sich immer noch bei seinem ungläubigen Staunen darüber, dass er einfach losrennen kann, ohne dass ihn jemand stoppt.

          „Aber ich fühle mich immer noch nicht vollständig frei“, sagt er und meint damit seine Verantwortung für die Venezolaner, die er zurückgelassen hat. Im spanischen Exil sucht er jetzt nach seiner neuen Rolle. „Ich bin nicht der Führer der Exilopposition. Juan Guaidó führt als Interimspräsident die demokratischen Kräfte in Venezuela und außerhalb an. Ich arbeite ihm zu“, stellt López die Rangfolge klar.

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