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Treffen in Wladiwostok : Was erhoffen sich Kim und Putin?

Auf dem Weg zu Putin: Kim Jong-un bei der Grenzkontrolle in Chassan, Russland Bild: AP

Es tut sich Historisches in Russlands Fernem Osten. Nordkoreas Machthaber trifft erstmals den Kreml-Präsidenten. Die Stimmung dürfte gut sein.

          Erstmals ist Nordkoreas Herrscher Kim Jong-un in Russland, zum ersten Mal trifft er Präsident Wladimir Putin. Auch wenn keine großen Ergebnisse von dem Gespräch der beiden an diesem Donnerstag in Wladiwostok erwartet werden, tut sich also Historisches in Russlands Fernem Osten. Dazu passte Kims Verkehrsmittel der Wahl für die knapp 700 Kilometer Fahrt von Pjöngjang nach Wladiwostok: derselbe dunkelgrüne, gepanzerte Zug, mit dem schon sein Vater und Vorgänger Kim Jong-il durch Russland gefahren war; der Großvater und Vorvorgänger Kim Il-sung war noch in einem anderen gepanzerten Zug durch die Sowjetunion gereist.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Peter Sturm

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

          Im schwarzen Mantel und mit Hut, stieg Kim zunächst kurz hinter der Grenze am Bahnhof des Ortes Chassan aus. Begrüßt wurde er von Offiziellen sowie Mädchen in weißen Rüschenblusen mit roten Hauben und Kleidern, die ihm traditionsgemäß Brot und Salz zur Begrüßung reichten. Danach beteuerten sie, der Gast habe, anders als Zweifler anhand von Videoaufnahmen behaupteten, sehr wohl ein Stück Brot abgerissen, in Salz getunkt und probiert. Kim besuchte in Chassan ein Haus der russisch-koreanischen Freundschaft, das zu einer Visite seines Großvaters 1986 gebaut, 2002 von seinem Vater besucht und 2015 abgebrannt, aber rasch wieder aufgebaut worden war. Dann ging die Zugfahrt weiter nach Wladiwostok. Dort angekommen, übermittelte Kim über das russische Staatsfernsehen laut Übersetzung „dem ganzen russischen Volk einen warmem Gruß“. Für Kims im Zug mitgebrachte, gepanzerte, überlange Mercedes-Limousine war eigens die etwas zu steile Zufahrt zum Bahnhofsgelände von Wladiwostok abgeflacht worden.

          Gerüchte über einen bevorstehenden Besuch Kims in Russland gab es schon länger, verstärkt seit dem Abbruch des zweiten Gipfels mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump Ende Februar in Hanoi. Kim wolle auch gegenüber China zeigen, dass er Manövrierfreiheit habe und amerikanischer Druck mit Blick auf das Nuklearprogramm des Landes nichts bewirke, kommentierten Beobachter in Moskau.

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          Das Gespräch mit Putin soll auf einem Universitätscampus stattfinden, wo Kim auch in einem Gästehaus wohnen soll; die Wahl des Orts auf einer Halbinsel wird mit Sicherheitsanforderungen der Nordkoreaner begründet. Themen sind der Streit um Pjöngjangs Nuklearprogramm und die Entwicklungen der Beziehungen beider Länder. Vor allem der Handelsbande, die wegen Sanktionen gering sind; das Volumen betrug 2018 nur magere 34 Millionen Dollar. Laut westlichen Berichten umgehen russische Unternehmer die Sanktionen, vor allem durch Öltransfers auf Schiffen. Aber offiziell hält sich Moskau an die Strafmaßnahmen. Diese stehen auch alten, regelmäßig angesprochenen Träumen von einer transkoreanischen Eisenbahnlinie und einer transkoreanischen Gaspipeline unter Beteiligung der entsprechenden russischen Staatsunternehmen im Weg. Moskau und Pjöngjang denken aber laut der Zeitung „Kommersant“ gerade über einen Tauschmechanismus nach, der den Handel mit erlaubten Gütern ausweiten soll, ohne Finanzsanktionen zu verletzen. Eine Folge der Sanktionen ist auch, dass die letzten nordkoreanischen Arbeitsmigranten Russland bis Ende des Jahres verlassen müssen; dadurch verliert das Regime eine weitere Einnahmequelle, denn große Teile der Löhne der Arbeiter werden einbehalten. Laut „Kommersant“ waren schon Ende 2018 weniger als 10.000 nordkoreanische Arbeiter in Russland, zwei Jahre zuvor waren es noch 38.000 gewesen.

          Es wurde vor dem Treffen Putins und Kims nicht damit gerechnet, dass Dokumente unterzeichnet oder eine gemeinsame Erklärung vorgestellt würden. Die Stimmung dürfte aber gut sein. Zwar hat sich Moskau dem Ziel verschrieben, die koreanische Halbinsel zu „entnuklearisieren“ und ist auch nicht angetan von der Aussicht, den Atommachtstatus mit einem weiteren Staat zu teilen. Zugleich hat man aber Verständnis dafür, dass Kims Regime den Status anstrebt, da nur dieser, so die Moskauer Lesart, vor westlichen Interventionen wie im Irak oder in Libyen schütze. Ranghohe russische Politiker sind regelmäßig zu Gast in Pjöngjang.

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