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Treffen in Sotschi : Putin und Erdogan preisen ihre Kooperation

Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan bei ihrem Treffen in Sotschi am Schwarzen Meer. Bild: AFP

Moskau zeigt sich erfreut über den reibungslosen Betrieb der Pipeline Turkstream. Ob Putin und Erdogan hinter verschlossenen Türen auch über Kampfdrohnen verhandelten, bleibt ungewiss.

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          Russlands Präsident Wladimir Putin empfing am Freitagnachmittag den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Sotschi am Schwarzen Meer in einem Prachterholungshotel namens „Rus“ und nicht, wie sonst, in seiner Residenz.

          Rainer Hermann
          Redakteur in der Politik.
          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Zu Beginn zeigten sich die beiden Präsidenten vor der Presse. Dass ein abschließender Auftritt der beiden nicht vorgesehen war, begründete Putins Sprecher am Donnerstag zunächst damit, dass „die türkische Seite“ nach dem Treffen noch zurückreisen müsse. Am Freitag verwies Dmitrij Peskow auf terminliche Verpflichtungen Putins.

          Russischerseits sollte es dem stellvertretenden Ministerpräsidenten Alexandr Nowak zufallen, Auskunft über die Begegnung zu geben. Nowak ist nicht nur Kovorsitzender einer russisch-türkischen Regierungskommission zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit, sondern in Moskau für Energie zuständig.

          Das Energiethema birgt für Erdogan pikante Seiten

          Seine Rolle war insofern passend, als es in Sotschi neben Konflikten und Kriegen, in denen Putin und Erdogan Grundsatzdissens zwischenmännlich besprechen oder gar regeln (Ukraine, Syrien, Nagornyj Karabach), laut Peskow um die Ausweitung „strategischer Projekte im Energiebereich“ gehen sollte. Eingangs rühmte Putin, dass die Gaspipeline Turkstream reibungslos laufe, und forderte die „europäischen Partner“ auf, der Türkei „für den Transit unseres Gases auf den europäischen Markt“ zu danken.

          Das Energiethema birgt aber auch für Erdogan pikante Seiten: die Entwicklungen beim Bau des ersten Atomkraftwerks in der Türkei in Akkuyu. Die Türkei hatte den Auftrag mit einem Volumen von 20 Milliarden Dollar 2010 an ein Konsortium unter Führung der für den Export zuständigen Tochter des russischen Staatsnuklearkonzerns Rosatom vergeben. Die Bauarbeiten begannen im Jahr 2018. Doch Ende Juli kündigte Rosatom den Vertrag mit den türkischen Konsortialpartnern einseitig auf und ersetzte sie durch drei russische Bauunternehmen. Ictas, eine der drei betroffenen türkischen Firmen, bezeichnete das Vorgehen als unrechtmäßig und kündigte an, dagegen juristisch vorzugehen.

          Unklar ist bislang, ob die türkische Führung vorab über das russische Vorgehen eingeweiht war oder ob Russland versucht, die Türkei damit unter Druck zu setzen. Das Atomkraftwerk soll bis zum Jahr 2040 in das Eigentum Russlands übergehen; bis dahin wäre die Türkei verpflichtet, eine vertraglich vereinbarte Strommenge zu einem hohen, festgelegten Preis abzunehmen.

          Die Inbetriebnahme war ursprünglich noch für dieses Jahr vorgesehen. Einmal am Netz, soll das Atomkraftwerk zehn Prozent des türkischen Strombedarfs decken. Die Türkei legt sich damit für eine Frist fest, in der der Ausbau erneuerbarer Energien Atomkraftwerke überflüssig machen soll. Der türkische Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu kritisiert den Strom von Akkuyu als „die teuerste Energie“ und beanstandet vor allem, dass die Türkei, sollte es beim Status quo bleiben, keinen Anteil am Atomkraftwerk mehr habe. Erdogan forderte am Freitag zu Beginn des Treffens nur, Akkuyu ohne Verzögerung fertigzustellen.

          Drei weitere Getreideschiffe haben Odessa verlassen

          Zuletzt hatten sich Putin und Erdogan am 19. Juli in der iranischen Hauptstadt Teheran getroffen. Drei Tage darauf wurde in Istanbul das Abkommen zur Ausfuhr ukrainischen Getreides unterzeichnet, unter Einbeziehung Moskaus, Kiews, Ankaras und der Vereinten Nationen. Zwar beschoss Russland tags darauf den Hafen von Odessa mit Marschflugkörpern an und tötete am 31. Juli den ukrainischen Getreidegroßhändler Olexij Wadaturskyj und dessen Frau durch einen Raketenschlag gegen ihr Haus in der Stadt Mykolajiw.

          Doch scheint das Abkommen zu funktionieren. Am 1. August ist ein unter sierra-leonischer Flagge fahrendes Schiff mit 27.000 Tonnen Mais an Bord aus Odessa in Richtung Libanon aufgebrochen. Am Freitag wurde gemeldet, dass weitere drei Schiffe aus Tschornomorsk, einer Hafenstadt westlich von Odessa, mit insgesamt 58.000 Tonnen Mais an Bord abgefahren seien und Häfen in der Türkei, Großbritannien und Irland ansteuerten.

          Die Schiffe sollten in Istanbul von Vertretern eines Gemeinsamen Koordinierungszentrums inspiziert werden. Putin dankte seinem Gast nun für dessen Rolle in der Getreidefrage und dabei, in einer „Paketlösung“ die Ausfuhr russischer Nahrungs- und Düngemittel „reibungslos“ zu gestalten. Gemeint sind offenbar Lockerungen von EU-Sanktionen.

          Nicht bestätigt wurden in der Türkei Meldungen, wonach die beiden Präsidenten über einen angeblichen russischen Wunsch zur Lieferung türkischer Drohnen an Russland sprechen würden. Die Türkei hat der Ukraine Bayraktar-Kampfdrohnen verkauft, seinerzeit sehr zum Verdruss Russlands.

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