https://www.faz.net/-gpf-145e9

Treffen in Genf : Bewegung im Atomstreit mit Iran

Fortschritte mit Iran: Der Außenstaatssekretär Burns und der EU-Außenbeauftragte Solana (r.) Bild: REUTERS

Bei Verhandlungen der Sechsergruppe mit Iran hat sich in Genf ein Handel abgezeichnet, der Bewegung in den Atomstreit bringen könnte. Nach F.A.Z.-Informationen hat Iran im Grundsatz dem Vorschlag zugestimmt, einen großen Teil seines bislang angereicherten Urans im Ausland weiterverarbeiten zu lassen.

          4 Min.

          Bei Verhandlungen der Sechsergruppe mit Iran hat sich am Donnerstag in Genf ein Handel abgezeichnet, der Bewegung in den Atomstreit bringen könnte. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hat Iran im Grundsatz dem Vorschlag zugestimmt, einen großen Teil seines bislang angereicherten Urans im Ausland weiterverarbeiten zu lassen. Dafür soll das Land Brennelemente erhalten, mit denen es seinen Forschungsreaktor in Teheran weiterbetreiben kann.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Dieser dient der Herstellung radioaktiver Isotope für medizinische Behandlungen und wird seit Jahrzehnten von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) überwacht. Der iranische Präsident Ahmadineschad hatte den Westen aufgefordert, Iran als Zeichen des guten Willens die Brennelemente für diesen Reaktor zu liefern, die es selbst nicht herzustellen vermag. Für ihn wäre das ein Erfolg. Westliche Staaten wiederum hoffen auf einen Zeitgewinn im Atomstreit, weil Iran den Zugriff auf einen Großteil seines bislang angereicherten Urans verlöre.

          Amerikanisch-iranisches Treffen auf hoher diplomatischer Ebene

          Beide Seiten vereinbarten in Genf, sich noch im Oktober abermals zu treffen. Das bestätigten der EU-Außenbeauftragte Solana und der iranische Chefunterhändler Dschalili nach den fast achtstündigen Beratungen in getrennten Pressekonferenzen. Die Sechsergruppe - Amerika, China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Russland - hatte auf baldiger Fortsetzung der Gespräche bestanden, damit Teheran nicht weiter auf Zeit spielen kann.

          Der iranische Chefunterhändler Said Dschalili: Konkrete Angebote das Atomprogramm offenzulegen

          Während des Treffens in einer Villa am Genfer See kam es erstmals zu einem bilateralen amerikanisch-iranischen Treffen auf hoher diplomatischer Ebene zum Atomstreit. Außenstaatssekretär Burns sprach nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in der Mittagspause 45 Minuten mit Dschalili über das Atomprogramm, aber auch über die Menschenrechtsverletzungen nach der manipulierten Präsidentenwahl. Dschalili habe die Gelegenheit genutzt, Irans Forderungen nach Abrüstung und einer Neuordnung der internationalen Beziehungen abermals auszuführen, hieß es aus der amerikanischen Regierung.

          Dschalili schimpft über „Medien-Terroristen“, die Angst schüren

          Nach Darstellung Solanas wurde dreierlei vereinbart. Erstens sollen auf dem nächsten Treffen, das noch „vor Ende Oktober“ stattfinden soll, alle relevante Fragen zum Atomprogramm besprochen werden. Darauf angesprochen, wiederholte Dschalili auf seiner Pressekonferenz allerdings nur die Haltung, dass Iran sein Atomprogramm umfassend mit der IAEA bespreche. Dschalili schimpfte dabei über die „Medien-Terroristen“, die mit falschen Berichten Ängste schürten. Solana sagte, Diplomaten beider Seiten sollten nun rasch eine Tagesordnung für das kommende Treffen verabreden. Weil es darum gegangen sei, den Grundstein für einen Gesprächsprozess zu legen, habe man am Donnerstag noch nicht alle wichtigen Themen intensiv besprechen können, hieß es in seinem Umfeld.

          Zweitens hat sich Iran nach Darstellung Solanas verpflichtet, seine fast fertige zweite Urananreicherungsanlage nahe Ghom, deren Existenz Teheran erst vorige Woche eingestanden hatte, innerhalb der kommenden zwei Wochen von der IAEA überprüfen zu lassen. Schon an diesem Wochenende will IAEA-Generaldirektor El Baradei in Teheran die Details besprechen.

          Weitere Themen

          Ein Ping-Pong-Spiel mit ungewissem Ausgang

          Brexit-Deal im Parlament : Ein Ping-Pong-Spiel mit ungewissem Ausgang

          Selbst wenn Boris Johnson bei der Abstimmung über seinen Brexit-Deal siegen würde, bedeutet das noch keinen Durchbruch. Auch das Oberhaus hat nahezu grenzenlose Möglichkeiten, die Beratungen in die Länge zu ziehen.

          Trump attackiert die eigene Partei Video-Seite öffnen

          Ohne Rückhalt : Trump attackiert die eigene Partei

          Viel können die Demokraten nicht, wenn es nach dem amerikanischen Präsidenten geht. Aber wenigstens hielten sie zusammen – im Gegensatz zu den Republikanern, kritisiert Donald Trump.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.