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Traumatisiert in Afghanistan : Im Frühling kam der Tod

  • -Aktualisiert am

Im Februar 2009 kam Mathias Huhn in Kundus an. Schon bald kam der Frühling und mit ihm der Tod Bild: Mathias Huhn

Mathias Huhn war in Afghanistan. Er musste ansehen, wie Freunde starben. Seitdem hat er diese Bilder immer wieder vor sich. Er führt nicht nur einen Krieg im Kopf, sondern kämpft auch gegen Ärzte, Gutachter und Sachbearbeiter.

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          Es ist eine dieser Nächte, in der Mathias Huhn todmüde ist und das Wachsein ihn quält. Er liegt erschöpft auf seinem Bett. Die Nacht hängt tief und schwer im Zimmer, so schwer, wie ihm der Krieg seit einem Jahr auf der Seele lastet. Er dämmert weg - und sitzt wieder auf dem hinteren rechten Sitz eines Fahrzeugs auf einer Straße in Afghanistan. Es rollt aus einem Dorf namens Haji Amanullah, die Soldaten haben eineinhalb Stunden dort verbracht, viel Zeit für den Feind, einen Hinterhalt zu legen. „Wer steht, der stirbt“, murmelt Hauptgefreiter Huhn vor sich hin, als der „Dingo“ anfährt. Wer steht, der stirbt. Plötzlich ein Schlag. Als habe ein Riese mit seiner Keule hingelangt. Der Wagen wirbelt durch die Luft, Huhn wird vom Sitz geschleudert. Mit Krachen schlägt der Transporter wieder auf die Erde, Staub rieselt durch die Kabine. „Bombe! Bombe!“, brüllt jemand. „Raus!“

          Huhn stößt die Tür auf, lässt sich hinausfallen, presst die Waffe an die Schulter. Auf dem Feld vor ihm sieht er eine Gestalt in weißem Gewand. Er visiert sie an. Der rote Punkt seines Zielfernrohrs tanzt auf dem Körper. Der Typ hat die Bombe gezündet, denkt Huhn. Er drückt ab. Ein Feuerstoß katapultiert die Gestalt in die Luft. Dann schlägt sie hin, das Gewand färbt sich auf Brusthöhe rot. Huhn hastet weiter, hinter eine Mauer, sucht Deckung. Um ihn herum zischen Raketen. Er hört die Schreie der Angreifer, „Allah! Allah!“ Sie sind nah. Er feuert ohne Pause, verschießt alle Munition. Doch die Angreifer metzeln einen Kameraden nach dem anderen nieder, sie sind nicht aufzuhalten. Huhn zieht die Pistole, und als auch das letzte Magazin leer ist, will er wegrennen. Die Knie versagen ihm, sie sind weich wie Butter, unendlich langsam zieht er seine Beine vorwärts. Sie scheinen am Boden zu kleben, er zerrt daran, er wirft sich vorwärts. Von hinten schließen sich zwei Hände um seinen Hals, ziehen ihn auf den Boden. Ein Bärtiger springt auf seine Brust, ein Messer in der Hand. Huhn spannt alle Muskeln an, packt den Arm, in dem der Mann das Messer hält. Er stemmt sich mit aller Kraft dagegen, doch das Messer kommt seiner Kehle immer näher. Er presst, schreit - und wacht brüllend neben dem Bett auf.

          Nacht für Nacht die Albträume

          Der Schweiß perlt von seiner Haut, die Fäuste sind noch geballt. Im Bad wäscht er sich den Schweiß ab. Aus dem Spiegel glotzt ihn ein Gesicht mit Schatten und schwarzen Augenhöhlen an. Seit mehr als 18 Monaten geht dieses Martyrium nun schon, Nacht für Nacht die Albträume. Huhn hat in Afghanistan gekämpft. Ein traumatisierter Mann, einer von Hunderten, deren Seele am Hindukusch zerstört worden ist. Die in Kliniken um ihr altes Leben kämpfen, um den Weg zurück in die Normalität, die es für die meisten von ihnen doch nicht mehr geben wird. Sie haben monatelang in Extremen gelebt, mit höchstem Einsatz gespielt und erwartet, dass die Gesellschaft ihnen dafür dankt. Sie kamen in ein Land zurück, in dem sich kaum jemand für ihre Erlebnisse interessiert.

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