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Trauerfeier in Boston : Vier Präsidenten erweisen Kennedy die letzte Ehre

  • Aktualisiert am

Am Grab auf dem Arlington-Friedhof Bild: dpa

Als „größten Parlamentarier unserer Zeit“ und „Seele der Demokratischen Partei“ hat der amerikanische Präsident Obama den verstorbenen Edward Kennedy gewürdigt.

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          Amerika nimmt in tiefer Trauer Abschied von Edward Kennedy: der amerikanische Präsident Barack Obama würdigte den mit 77 Jahren gestorbenen Senator als „Seele der demokratischen Partei“ und „Löwen des US-Senats“. Ted Kennedy sei als Senator zum „größten Gesetzgeber unserer Zeit geworden“, sagte Obama bei einem bewegenden Trauergottesdienst am Samstagmorgen (Ortszeit) in Boston (Massachusetts).

          Die Söhne Ted Kennedy jr. und Patrick Kennedy schilderten tief bewegt ihren Vater als fürsorglich, liebevoll und immer ermutigend. Der Senator aus Massachusetts war am vergangenen Dienstagabend an einem Gehirntumor gestorben.

          „Gab denen eine Stimme, die nicht gehört wurden“

          Zu den 1500 dicht gedrängten Teilnehmern der Feier in der Basilika „Our Lady of Perpetual Help“ gehörten die ehemaligen amerikanischen Präsidenten Jimmy Carter, Bill Clinton - in Begleitung seiner Frau, der Außenministerin Hillary Clinton - und George W. Bush. Unter der Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Kultur befanden sich auch Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger und Hollywoodstar Jack Nicholson. Kinder, Enkel und Neffen Ted Kennedys gestalteten - zum Teil mit Tränen erstickter Stimme - den katholischen Gottesdienst zu Ehren des Senators von Massachusetts mit.

          Obama und die Witwe von Edward Kennedy Vicki Reggie Kennedy

          Opernstar Placido Domingo sang, vom dem berühmten Cellisten Yo-Yo Ma begleitet, „Panis Angelicus“, komponiert von César Franck. Die Opernsängerin Susan Franck bot das „Ave Maria“ von Franz Schubert dar.

          Obama würdigte Kennedy als eine Mann mit Überzeugungen und Humor, den auch die politischen Gegner respektiert hätten. Mehr als tausend Gesetze trugen den Namen des Gestorbenen, so Obama. Ted Kennedy sei „vom Baby der Familie zu ihrem Patriarchen geworden“. Er sei nie der Repräsentant der Reichen und Mächtigen gewesen, „er gab denen eine Stimme, die nicht gehört wurden“.

          „Talentierter und engagierter als jede andere Familie“

          Am frühen Abend (Ortszeit) war die Beisetzung des Leichnams auf dem Nationalfriedhof Arlington (Virginia) an der Stadtgrenze zu Washington vorgesehen. Dort haben auch seine ermordeten Brüder John F. Kennedy und Bob Kennedy die letzte Ruhe gefunden.

          Schon am Freitag hatten Verwandte, Parteifreunde und Oppositionspolitiker bei einer Gedenkveranstaltung den Senator als einen der Heroen der amerikanischen Politik gewürdigt. Vizepräsident Joe Biden nannte ihn in der John F. Kennedy-Gedenkstätte in Boston ein Vorbild an Uneigennützigkeit und Lebensmut. Er glaube nicht, dass mit dem Tod des Senators die „Ära Kennedy“ vorbei sei. Nach wie vor bildeten die Kinder der Generation von John F., Bob und Edward Kennedy „eine unglaubliche Familie..., talentierter und engagierter als jede andere Familie, die ich gesehen habe“.

          Mehrere Senatoren gedachten bei der über dreistündigen Veranstaltung des Verstorbenen. „Wir waren meistens unterschiedlicher Meinung. Aber ich habe ihn bewundert für seine Überzeugungen, seine Geduld bei der harten, manchmal langweiligen Arbeit der Gesetzgebung“, sagte der republikanische Senator John McCain. Vor allem aber habe Kennedy ein „unheimliches Gespür“ dafür gehabt, wann es möglich gewesen sei, Brücken zwischen den politischen Lagern zu bauen, betonte der republikanische Präsidentschaftskandidat von 2008. Kaum ein anderer Senator habe den Gang der Geschichte der Vereinigten Staaten mehr verändert, sagte der demokratische Senator John Kerry.

          47 Jahre ununterbrochen im Senat

          Auf der Veranstaltung mit dem Titel „Ein Fest für das Leben“ zeichneten Verwandte und Spitzenpolitiker mit zahlreichen Anekdoten ein oft heiteres Bild des „liberalen Löwen aus Massachusetts“. Chöre und Sänger komplettierten die bewegende Gedenkfeier. Schon seit Donnerstag hatten mehr als 50.000 Menschen dem Senator an seinem aufgebahrten Sarg in der John F. Kennedy Bibliothek die letzte Ehre erwiesen.

          Der Demokrat war am Dienstag an einem Gehirntumor gestorben. Seit dem Tod seiner beiden in den 60er Jahren ermordeten Brüder John F. und Robert hatte Edward als Oberhaupt seines Familien-Clans gegolten. Er saß 47 Jahre ununterbrochen im Senat und wurde zu einem der politischen Schwergewichte Amerikas. Seine Ambitionen, Präsident der mächtigsten Nation der Welt zu werden, zerschlugen sich, als er 1969 einen Unfall verursachte, bei dem seine Begleiterin in einem Fluss ertrank, und sich erst Stunden später bei der Polizei meldete.

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