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Anschlag in Manchester : Zerschmettert und ohne Worte

Eine Stadt unter Schock: Ein Polizist hilft Konzertbesuchern kurz nach dem Anschlag. Bild: Imago

Großbritannien trauert. Dass der Terroranschlag ohne Einfluss auf die Unterhauswahl bleiben wird, glauben nur wenige.

          8 Min.

          Am frühen Abend versammelten sich die Bürger von Manchester zu einer Mahnwache vor der Town Hall. Drinnen lag seit dem Morgen das Kondolenzbuch aus, in das sich den Tag über viele Menschen eingetragen hatten. Andy Burnham, der neue Bürgermeister der Stadt, hatte zuvor den Geist beschrieben, in dem die Bürger im Stadtzentrum zusammenkommen sollten: „Wir trauern, wir sind stark, und wir sind zusammen. Nie wird man uns besiegen.“

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Der „schwerste Terroranschlag, der je den Norden Englands getroffen hat“ (Premierministerin Theresa May) ereignete sich am Montagabend um halb elf. Tausende Besucher, viele von ihnen Kinder und Teenager, hatten gerade in der Manchester Arena der Popsängerin Ariana Grande zugejubelt. Ein Teil des Publikums war schon auf dem Weg aus der Halle, als die Sängerin noch einmal für eine Zugabe zurück auf die Bühne kam. So eilten viele wieder zurück in den Saal. Diesem Umstand ist zu verdanken, dass der Ausgangsbereich, in dem der Selbstmordattentäter seine Bombe zündete, im Augenblick der Denotation nicht ganz so gefüllt war wie noch eine Minute zuvor. Die Bilanz ist schrecklich genug: 23 Menschen wurden durch die Explosion in den Tod gerissen, 59 zum Teil schwer verletzt.

          Große Hilfsbereitschaft nach dem Anschlag

          Das erste Opfer, das mit Namen genannt wurde, war die 18 Jahre alte Georgina Callandar, die noch am Abend vor dem Konzert an ihr Idol getwittert hatte: „Bin so aufgeregt, dass ich Dich morgen sehen werde!“ Die „Daily Mail“ berichtete, das sich auch ein acht Jahre altes Mädchen unter den Opfern befand. Andere Kinder und Jugendliche wurden noch am Dienstag vermisst. Eine Mutter hielt in der BBC ein Foto ihrer Tochter hoch und bat unter Tränen um Hinweise. Ariana Grande twitterte an ihre 150 Millionen Follower: „Zerschmettert. Ich bin so so traurig. Ich habe keine Worte.“

          Die ganze Nacht hindurch arbeiteten die Rettungsmediziner und die Sicherheitskräfte Hand in Hand in der verwüsteten Eingangshalle der Arena. Viele Bürger Manchesters machten sich spontan auf den Weg zu dem Gelände, um Eltern zu helfen, die verzweifelt nach ihren Kindern Ausschau hielten. Premierministerin Theresa May würdigte die spontane, zum Teil auch mutige Bürgersolidarität am Dienstag mit den Worten, dass „ein Versuch uns zu spalten, viele Menschen einander näher gebracht hat“.

          Hinweise auf weitere Verdächtige

          Bevor May am Nachmittag nach Manchester flog, um sich einen eigenen Eindruck zu verschaffen, leitete sie eine Sitzung des Sicherheitskabinetts in Downing Street. Danach trat sie vor die Tür ihres Amtssitzes und bestätigte, dass der Anschlag von einem Einzeltäter verübt wurde, auch wenn nicht klar sei, ob er von Hintermännern oder einer Terrororganisation unterstützt wurde. Die Terrorwarnstufe wurde nicht erhöht; sie blieb auf „ernst“.

          Am Dienstag bekannte sich der „Islamische Staat“ (IS) zu dem Anschlag. Das war nicht verwunderlich. Die Terrorgruppe ist dafür bekannt, auch Leute zu ihren „Kämpfern“ zu erklären, die ohne Auftrag gehandelt haben. Britische Zeitungen lieferten allerdings Hinweise darauf, dass tatsächlich Dritte in den Terrorplan eingeweiht gewesen sein könnten. Sie verwiesen auf zwei Tweets, die wenige Stunden vor dem Selbstmordanschlag aus der Islamistenszene veröffentlicht wurden. „Are you forget our threat?“ stand da in falschem Englisch – sinngemäß „Habt ihr unsere Bedrohung vergessen?“. Darunter schrieb der maskierte Autor: „Dies ist der gerechte Terror.“

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