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Trauer in Russland : Flugzeugabsturz ist Rückschlag für Putins Einsatz in Syrien

  • Aktualisiert am

Trauer in Sotchi um die Opfer des Flugzeugabsturzes über dem Schwarzen Meer. Bild: AFP

Russland beherrscht die militärische Lage in Syrien. Doch in der Heimat wird kaum über den Einsatz und seine Opfer gesprochen. Jetzt muss das Land den Verlust seines berühmten Armeechores verkraften.

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          Für Russland ist der Flugzeugabsturz mit 92 Toten der bislang schlimmste Rückschlag, seit es im Herbst 2015 militärisch in den Syrien-Krieg eingegriffen hat. Der Tod über dem Schwarzen Meer bei dem Ferienort Sotschi traf Dutzende Sänger des berühmten Alexandrow-Armeechores. Sie sollten in Syrien für ihre Kameraden singen. Doch ihr Flugzeug, eine 33 Jahre alte Tupolew Tu-154 des Verteidigungsministeriums, verunglückte unter ungeklärten Umständen.

          Die Führung um Präsident Wladimir Putin mag beim militärischen Eingreifen in Syrien Verluste einkalkuliert haben. Der Verlust eines weltweit bekannten Musikensembles gehört bestimmt nicht dazu. „Das sind Opfer des Krieges, an dem wir alle freiwillig oder unfreiwillig beteiligt sind“, schrieb die liberale Zeitung „Wedomosti“.

          Russland trauerte am Montag. An der Uferpromenade von Sotschi brannten Kerzen, während Schiffe auf dem Meer nach Wrackteilen und Vermissten suchten. Am Gebäude des Chores in Moskau legten Menschen Blumen nieder. Die Zivilgesellschaft trauerte um Jelisaweta Glinka, die prominente Leiterin einer russischen Hilfsorganisation. „Doktor Lisa“ hatte eine Medikamentenspende für die Universitätsklinik von Latakia in Syrien begleitet.

          Die Tragödie stehe „in keinem Zusammenhang mit dem Vorgehen der russischen Luftwaffe in Syrien“, sagte der Außenpolitiker Franz Klinzewitsch vom Föderationsrat. „Eine 100-prozentige Sicherheit im Luftverkehr kann niemand garantieren.“

          Trotzdem wird Russlands militärische Operation durch das Unglück berührt. Ohne die Flüge des Verteidigungsministeriums mit Passagiermaschinen zwischen Russland und der Basis Hamaimim in Syrien funktioniert der Einsatz nicht. Die Tupolews und Iljuschins transportieren Soldaten, medizinisches Personal, Unterhändler.

          Alte Flugzeuge für den Transport nach Syrien

          Mit einer Tupolew waren Anfang Mai auch Stardirigent Waleri Gergijew und sein Orchester nach Palmyra geflogen worden. Die Flüge mit den heruntergekommenen Maschinen verlangen ein gewisses Gottvertrauen. Aber auch für westliche Journalisten gibt es derzeit kaum eine andere Möglichkeit, nach Syrien zu kommen.

          Und natürlich waren die Sänger Soldaten. „Das Alexandrow-Ensemble ist unser Stolz. Dazu gehören viele Soldaten, die in Krisengebieten waren, und auf gewisse Weise sind sie jetzt im Einsatz umgekommen“, sagte der Vize-Kulturchef der Stadt Moskau, Alexander Kibowski.

          Das russische Militär hat in den 15 Monaten seiner Bombardements in Syrien das Blatt unerbittlich wieder zugunsten des fast schon geschlagenen Präsidenten Baschar al-Assad gewendet. Auf dem Stützpunkt Hamaimim bei Latakia sind die Russen so stark bewaffnet, dass auch die Supermacht Amerika sich in Syrien zurückhalten muss.

          Die Opfer des Feldzugs werden in Russland nicht diskutiert - weder die der syrischen Bevölkerung noch die eigenen. Das russische Verteidigungsministerium dementiert alle Treffer auf Zivilisten. Die Zählung eigener Verluste steht derzeit bei etwa 30 toten Soldaten. Zuletzt gingen die Zahlen rascher nach oben. Bei der Eroberung von Aleppo wurden im Dezember zwei Sanitätssoldatinnen und ein Oberst getötet, ein Major wurde bei Palmyra tödlich getroffen.

          An Militärgerät verlor Russland einen Kampfjet Suchoi Su-24, den die türkische Luftwaffe abschoss, und mehrere Hubschrauber. Zwei Jets gingen bei fehlgeschlagenen Landungen auf dem Flugzeugträger „Admiral Kusnezow“ verloren. Wie hoch der Preis des Engagements sein kann, zeigte vergangene Woche auch der Mord an dem russischen Botschafter Andrej Karlow in der Türkei. Der Attentäter, ein türkischer Polizist mit islamistischer Gesinnung, wollte Rache für Syrien nehmen.

          Den höchsten Preis aber haben bislang die einfachen Bürger gezahlt: Am 31. Oktober 2015 wurde ein Airbus A321 mit 224 russischen Ägypten-Urlaubern über dem Sinai in die Luft gesprengt, die Täter gehörten mutmaßlich zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS). „Die Wurzel des Ganzen ist der Krieg in Syrien“, schrieb der Oppositionspolitiker Dmitri Gudkow auf Facebook. „Er muss unbedingt gestoppt werden.“

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