https://www.faz.net/-gpf-9rfp9

Gewalt bei Protest in Hongkong : Tränengas, Gummigeschosse und eine Zerstörungsaktion

  • Aktualisiert am

Zwei Frauen reiben sich in Hongkong die Augen, nachdem die Polizei Tränengas eingesetzt hatte. Bild: Reuters

Seit mehr als drei Monaten gehen Menschen in Hongkong gegen die pekingtreue Führung auf die Straßen. Nun gab es abermals Gewalt – und eine pro-chinesische Gruppe versucht der Demokratiebewegung zu schaden.

          2 Min.

          In Hongkong hat es am Samstag wieder Proteste der Demokratiebewegung mit Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gegeben. Die Polizei ging mit Tränengas und Gummigeschossen gegen kleine Gruppen gewaltbereiter Demonstranten vor, die in der Stadt Tuen Mun im Nordwesten Hongkongs Barrikaden errichtet hatten. Zahlreiche Demonstranten wurden nach Angaben von Augenzeugen festgenommen.

          Die Demonstration in Tuen Mun nahe der Grenze zu Festlandchina hatte zunächst friedlich begonnen. Vor einem Regierungsgebäude riss eine kleine Gruppe von Demonstranten dann eine chinesische Fahne herunter und verbrannte sie. Die Spannungen nahmen schnell zu, nachdem ein Einsatzkommando der Polizei einen Park stürmte, in dem sich viele Demonstranten versammelt hatten. Es gab eine Reihe von Festnahmen.

          „Lennon Walls“ abgerissen

          Daraufhin errichteten hunderte Aktivisten Barrikaden und rissen Zäune nieder, um sich mit selbstgemachten Schlagstöcken auszurüsten. Gegenstände wurden auf nahegelegene Bahnschienen geworfen. Als die Polizei Tränengas einsetzte und Gummigeschosse abfeuerte, zogen sich die Demonstranten schnell zurück. Am Abend lieferten sich kleine Gruppen von Demonstranten und Polizisten ein Katz-und-Maus-Spiel.

          Gleichzeitig haben pro-chinesische Gruppen begonnen, die sogenannten „Lennon Walls“ in Hongkong abzureißen, eine kreative und friedliche Protestform der Demokratiebewegung. Die Wände dienten dazu, sich mithilfe von Post-Its in der Stadt zu verabreden, satirische Kommentare zu schreiben oder um Bilder und Plakate anzubringen. Wie mehrere Medien übereinstimmend berichten, rissen am Samstagmorgen dann pro-chinesische Gegendemonstranten die Wände ab. Der pro-chinesische Hongkonger Abgeordnete Junius Ho hatte zuvor dazu aufgerufen, „den ganzen Müll von den Wänden zu reißen“ und die Stadt zu „säubern“. Bilder auf Twitter zeigen, wie die Polizei die Abrissaktion zu schützen schien.

          Abgeschirmt von der Polizei entfernen Mitglieder der pro-chinesischen Gruppe regierungskritische Plakate von den „Lennon Walls“.

          Die seit mehr als drei Monaten andauernden Proteste in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong hatten sich anfangs gegen ein geplantes Gesetz gerichtet, das Überstellungen von Verdächtigen an Festland-China vorsah. Unter dem Druck der Demonstranten zog die Hongkonger Regierung das Gesetz komplett zurück.

          Mittlerweile richten sich die Proteste aber generell gegen die pekingtreue Führung in Hongkong und die Beschneidung der Bürgerrechte. Die Demonstranten fordern den Rücktritt der Hongkonger Regierungschefin Carrie Lam, eine unabhängige Untersuchung der Polizeigewalt, eine Amnestie für die Festgenommenen sowie freie Wahlen. Zuletzt kam es immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und den Demonstranten.

          Weitere Themen

          Weingarten rückt für Nahles in Bundestag nach

          SPD-Fraktion : Weingarten rückt für Nahles in Bundestag nach

          Der SPD-Politiker Joe Weingarten wird den Platz von Andrea Nahles im Bundestag einnehmen. In seinem rheinland-pfälzischen Landesverband ist er umstritten – vor allem wegen Äußerungen über Flüchtlinge und die AfD.

          Proteste im Libanon halten an Video-Seite öffnen

          Sieben Tage : Proteste im Libanon halten an

          Am siebten Tag in Folge sind im Libanon Menschen gegen die Regierung auf die Straße gegangen. Die Armee versuchte derweil, eine Reihe wichtiger Verkehrsadern wieder zu öffnen, die Demonstranten seit Tagen blockiert halten.

          Topmeldungen

          Debatte ums Eintrittsalter : Die große Renten-Frage

          Wie lange müssen wir künftig arbeiten? Bis 69, empfiehlt die Bundesbank, und löst damit viel Widerspruch aus. Worauf es ankommt, wenn das Rentensystem wieder ins Lot kommen soll.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.