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Ausgangsbeschränkungen : Touristen von hartem Lockdown in der Türkei ausgenommen

Vom Wochenende an verboten: Essen im Freien am Ufer des Goldenen Horns in Istanbul Anfang April Bild: dpa

In der Türkei gilt ab diesem Donnerstag für gut zwei Wochen eine verschärfte Ausgangssperre. Staatspräsident Erdogan will so die grassierende Infektion unter Kontrolle bekommen. Für Touristen und viele Betriebe gelten Ausnahmen.

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          Vor dem Hintergrund hoher Corona-Fallzahlen hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan einen mehr als zweiwöchigen Lockdown über das Land verhängt. Allerdings ist die Liste der Ausnahmen davon lang. Touristen aus dem Ausland, von denen es derzeit allerdings nur wenige gibt, sind von den Schließungen in der Zeit vom Abend des 29. April bis 17. Mai nach einer Auflistung des türkischen Innenministeriums nur teilweise betroffen, ebenso wie weite Teile der Wirtschaft.

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Negative Folgen für den Handel und die Belieferung mit Gütern oder Vorprodukten dürften damit überschaubar bleiben. Deutschland ist einer der wichtigsten Handelspartner der Türkei und ihr größter Exportmarkt. Schon bisher war die Wirtschaft von scharfen Beschränkungen eher verschont geblieben.

          Seit März war die Zahl der Neuinfektionen in der Türkei stark gestiegen und hatte in der vergangenen Woche mit mehr als 60.000 Neuinfektionen am Tag einen Höhepunkt erreicht. Seither war die Zahl wieder auf 37.000 neue Fälle am Tag gesunken, der Sieben-Tage-Schnitt liegt mit über 50.000 beim zweieinhalbfachen Wert Deutschlands, das eine ähnlich große Bevölkerung wie die Türkei hat.

          Nächtliche Ausgangssperren

          Erdogan hatte schon zuvor mit Beginn des Ramadans in der vorigen Woche die Schutzmaßnahmen ausgeweitet und den abendlichen Betrieb von Restaurants auf das Abholen von Speisen begrenzt. Zudem bestehen nächtliche Ausgangssperren. Allerdings wurden die Ausgangssperren bisher eher lax gehandhabt, wie Fotos aus belebten Innenstädten an Wochenenden belegen. Jetzt soll die Überwachung der Ausgangsverbote streng kontrolliert werden.

          Die Fallzahlen sind vor allem in der Millionenmetropole Istanbul extrem hoch. Das Gesundheitsministerium teilte am Montag mit, die Sieben-Tage-Inzidenz liege dort bei rund 850 Fällen pro 100.000 Einwohner. Zum Vergleich: In Deutschland liegt der Wert aktuell bei 168.

          Türkische Lebensmittelgeschäfte bleiben nun tagsüber lediglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet, Bürger sind angehalten, nur zur Deckung lebenswichtiger Bedürfnisse einkaufen zu gehen. Reisen zwischen Städten sind nur mit einer besonderen Erlaubnis zulässig. Die Beschränkungen gelten laut Innenministerium auch für Ausländer im Land, solange sie sich nicht nur kurzzeitig und zu touristischen Zwecken dort aufhalten. Die Bundesregierung stuft die Türkei weiterhin Corona-Hochinzidenzgebiet ein und rät von touristischen Reisen ab.

          Grundsätzlich betrifft die Ausgangssperre auch alle Unternehmen und Büros, allerdings gilt dafür eine lange Liste mit Ausnahmen, auch jenseits der Parlamentsmitglieder, Sicherheitsbehörden oder jener Anbieter, die medizinische oder andere Bedürfnisse des täglichen Bedarfs decken. So sind unter anderem Beschäftigte in Industriebetrieben und die Bauwirtschaft von der Ausgangssperre ausgenommen, gleiches gilt für den Agrar- und Logistiksektor, die Energie- und Wasserwirtschaft, Tankstellen, Medienhäuser, Teile der Finanzbranche, auch für Hotelbetriebe. Auch nationale und internationale Sportwettbewerbe dürfen ausgetragen werden, wenn auch ohne Zuschauer auf den Rängen.

          Maßnahmen vor wichtiger Reisesaison

          Die Türkei hatte ihre Impfkampagne Mitte Januar begonnen und lässt vor allem das Vakzin des chinesischen Herstellers Sinovac spritzen. Inzwischen sind auch 4,5 Millionen Dosen Impfstoff von Biontech/Pfizer verfügbar. Allerdings soll auch der russische Impfstoff Sputnik V bald in der Türkei produziert werden.

          Die neuen schärferen Maßnahmen sollten neben dem direkten Schutz der Bevölkerung auch dafür sorgen, dass die Infektionszahlen vor Beginn der wirtschaftlich wichtigen Sommerreisesaison wieder abflachen. Auch deshalb waren die Beschäftigten im Tourismusgewerbe bei der Impfaktion zuletzt vorgezogen worden. Rund ein Achtel des türkischen Bruttoinlandsproduktes wird normalerweise im Tourismus erwirtschaftet. Im vergangen Jahr war der Sektor allerdings eingebrochen, auch in diesem Jahr liegt die Zahl der Reisenden bisher weit unter den langjährigen Werten.

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